Elite-Unis Castingshow mit Edelgard
Berlin - Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will in einem Wettbewerb fünf deutsche Hochschulen ermitteln, die zu Eliteuniversitäten ausgebaut werden sollen. Wie Bulmahn am Montag in Berlin sagte, sollen diese Hochschulen von 2006 bis 2010 jährlich jeweils 50 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt erhalten. Dies wären pro Eliteuniversität 250 Millionen, also insgesamt 1,25 Milliarden Euro.
Bulmahn fügte bei einem Innovationskongress der SPD in Berlin hinzu, nach einer Ausschreibung werde eine Jury aus nationalen und internationalen Experten in zwei Runden aus den eingereichten Bewerbungen die künftigen Spitzenuniversitäten auswählen. Noch bevor die Förderung der prämierten Hochschulen ausgelaufen ist, soll der Wettbewerb erneut ausgeschrieben werden, um "eine positive Leistungsspirale in Gang" zu setzen. Der Wettbewerb solle noch vor der Sommerpause starten. "Unsere Erfolge gründen zu stark auf die Vergangenheit", sagte Bulmahn, "was uns fehlt, sind Spitzen-Universitäten, die weltweit strahlen und die klügsten Köpfe anlocken."
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte, Ziel der Bundesregierung sei es, die Förderung wissenschaftlicher Erstklassigkeit damit zu verbinden, den Zugang zu Wissen zu verbreitern und zu vertiefen. Die Gesellschaft könne es sich nicht erlauben, eine einzige Bildungsreserve nicht auszuschöpfen.
Nach den Vorstellungen der Bildungsministerin sollen Forschungsorganisationen die Experten in der Jury vorschlagen. Kriterien für die Auswahl der besten Universitäten seien unter anderem wissenschaftliche Exzellenz, modernes Management, eine gute Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Einrichtungen. Zunächst wolle man die zehn besten deutschen Universitäten ermitteln und Anfang 2006 aus diesem Kreis die vier bis sechs zu fördernden Hochschulen auswählen. Alle vier Jahre sollen die Hochschulen neu antreten.
Bulmahn kündigte weiter an, sie wolle den Forschungsorganisationen einen stetigen Zuwachs ihrer Etats zusichern, wenn diese im Gegenzug für mehr Wettbewerb in den Instituten und für eine bessere Vernetzung sorgen würden. Zudem müsse hier die Bürokratie abgebaut werden. "Mehr Geld für die Forschung, aber auch mehr Forschung fürs Geld", nannte die Ministerin eine der Thesen ihrer Innovationsstrategie.
"Mediale Hosiannagesänge"
Die Kritik an den Plänen, die Bulmahn im März mit den Ländern besprechen will, ließ nicht lange auf sich warten. "Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten", soll der Wettbewerb heißen, und tatsächlich erinnert die Idee eines Schaulaufens der deutschen Universitäten vor einer Jury mit Vorrunde und Finale stark an Konzepte aus dem Fernsehen. Prompt warnte Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski: "Wenn Frau Bulmahn glaubt, mit einem solchen Wettbewerb die von iihr propagierten Elite-Universitäten finden zu können, dann wird sie eine ähnliche Überraschung erleben wie der Gesangswettbewerb 'Deutschland sucht den Superstar' mit Daniel Küblböck." Die CDU-Politikerin bezeichnete den Plan der Bundesregierung als "Werbe-Gag".
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Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner sagte, Wettbewerb sei zwar richtig und notwendig, aber die Auswahl der Elitehochschulen könne nicht wie bei einer Castingshow laufen und zu Lasten der Breitenförderung gehen. "Die Fixierung auf eine kleine Zahl von Eliteuniversitäten ist leistungsfeindlich", so der bildungs- und wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-geführten Länder weiter. Zöllner favorisiert ein dreistufiges Wettbewerbskonzept für die Bereiche Lehre, Nachwuchsförderung und Spitzenforschung. Solche Strukturen ermöglichten einen dauerhaften Wettbewerb: "Spitzenuniversität wird man nicht innerhalb von fünf Jahren, sondern wenn man sich beständig diesem Wettbewerb stellt."
Mit deutlichen Worten kritisierte auch Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel das Bulmahn-Konzept. Wenn die Bundesregierung "mit medialen Hosiannagesängen einige Lieblingshochschulen kürt", komme der "Wissenschaftsstandort Deutschland keinen Schritt weiter", so der CSU-Politiker. Er sprach sich für die Förderung von "Elitemodulen in einem flächendeckenden Qualitätsnetz" anstelle von "Eliteinseln" aus und drängt vor allem auf eine Zuständigkeit der Länder: Die Auswahl der förderungswürdigen Ansätze müsse durch die Länder erfolgen, die schließlich die Verantwortung für die Hochschulen und deren finanzielle Ausstattung trügen.