WG-Psychologe Büter: Mitbewohner klaut Lebensmittel - DER SPIEGEL
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Rat vom WG-Psychologen Mein Mitbewohner isst mir mein Essen weg

Wie ein Schlachtfeld hat er die Küche hinterlassen - und mittendrin Sabrinas leeres Nudelsaucen-Glas. Jetzt bunkert sie ihre Bio-Lebensmittel in ihrem Zimmer, doch auch dort verschwinden Sachen. WG-Psychologe Büter weiß Rat.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag. Der Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de ).

Sabrina, 25, schreibt:

Lieber Herr Büter,

ich wohne seit zwei Jahren in einer Vierer-WG. Seit einigen Monaten bedient sich einer meiner Mitbewohner ständig an meinen Lebensmitteln. Er selbst kauft nur die billigsten Produkte, während ich sehr viel Wert auf hochwertige Lebensmittel lege und Marken- und Bio-Produkte kaufe.

Wenn er kocht, dann sieht die Küche anschließend aus wie ein Schlachtfeld - und mittendrin entdecke ich dann zum Beispiel mein Glas einer teuren Nudelsauce. Leer natürlich. Dies ist mittlerweile so häufig vorgekommen, dass ich das Thema in unserer WG-Besprechung zur Sprache gebracht habe. Dabei habe ich niemanden persönlich beschuldigt. Ich habe gehofft, dass sich der Lebensmitteldieb schon angesprochen fühlen wird.

Leider vergebens. Darum bewahre ich meine Lebensmittel inzwischen in meinem Zimmer auf.

Mit Entsetzen musste ich allerdings feststellen, dass mein raffinierter Mitbewohner einfach dort ein- und ausgeht, wenn ich nicht zu Hause bin. Die leeren Verpackungen meiner Köstlichkeiten finde ich später immer neben seinem dreckigen Geschirr.

Mittlerweile schließe ich mein Zimmer ab, was mir vor meinen anderen Mitbewohnern und Freunden peinlich ist. Neulich habe ich es einmal vergessen und war auf dem Weg zur Uni. Als es mir einfiel, hatte ich sofort ein ungutes Gefühl und wäre am liebsten umgekehrt. Da ist mir klar geworden: Das kann kein Dauerzustand sein. Vielleicht können Sie mir einen guten Ratschlag geben?

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Sabrina!

Das Entwenden von Lebensmitteln in einer WG ist Diebstahl, den Sie nicht hinzunehmen brauchen. Bleiben die Übergriffe des Nachbarn folgenlos, wird er sich auch in Zukunft bei Ihnen bedienen und vielleicht sogar ermuntert fühlen, noch andere Dinge als Lebensmittel "auszuleihen".

Die Lagerung von Lebensmitteln in Ihrem Zimmer und das Abschließen ist eine angemessene Reaktion, aber keine Lösung, weil es Ihr Zimmer zweckentfremdet und die Einstellung Ihres Nachbarn unangetastet lässt. Sie schreiben nicht, ob auch die beiden anderen Mitbewohner bestohlen werden. Klären Sie das mit ihnen und konfrontieren Sie den Betreffenden gemeinsam und ungeschminkt mit Ihrer Beobachtung.

Besprechen Sie vor der Konfrontation, welche Sanktionsmöglichkeiten Sie haben und nutzen wollen. Lassen Sie den Nachbarn nicht im Zweifel über Ihre Entschlossenheit, WG-gerechtes Verhalten einzufordern und bisheriges nicht mehr zu tolerieren. Hierin sollten Sie alle einander unterstützen, ob betroffen oder nicht.

Für die Nutzung der Küche könnte Ihnen eine ausdrückliche Vereinbarung helfen, diese nach dem Kochen aufzuräumen. Formulieren Sie hierzu aus, was genau das bedeuten soll für die Arbeitsflächen, das Geschirr und so weiter.

Ignoriert Ihr Mitbewohner Ihre Warnung vor fortgesetztem Diebstahl von Lebensmitteln und die Vereinbarung zur Küchennutzung, ist es seine Art zu "sagen", in einer WG nicht leben zu können.

Du hast WG-Kummer?
Foto: Silja Götz

Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de . Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.