Zitate des Tages: Sieger sehen anders aus - DER SPIEGEL
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Zitate des Tages Sieger sehen anders aus

"Nie - mehr - zweite Liga!" Ist Deutschland bei Pisa eher Regionalligist oder spielt bald in der Champions League? Die Welt des Sports liefert zur Pisa-Debatte reichlich Stichworte. Und in der Konferenzschaltung melden sich aus dem fernen Finnland auch gleich die Weltmeister zu Wort.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Offenbar geben sich die Kultusminister mit der zweiten Liga zufrieden. Ich vermisse ernsthafte Vorschläge, wie vor allem schwächere Schüler und Kinder aus Einwandererfamilien kurzfristig unterstützt werden können. Das ist zynisch. Die jungen Menschen suchen jetzt und nicht am St. Nimmerleinstag einen Ausbildungsplatz."

Marianne Demmer, Schulexpertin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, zu den Erklärungen der Kultusminister, dass Schulreformen erst nach 10 oder 15 Jahren richtig greifen könnten.

"Das ist kein schlechtes Abschneiden, sondern ein Aufwärtstrend. Das sollte man nicht in typisch deutscher Miesepetrigkeit schlechtreden wollen."

Josef Kraus, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, findet die deutschen Schüler gar nicht so übel.

"Schönreden und Schönfärben erzeugen keine schulpolitische Aufbruchstimmung. Das Ziel kann nicht sein, knapp unter dem Durchschnitt zu landen. Das Ziel muss sein, knapp vor dem Zweiten zu sein."

Die GEW in Thüringen über die Pisa-Erwartungen.

"Wir wollen gern in der Champions League spielen. Seit 2000 stehen wir eigentlich nur in der Regionalliga. Jetzt haben wir einen Schritt gemacht, um in die Zweite Bundesliga aufzusteigen."

Willi Lemke, Bremer Bildungssenator und ehemaliger Bundesligamanager mit Hang zu Fußball-Vergleichen. Bei der ersten Pisa-Studie bildete Bremen das Schlusslicht der deutschen Bundesländer, was Lemke als "Katastrophe" bezeichnete.

"Finnland gibt nicht mehr Mittel aus als im OECD-Durchschnitt. (...) Unser Erfolg bei Pisa stärkt die allgemein verbreitete Überzeugung in Finnland noch, dass die Gesamtschule genau das Richtige ist. Würden wir wie früher durch Aufnahmeprüfungen und sehr früh auswählen, ginge uns unglaublich viel Kompetenz von Schülern verloren."

Tuula Haatainen, finnische Erziehungsministerin, zu den Pisa-Spitzenplätzen ihres Landes. Haatainen hält die einheitliche Gesamtschule bis nach der neunten Klasse für den wichtigsten Faktor.

"Mit den Deutschen fühle ich mich wieder wie in den sechziger Jahren, als ich über die Dörfer zog und misstrauische Finnen von der Gesamtschule überzeugen wollte."

Jukka Sarjala, inzwischen pensionierter Leiter der staatlichen Erziehungsbehörde in Helsinki, der in den letzten Jahren viel Zeit für deutsche Besucher abzweigen musste - von Kultusministern bis zu Elterninitiativen wollten alle hinter das finnische Erfolgsgeheimnis kommen.

"Der Unterricht muss sich stärker daran orientieren, was für die Schüler von Bedeutung ist. Um die Lesekompetenz zu schulen, könnte man die Gebrauchsanweisung für einen Videorekorder als Unterrichtsstoff behandeln oder die günstigsten Handy-Tarife herausfinden. Aufgaben, die durchaus nicht trivial sind, wie jeder weiß. Rechnen und Geometrie lernen sich leichter, wenn etwa ein pensionierter Handwerker mit den Schülern zusammen eine Hütte für den Schulhof baut. Der Hebel, um Deutschland nach vorn zu bringen, ist eine Steigerung bei den schwächsten Schülern. (...)

Ein echter Wettbewerbsföderalismus könnte die Schulen nach vorn bringen. Dazu ist aber ein sportlicherer Umgang miteinander nötig. Wenn Schleswig-Holstein meint, mit Gemeinschaftsschulen seine Schüler zu besseren Leistungen zu bringen, dann sollte Bayern meinetwegen sagen: Wir setzen weiter aufs gegliederte System. Und nach ein paar Jahren schaut man, welcher Weg mehr Erfolg bringt. Stattdessen wirft man sich gegenseitig vor, ungerecht beziehungsweise gleichmacherisch zu sein."

Manfred Prenzel, Kieler Erziehungswissenschaftler und Leiter des deutschen Pisa-Teils, zu lebensnahem Unterricht und zur Schulsystem-Debatte.

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