Bilder iranischer Mädchen: Schleierhaft schön - DER SPIEGEL
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Junge Frauen im Iran: Schönheit unter züchtigem Schleier

Foto: Peymaneh Luckow

Bilder iranischer Mädchen Schleierhaft schön

Sie müssen sich unterordnen und verschleiern. Trotzdem führen junge Frauen in Iran ein bunteres Leben, als viele glauben: Eine Studentin aus Deutschland hat jetzt den Alltag von Teheraner Mädchen fotografiert. Eine Dokumentation über die Freiheit im Privaten - mit Lippenstift, Spitzenwäsche und Schminkpolizei.
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Maryam ist Single. Das könnte sich bald ändern. Zurzeit werben fünf Verehrer um ihr Herz: junge Typen, die sie verliebt umschwirren, ihr täglich SMS aufs Handy schicken. Maryam hat sich noch für keinen entschieden; mit keinem etwas angefangen. Sie ist sich ihrer Attraktivität bewusst, dementsprechend wählerisch, sie lässt sich Zeit.

Maryam schlägt ihre dichten Wimpern nieder, eine lange schwarze Haarsträhne fällt ihr in die Augen. Ihr Handy piept, wieder eine SMS, vielleicht ein Vorschlag für ein Date. Die 19-Jährige lächelt und beugt sich über ihr Handy, ihre lackierten Fingernägel klickern leise auf den Tasten.

Maryam, eine Frau, cool, jung, selbstbewusst - daran wäre nichts ungewöhnlich, lebte sie in in einem westlichen Land. Aber Maryam lebt im Orient, in Teheran, in Iran. Ein Land, das Frauen unterdrückt und ihnen das Selbstbewusstsein nimmt, zumindest glaubt das die westliche Welt. Maryam aber scheint eine neue Generation zu repräsentieren - was wiederum eine andere Frau zu ihrer Abschlussarbeit inspiriert hat.

Sie heißt Peymaneh Luckow, kommt aus Bochum und hat Kommunikationsdesign an der Ruhrakademie Schwerte studiert. Ihre Diplomarbeit trägt den Titel "Schleierhaft / Zan - Die Frau". Damit hat sie im vergangenen Jahr auch zwei Designpreise gewonnen.

Vorsicht, Schminkpolizei: Womit Frauen im Iran leben müssen

Die Idee zum geheimnisvoll-verschlungenen Titel der Arbeit kam nicht von ungefähr. Luckow, selbst gebürtige Iranerin, ist erst mit 17 nach Deutschland gekommen, ohne anerkannten Schulabschluss. Sie sprach damals "absolut kein Wort Deutsch", sagt sie, lernte die Sprache aber im Turbotempo in einem Sprachkurs. Dann holte sie die zehnte Klasse nach und machte mit 24 ihr Abi am Abendgymnasium.

Mittlerweile ist Peymaneh mit einem deutschen Mann verheiratet. Für ihre Diplomarbeit wollte sie einige Monate in ihre Heimatstadt Teheran zurück, um das Leben und die Situation der Frauen dort zu studieren. Vor allem wollte sie die Zwischentöne heraushören, den Blick auf die Details richten. "Denn natürlich ist die Tradition nach wie vor streng, und natürlich müssen die Frauen auf der Straße Schleier und Kopftuch tragen - daran hat sich nichts geändert und ändert sich so schnell nichts", sagt Luckow. Hat eine Frau beim Stadtbummel zu viel Rot auf ihren Lippen, "dann kommt ein Straßenpolizist, fordert sie auf, das wegzuwischen". Und sammelt ein Linienbus Wartende von der Haltestelle, "steigen die Männer vorn ein und die Frauen hinten".

Das ist iranischer Alltag, wie Peymaneh Luckow es erwartet hatte. Im Detail und auf den zweiten Blick aber entdeckte sie eine stolze Weiblichkeit, die man aus der Ferne so niemals vermutet. Da beobachtete die Diplomandin, wie junge Mädchen sich beim Friseur ihre schweren langen Haare stylen lassen: "Stundenlang lassen sie sie auf Wickler drehen, föhnen, toupieren - und alles, obwohl sie anschließend wieder unter den Schleier schlüpfen müssen und kein Mensch auf der Straße ihre Haarpracht bewundern kann."

Trotzdem legten sie Wert auf die Prozedur. Die Mädchen machten so auf ihre Art "das Beste aus ihrer Situation", sagt Luckow, indem sie sich schön fühlen - erst einmal für sich selbst. Keiner kann es sehen. Nur die Mädchen wissen darum.

Für die Diplomarbeit im Schleier-Einsatz

Ein ähnliches Bild bot sich Luckow auf einem Basar, an einem Stand, an dem Unterwäsche verkauft wurde. Da hingen keine phantasiefreien hautfarbenen Liebestöter an der Stange. Da hing hauchzarte Spitze, fein verarbeitet, sorgsam vernäht - verborgen hinter einem schweren Stoffvorhang, den man nicht einfach so zurückziehen durfte.

Viele Kontakte knüpfte Luckow über ihre Mutter, die in Teheran lebt. Selbst gehüllt in einen Schleier hat sich die Diplomandin unters Volk gemischt. Ist an jungen Schulmädchen auf der Straße vorbeigeschlendert, die ihre "Maghnee", das iranische Kopftuch, oder ihren "Chador", den schwarzen Schleier, mit Ray-Ban-Sonnenbrille kombinieren oder mit hautengen Jeans und modischen Gürteln. Hat Mädchen wie die 13-jährige Mina kennengelernt, deren Zimmer ein einziges lebendiges Durcheinander von Schulsachen, Starpostern und Büchern ist, etwa "Harry Potter" in persischer Sprache. Hat junge Frauen wie Sara, 19, besucht, die an der Uni in Teheran Sprachen studiert und gemeinsam mit einer befreundeten Architekturstudentin gerade eine kleine Handy-Fotosession machte.

"Die meisten Frauen führen ein bunteres Leben, als man glaubt", sagt Peymaneh Luckow. Natürlich sei das Regime äußerst streng und die Wirtschaftslage schlecht. Ein Fitnesscenter in Teheran sieht aus wie eine Turnhalle, an der Wand hängt ein Bild von Chomeini. Aber "die Frauen wissen, wie sie sich durchsetzen müssen".

Bei aller Coolness bleibt auch das Bewusstsein für Tradition erhalten. Bei Maryam etwa ist zwar das Gesicht dezent geschminkt, auf Finger- und Fußnägeln glänzt Lack. Doch ihre Augenbrauen hat sie ungezupft belassen - sie sind in der Mitte zusammengewachsen. "Die Mitte wird erst gezupft, wenn das Mädchen verheiratet ist", sagt Luckow.

Bei Maryam sicher nur eine Frage der Zeit.