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WER EIN AUSLANDSSTIPENDIUM DES DAAD WILL, MUSS EIN HARTES, MEHRSTUFIGES AUSWAHLVERFAHREN ÜBERSTEHEN. DOCH DIE MÜHE LOHNT SICH.
Von Marc Goergen
• aus UNI SPIEGEL 4/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

»Einer gegen acht, das ist schon heftig«, findet Phillip Stöver, 24. Vor acht Professoren und externen Gutachtern soll der Politikstudent aus Heidelberg rechtfertigen, warum er die nächsten beiden Semester in den Hörsälen der Pariser Universitäten verbringen will. Um den Aufenthalt zu finanzieren, hat er sich um ein Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) beworben. Und der lässt dann schon mal eindringlich nach Motivation, Studienerfolgen und Kenntnissen über Reiseland und Sprache fragen.

Wie Stöver versuchten im vergangenen Jahr über 60 000 deutsche Studenten, eines der begehrten Stipendien zu ergattern. Und genau 37 451 taten dies mit Erfolg. Hinzu kamen 26 596 Stipendien an ausländische Studenten und Wissenschaftler - weltweit sorgt keine andere Organisation für so viel akademischen Austausch.

Wer in den Genuss der finanziellen Unterstützung kommen will, der muss vor allem eines bringen: Leistung. »Qualität ist der oberste und einzige Gesichtspunkt«, erläutert DAAD-Chef Christian Bode, 58, »für uns zählen die Leistungseliten, egal, wo sie herkommen.« 500 Professoren wählen ehrenamtlich für den DAAD jene Kandidaten aus, die den hohen Anforderungen genügen.

Die Interessenten müssen erst mal viel Papier abliefern: Neben dem ausgefüllten Bewerbungsformular zwei Gutachten von Hochschullehrern, Kopien aller Scheine, eine Beschreibung des Studienvorhabens und einen Sprachnachweis.

Wer die erste Hürde genommen hat, wird zum Auswahlgespräch nach Bonn ins Hauptquartier des DAAD eingeladen. Wichtig dabei: Sich gut präsentieren, nur nichts Falsches sagen. Doch was ist richtig? »Es kommt darauf an, dass die Leute klar machen, warum sie ins Ausland wollen«, meint Burkhard Fricke, Physikprofessor an der Uni Kassel und seit fünf Jahren Mitglied einer Auswahlkommission.

Ji-Young Lim, 29, aus Südkorea hat die Prozedur überstanden und ist begeistert: »Der DAAD ist toll.« Dank des Stipendiums ist Deutschland für die Informatikerin zu einer zweiten Heimat geworden.

Seit 1998 arbeitet Lim in Hamburg an ihrer Doktorarbeit. Neben der finanziellen Unterstützung helfen ihr die Mitarbeiter des DAAD bei Behördenangelegenheiten. Auch die Aufenthaltsgenehmigung, für viele Ausländer ein Problem, bekam sie ohne Umstände.

Die Höhe der Stipendien richtet sich nach den Lebenshaltungskosten des jeweiligen Aufenthaltslandes und der akademischen Reife der Bewerber. Bekommt ein deutscher Student in Frankreich monatlich 700 Mark, kann sich der Betrag im Graduiertenprogramm für Japan auf über 4000 Mark steigern. Dazu kommen Reisekostenzuschüsse, Krankenversicherungskosten und Studiengebühren. Ein Jahresstipendium für Studierende kostet so im Schnitt insgesamt 20 000 Mark.

Trotz der erklärten Absicht der Regierung, den Studentenaustausch zu fördern, hat der DAAD ständig zu wenig Geld. Sechs Millionen Mark strich im vergangenen Jahr das Auswärtige Amt - mit 214 Millionen Hauptträger des 428 Millionen Mark großen DAAD-Etats. Mehr als 50 verschiedene Geldgeber finanzieren die Austauschorganisation, neben dem Auswärtigen Amt ist Edelgard Bulmahns Bildungsministerium mit 106 Millionen Mark der zweite große Träger. Seit nunmehr 76 Jahren sorgt der DAAD für den internationalen Wissenstransfer. Dennoch: »Nichts von dem, was wir haben, ist durch Gesetze oder Verträge garantiert«, weiß Generalsekretär Bode, »theoretisch könnten die übermorgen hier alles dichtmachen.«

MARC GOERGEN

www.daad.de

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