Sprachpreis 2010 "Niveaulimbo" ist Jugendwort des Jahres
Geht es nun auf oder ab mit der deutschen Jugendsprache? Das diesjährige Sieger-Wort "Niveaulimbo" des Langenscheidt-Wettbewerbs ist jedenfalls keine Verunglimpfung einer speziellen Personengruppe, sondern bezeichnet laut Jurybegründung angeblich ein "ständiges Absinken des Niveaus, aus dem Ruder laufende Partys und sinnlose Gespräche" unter Jugendlichen.
In den vergangenen zwei Jahren waren mit "Gammelfleischparty", eine Bezeichnung für Ü-30-Partys, und "hartzen", gleich zu setzen mit rumhängen, noch Wörter prämiert worden, die deutlich mehr auf Krawall setzten. Das diesjährige Wort, was angeblich auch die "Entwicklung der TV-Landschaft" von Jugendlichen kritisch beäugen lässt, hat damit fast schon gesellschaftskritische Tendenzen.
Die Wortschöpfung aus Nievau und Limbo und die damit "völlig andere Bedeutung" eines Begriffes, überzeugte die Jury schließlich einstimmig. Neben Medienvertretern saßen auch drei Schüler im Gremium, die laut Verlag intensiv über die Auswahl diskutierten.
Kriterien wie Originalität, Kreativität und Wortneuschöpfung sollen dann auch für die weiteren Platzierungen ausschlaggebend gewesen sein: So schaffte es das "Arschfax", "das Unterhosenetikett, das hinten aus der Hose hängt", auf Platz zwei und der Trend, seinen Namen in diverse Suchmaschinen einzutippen, das so genannte "Egosurfen", auf Platz drei. Zwar sei dieses Wort nicht grundsätzlich neu, erlangte aber angesichts der immer breiteren Nutzung der sogenannten "Social-Media-Plattformen" nun erneut hohe Aktualität in der Jugendsprache.
Auf Platz vier wählte die Jury das Wort Speckbarbie, womit ein "aufgetakeltes Mädchen in viel zu enger Kleidung" bezeichnet wird. Dahinter landete der beim Chatten häufig benutzte Ausdruck "n1, nice one", der "gut gemacht, geile Aktion!" heißt.
Mit dem Wettbewerb möchte die Verlagsgruppe seit dem Jahr 2008 den kreativen Umgang der Jugendlichen mit Alltagssprache präsentieren und dokumentieren.
Dass dieser sich allerdings nicht immer mit der Jury-Meinung deckt, wurde bei einer vorherigen Abstimmung im Internet deutlich. Dort kürten rund 38. 000 Menschen nicht etwa die diesjährige gesellschaftlich-korrekte Sprachcombo zum Siegerwort, sondern die ordinäre Speckbarbie. Die Bezeichnung wurde von der Jury zwar lange und heiß diskutiert, musste sich dann aber mit dem 4. Platz zufrieden geben, weil vor allem die jugendlichen Jurymitglieder den Begriff als zu abwertend empfanden.
Nicht immer lässt sich allerdings sagen, welches Wort nun zur jungen oder zur alten Szenesprache gehört. Damit Sie es können, gibt SPIEGEL ONLINE Nachhilfe - mit Slang und echten Sprachperlen.