Bachelor & Master: Junge Pioniere - DER SPIEGEL
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Bachelor & Master Junge Pioniere

Nach und nach führen auch deutsche Hochschulen die international üblichen Bachelor- und Masterabschlüsse ein - aber betont vorsichtig: Meist laufen die alten und die neuen Studiengänge zunächst parallel. Wie eine aktuelle Untersuchung zeigt, blieb ein radikaler Bruch bisher aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer bereits mit einem Bachelor-Abschluss in den Beruf gestartet ist, zählt noch zu den Pionieren. Zwar liegen neue zweistufige Studiengänge überall in Deutschland im Trend, erreichen bislang aber nur eine Minderheit der Studenten. Das geht aus einer neuen Studie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hervor. Nur wenige Hochschulen haben herkömmliche Studiengänge bereits komplett durch Bachelor- und Mastermodelle ersetzt - und Mehrheiten für einen radikalen Systemwechsel sind nicht in Sicht.

Bei Bachelor-Studiengängen erhalten die Studenten bereits nach einer ersten Studienphase, die etwa dem Grundstudium in Diplom- oder Magisterfächern entspricht, einen ersten Abschluss. Damit können sie direkt in den Beruf einsteigen oder bis zum Master weiterstudieren. Häufig sind die neuen Studiengänge auch praxisorientierter und internationaler angelegt.

Um eine solche Studienstruktur führten Professoren, Rektoren und Bildungspolitiker in den letzten Jahren teils hitzige Debatten. Die Befürworter wollen Bachelor- und Mastermodelle zu einer Entrümpelung der Lehrpläne nutzen, die Abbrecherquoten senken und zugleich die Studienzeiten verkürzen. Sie versprechen sich davon außerdem mehr studentische Mobilität, weil die Abschlüsse international leichter anerkennt werden. Kritiker dagegen warnen vor einer "Amerikanisierung" des Bildungssystems und sehen keinen Grund, die deutschen Traditionen bei den Studienabschlüssen preiszugeben.

Als Vorreiter hatten einige Hochschulen bereits Mitte der neunziger Jahre Bachelor-Studiengänge etabliert, darunter die Universität Augsburg in den Wirtschafts- und die Ruhr-Universität Bochum in den Geisteswissenschaften. Mit der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes 1998 stand die Tür dann für alle weit offen.

Die Hochschulen nutzen die Chance bisher recht zögerlich. Und wer sich zwischen zwei Alternativen nicht entscheiden will oder kann, macht einfach beides. In den letzten vier Jahren richteten sie zwar über 1000 Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschluss ein - aber meist parallel zu den knapp 10.000 herkömmlichen Studiengängen. Die Einführung befinde sich "trotz der quantitativen Dynamik noch in einer Pionierphase", konstatiert der DAAD. Das gelte selbst für die sonst besonders innovationsfreudigen Fachhochschulen und Technischen Universitäten.

Laut DAAD-Untersuchung gelang es vor allem in Master-, weniger in Bachelor-Studiengängen, hochqualifizierte ausländische Studenten zu gewinnen. Die Sprache ist eine große Hürde: Nur in jedem zehnten der Studiengänge wird ausschließlich oder überwiegend auf Englisch gelehrt, die Mehrheit der Hochschulen setzt weiter auf Deutsch oder einen Mix aus Englisch und Deutsch. Die Zukunft gestufter Modelle hänge unter anderem von der Bereitschaft der Arbeitgeber ab, die Absolventen einzustellen, meinen die Autoren.Dabei spiele der Staat eine führende Rolle.