Rat vom WG-Psychologen Meine Mitbewohnerin hasst meinen Freund
WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag. Der Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de ).
Marie*, 21, schreibt:
Lieber Herr Büter,
ich wohne mit meiner besten Freundin seit zwei Jahren in einer WG, die gut funktioniert. Nun habe ich seit einiger Zeit eine Fernbeziehung. Mein Freund kann mich nur alle paar Monate besuchen, meistens am Wochenende. Das Problem ist: Meine Mitbewohnerin und mein Freund verstehen sich so gar nicht.
Das fängt schon damit an, wie unterschiedlich ihre Persönlichkeiten sind. Er ist eher vorsichtig und still. Sie ist lebhaft und redselig. Sie versucht zwanghaft, ein gutes Verhältnis zu ihm aufzubauen und ihn in Gespräch zu verwickeln. Er fühlt sich davon unter Druck gesetzt. Es hat deswegen schon ein paar Mal geknirscht.
Um einen Konflikt zu vermeiden, verzieht mein Freund sich sofort in mein Zimmer, sobald meine Mitbewohnerin da ist. Als wir die angespannte Stimmung klären wollten, kam es dann zum großen Streit, gegenseitige Beleidigungen inklusive. Nun möchte keiner der beiden mehr zusammen mit dem anderen in der WG sein. Weder er noch sie sehen eine Möglichkeit, das Verhältnis zu bessern. Und ich stehe jetzt dazwischen.
Auf Dauer ist es keine Lösung, wenn mein Freund mich nur noch dann besucht, wenn meine Mitbewohnerin nicht zu Hause ist. Wir haben aber leider keine Möglichkeit, uns woanders zu treffen. Meine Mitbewohnerin hat jetzt sogar schon angeboten auszuziehen.
Ich bin ziemlich ratlos und sehr unglücklich mit der Situation. Haben Sie einen Tipp?
Marie
* Name geändert
Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?
WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:
Liebe Marie!
Die zahlreichen und angestrengten Bemühungen um einen Ausgleich sind gescheitert. Nach dem lebhaften Austausch von Beleidigungen stehen Sie vor einem Scherbenhaufen, den auch ich nicht mehr für reparabel halte. Die Rückkehr zu allseitiger Freundschaft wäre Ihnen natürlich die liebste Lösung, aber vielleicht ist die nächstbeste doch leichter zu erreichen und für Sie zufriedenstellend.
Sie sind eng mit zwei Menschen befreundet, die einander zutiefst unsympathisch sind. Das ist keine ungewöhnliche Konstellation - weder in WGs noch außerhalb. Die beiden reagieren darauf, indem sie ihren Kontakt meiden, wo sie können. Ich empfehle Ihnen sehr, die beiden nicht gegen ihren Willen zu Freunden machen zu wollen. Damit würden Sie in jedem Falle scheitern.
Die recht sporadischen Begegnungen sollten es Ihnen aber ermöglichen, sowohl die Beziehung zu Ihrem Freund aufrechtzuerhalten als auch das gute WG-Verhältnis mit Ihrer Mitbewohnerin und Freundin zu genießen. Hierzu dürfen Sie sehr wohl von beiden erwarten und einfordern, die Situation zu versachlichen: Man geht sich also aus dem Weg, grüßt einander aber und verzichtet auf Provokationen mit dem üblichen Besteck kleiner Bosheiten, wie sie uns allen vertraut sind.
So viel sollte außerdem klar sein: Da Sie und die Freundin Mieter sind, bleibt Ihr Freund Gast in der WG. Deshalb sind seine Ansprüche an das WG-Leben und Ihren Umgang dort auch nicht gleichrangig. Aus demselben Grund ist das Angebot der Freundin auszuziehen nett, aber unangemessen. Welche Lebensdauer hätten WGs, wenn Gäste sie sprengen könnten, weil sie sich mit irgendwelchen Nachbarn ihrer Gastgeber nicht arrangieren wollen?
Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de . Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.