Behördenmarathon Was ist denn da der Nachname?
Landeseinwohneramt, Berlin-Wedding. Um 8 Uhr morgens hat sich vor Aufgang II schon eine lange Schlange gebildet. Der Zugang zur Tür wird von drei Polizisten kontrolliert: "Ab und an kommt es zu Aggressionen im Publikum", begründet Harald Bösch-Soleil, Leiter der Abteilung für Ausländerangelegenheiten, die Maßnahme.
Enkhbaatar Chuluunbat stören die Polizisten nicht, Hauptsache drinnen geht es nachher schnell. Enkhbaatar kommt aus Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei. In Deutschland möchte der 24-Jährige Elektrotechnik studieren. "Hier ist es modern, hier ist es besser", meint er.
Auf das Visum für Deutschland hat er zwei Jahre gewartet und dann sein Ingenieurstudium in der Mongolei abgebrochen. In Zittau und Berlin hat er ein Jahr lang Deutsch gelernt und ist jetzt am Studienkolleg der Universität Hamburg immatrikuliert, wo er sich auf das lang ersehnte Studium an der TU Berlin vorbereitet.
Nummer 248
Sarnai Altangerel ist Enkhbaatars Freundin. Sie lebt erst seit kurzem in Berlin, und soll hier laut Botschaftsbeschluss einen Sprachkurs absolvieren. In Ulan Bator wurde sie zur Designerin ausgebildet, in Deutschland möchte sie Kunst studieren. Noch ist für sie die größte Hürde die Sprache. Enkhbaatar soll deshalb auf dem Amt dolmetschen, wenn sie ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern lässt.
Es ist 10 Uhr, als Sarnais Wartenummer aufgerufen wird. Nervös kontrolliert sie, ob alles griffbereit ist: Pass, Krankenversicherungsnachweis, Studienbescheinigung der Sprachschule.
Die Beamtin in dem kleinen Raum blättert im Pass, ist sich nicht sicher, was der Vor- und was der Nachname ist. Sie vergewissert sich, dass die vorgelegten Bescheinigungen aktuell sind. Alles sei in Ordnung, nur der Kontoauszug fehle noch. Wer als ausländischer Student in Berlin lebt, muss per Kontoauszug einen gesicherten Lebensunterhalt nachweisen. "Sie müssen leider noch einmal warten."
Erst einmal müssen Enkhbaatar und Sarnai also zur Bank. Die nächste Sparkassenfiliale ist nur eine U-Bahn-Station entfernt. Ein korpulenter Angestellter fragt, ob er helfen könne. "Kontoauszug? Aber gerne." Er geht an den Computer. "Da ist nichts auf dem Konto." Er unterstreicht die "0,00 DM" mit einem schwarzen Filzstift.
Enkhbaatar wird unsicher und nervös. Er zeigt eine Einzahlungsquittung über 1000 Mark. Der Bankangestellte schaut aufs Datum und lacht. "In Deutschland wird über Ostern nicht gearbeitet. Verstehen Sie das? Was Sie Gründonnerstag in Stuttgart einzahlen, bleibt da erst einmal 'ne Weile liegen."
Sarnai und Enkhbaatar verstehen nicht so ganz. Aber was als Nächstes kommt, ist unmissverständlich: "Nicht so die Quittung knicken!", moniert der Banker: "Tun Sie das mal schön in eine Hülle!"
Zurückrennen zur Behörde, neue Nummer ziehen. Es ist inzwischen 11 Uhr. Die entsprechende Anzeigetafel zeigt Wartenummer 228. Enkhbaatar holt sich Pommes mit Ketchup. Um 12.30 Uhr wird die Nummer 248 aufgerufen. Sarnai und Enkhbaatar gehen gemeinsam in den Raum. Sekunden später kommt Enkhbaatar alleine wieder heraus. Er soll etwas kopieren gehen.
Einfach besser informieren
Fünf Minuten später hat sich das stundenlange Warten für Sarnai endlich gelohnt: Ihre Aufenthaltsgenehmigung wurde um sechs Monate verlängert.
Fünf Stunden Wartzeit seien wirklich sehr viel, gibt Abteilungsleiter Harald Bösch-Soleil zu. Dabei gebe es doch an einem Tag in der Woche eine richtige Studentensprechstunde. Zu Beginn dieses Sommersemesters hätten bereits 1160 Studierende den Extra-Service der Ausländerbehörde genutzt, bilanziert Bösch-Soleil zufrieden. Dieser Service sei eine Imagefrage für den Studienstandort Berlin. Insgesamt müssten sich die Studenten müssten eben grundsätzlich besser informieren.