Ägypten: Polizeieskorte durchs Niltal - DER SPIEGEL
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Ägypten Polizeieskorte durchs Niltal

"Allein? Nach Assuan? Viel zu gefährlich!" - ägyptische Polizisten wollen Sebastian Woitsch von der Weiterfahrt abhalten. Doch dann bekommt er ein persönliches Schutzteam zugeteilt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Halt! Ein ägyptischer Polizist stellt sich mir entschlossen in den Weg, winkt mich zur Seite. "Allein? Nach Assuan? Von Deutschland?"

Die Polizisten wissen nicht, ob sie lachen, anerkennend nicken oder einfach abwinken sollen. Sie gewinnen ihre Entschlossenheit zurück, als ich vorsichtig andeute, weiterfahren zu wollen. "Das ist völlig unmöglich! Viel zu gefährlich!" Welche Gefahren mich genau erwarten, kann mir niemand erklären.

So beginnen wir mit dem Unausweichlichen: Wir warten auf den Vorgesetzten. Vielleicht hat er ja eine Idee. Eine Stunde später sitze ich wieder auf meinem Rad - begleitet von einem blauen Pick-up mit voller Besatzung. Zwei Gewehrschützen auf der Pritsche und ein Offizier mit Walkie-Talkie wurden mir zur Seite gestellt, um den Gefahren der Niltaldurchquerung zu trotzen.

Mein persönliches Schutzteam wechselt alle 20 bis 30 Kilometer. Niemand war sich offenbar bewusst, wie langsam ein Reiseradler unterwegs ist. So spornt man mich zu Höchstleistungen an, bietet mir zuweilen Zigaretten aus dem fahrenden Auto an, hupt und winkt - und drängt mich ein ums andere Mal, mein Rad doch bitte aufs Auto zu laden.

Ich bleibe hartnäckig und zaubere immer wieder das in Arabisch verfasste Empfehlungsschreiben des Goethe-Institutes in Kairo hervor. Mit teilweise durchschlagendem Erfolg: Ein Polizist küsst mich auf beide Wangen und gibt mir das Mittagessen aus.

Sechs Tage und 700 Kilometer lang trinke ich unzählige Tees mit ägyptischen Polizisten und diskutiere tapfer jedes Mal aufs Neue, wenn ich von der Hauptstraße runter will, um Einkäufe zu erledigen. Als ich Assuan verlasse, um mich in Richtung Sudan einzuschiffen, bin ich zwar glücklich über die wiedergewonnene Freiheit - aber vermisse doch ein wenig meine Jungs.

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