Auslandsstudium: "Neuseeland hat Flair, Charme, Charisma" - DER SPIEGEL
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Auslandsstudium "Neuseeland hat Flair, Charme, Charisma"

Zwei Deutsche und ein Österreicher haben sich zum Studium in Neuseeland entschlossen und sind sich einig: "Ein tolles Land", schwärmen Daniel, Jörg und Claudia. Im UniSPIEGEL-Interview berichten sie von ihren Erfahrungen in Christchurch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

UniSPIEGEL:

Warum haben Sie sich für eine Universität in Neuseeland entschieden?

Leithinger: Mir war es bei der Auswahl des Praktikums wichtig, dass es in einem englischsprachigen Land stattfindet. Und dann war es das HIT Lab selbst, was mich dazu gebracht hat, nach Christchurch zu kommen.

Nelles: Ich habe von Praktikanten, die schon hier gewesen sind, vom HIT Lab erfahren, und die waren ganz begeistert. Außerdem habe ich mal in Großbritannien gelebt und wollte jetzt weg von diesen Massen-Unis, die so wie in den USA teuer sind und überfüllt.

UniSPIEGEL: In Christchurch studieren zurzeit doch auch etwa 15 000 Studenten.

Nelles: Aber dieses Institut ist noch klein, auch wenn es ständig wächst. Und weil es so klein ist, kann man noch bei allem mitmachen. Das Land insgesamt hat ja auch nur vier Millionen Einwohner - was ich sehr angenehm finde. Man kann ganz schnell auch mal den Menschen entkommen. Man fährt nur eine Stunde mit dem Auto und ist schon weg von jeglicher Zivilisation.

UniSPIEGEL: Wie wichtig sind gute Englischkenntnisse?

Hauber: Wichtig, aber erlernbar. Ich hatte nach der Fachhochschule noch einen englischsprachigen Aufbaustudiengang in Esslingen absolviert. Ich war aber auch schon mal ein halbes Jahr in den USA.

UniSPIEGEL: Was müssen Sie hier für Ihr Studium bezahlen?

Nelles: Als Praktikant gar nichts. Und wenn man hier ein Auslandssemester machen möchte, dann muss man als Deutscher nur die Gebühren zahlen, die ein Neuseeländer entrichtet, das sind etwa 1000 Euro pro Semester. Deutschland hat mit Neuseeland ein entsprechendes Abkommen geschlossen, Österreicher dagegen müssen wie andere Ausländer auch etwa 5500 Euro zahlen - was ja doch ein ziemlicher Unterschied ist.

UniSPIEGEL: Lassen Sie uns mal das Unmögliche versuchen: Jeder von Ihnen beschreibt in einem Satz, woran er hier forscht oder arbeitet.

Leithinger: Okay. Im Herbst findet im Museum of Science in Boston eine Ausstellung über Star Wars statt, sie heißt »Where Science Meets Imagination«; zurzeit modelliere ich 3-D-Content für diese Ausstellung, vor allem Raumschiffe.

Nelles: Ich habe zwei Projekte. Darf ich zwei Sätze verwenden? Das erste Projekt ist auch ein 3-D-Modell, und zwar ein Maori-Dorf, das hier in Christchurch gebaut werden soll.

UniSPIEGEL: Ein Museumsdorf?

Nelles: Genau, sozusagen als Themenpark. Und das zweite Projekt ist ein zweites Magic Book, an dem wir arbeiten möchten.

UniSPIEGEL: Da kriegen Sie noch einen dritten Satz. Was ist das?

Nelles: Das ist ein Kinderbuch, eines habe ich schon gemacht, das ist ein 3-D-Pop-up-Book, bei dem ein dreidimensionales Bild über eine normale Seite eines physikalischen Buches drübergezeichnet, also vom Computer dargestellt wird.

Hauber: Und ich bereite gerade eine User-Evaluationsstudie vor, in der wir verschiedene Tele-Conferencing-Plattformen testen wollen.

UniSPIEGEL: Dreidimensionale Telekonferenz?

Hauber: Ja, genau. Ich muss erst so eine Vergleichsstudie machen, um dann meine eigene Variante entwickeln zu können. An dem Projekt sind auch einige Kollegen beteiligt.

UniSPIEGEL: Wenn Sie einem deutschen oder österreichischen Studenten Neuseeland empfehlen wollten, was würden Sie ihm sagen?

Hauber: Also für viele ist es schon einfach faszinierend, dass Neuseeland das am weitesten von Deutschland entfernte Land ist. Allein deswegen kommen jedenfalls viele Backpacker aus Europa hierher. Es sind auch ziemlich viele Deutsche hier, die gerade ihr Abitur gemacht haben oder eben studieren.

Nelles: Ich finde die Menschen hier unglaublich entspannt. Sogar in einem Forschungsinstitut wie dem HIT Lab, in dem sehr hart gearbeitet werden muss, ist die Atmosphäre locker. Es geht nicht immer nur um Karriere und das große Geld. Trotz der ganzen Arbeit gibt es hier wahnsinnig viel Lebensqualität und dann natürlich diese unglaublichen Freizeitmöglichkeiten. Hier ist eigentlich jeder sportlich. Als ich kam, war ich in Neuseeland bestimmt der unsportlichste Mensch überhaupt. Und das hat sich total geändert: Ich habe das Rauchen aufgegeben - das Gesundheitsbewusstsein ist einfach ansteckend.

UniSPIEGEL: Also eine uneingeschränkte Empfehlung?

Hauber: Na ja, es ist schon ein bisschen weit weg, das ist nicht immer nur ein Vorteil.

Nelles: Das stimmt. Aber Neuseeland hat was, es hat Flair, es hat Charme, es hat Charisma. Es ist einfach ein tolles Land.

Leithinger: Würde ich genauso sagen. Allein wenn man sich anschaut, wie einfach der Alltag geregelt ist. Ein Auto kaufen, eine Wohnung mieten - es ist alles viel unkomplizierter, weil die Leute im Umgang oft wesentlich angenehmer sind.

UniSPIEGEL: Und die Lebenshaltungskosten sind offenbar auch günstiger.

Leithinger: Richtig.

Nelles: Man verdient allerdings auch nicht ganz so viel wie in Deutschland.

Leithinger: Das ist ja nun für Studenten egal, wie viel man verdient. Und das Faszinierende ist diese unberührte Landschaft. Es ist einfach überwältigend, ich komme ja eigentlich aus Österreich ...

UniSPIEGEL: ... wo es ja auch ganz nett sein soll.

Leithinger: Genau, aber selbst für uns sind diese Berge dann noch mal etwas Besonderes.

UniSPIEGEL: Und wenn Sie diese Uni mit deutschen Fachhochschulen oder Universitäten vergleichen sollten: Wo liegen denn die größten Vorteile?

Leithinger: Was definitiv für das Studieren hier spricht, ist das sehr aktive Campusleben. Es gibt diverse Clubs, beispielsweise einen Tramping-Club, einen Climbing-Club und ein Fitnesscenter mit einer ganz günstigen Mitgliedschaft.

Hauber: Und das alles wird von den Studenten verwaltet. In jedem Jahr wird etwa ein Club-Captain gewählt, verschiedene Ämter werden übernommen. Es ist schon so, wie man sich ein Studentenleben vorstellt.

UniSPIEGEL: Und Ausländer sind gut integriert?

Hauber: Die neuseeländischen Studenten begegnen den internationalen Studenten völlig unkompliziert, das ist für die komplett normal. Das Studentenprofil ist ja international ausgelegt, da gibt es überhaupt keine Berührungsprobleme.

Leithinger: Gerade beim Tramping-Club sind sehr viele Deutsche, man ist schnell akzeptiert.

UniSPIEGEL: Ist der Zusammenhalt unter den Studenten enger als in Deutschland?

Hauber: Jedenfalls in den Clubs. Es ist nicht so, dass die Leute, die dasselbe Fach studieren, auch immer zusammen Partys machen. Das geht alles eher von den Clubs aus. Und da sind einfach die Leute mit den gleichen Interessen versammelt. Wenn dir Wandern gefällt, dann sind da lauter Leute, die auch gern wandern - egal was sie nun studieren.

Leithinger: Ich glaube schon, dass das soziale Leben wesentlich stärker ist als an regulären österreichischen oder deutschen Unis. Einfach diese gemeinsamen Treffen, die gut organisiert sind, aber dann doch sehr flexibel und locker - wie alles in Neuseeland.

INTERVIEW: MARTIN DOERRY, ALEXANDER JUNG