Halbe Portionen: Mensen setzen Studenten auf Diät - DER SPIEGEL
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Halbe Portionen Mensen setzen Studenten auf Diät

In Nordrhein-Westfalen erhält die Abkürzung "FdH" (Friss die Hälfte) eine ganz neue Bedeutung: "Für den Haushalt" werden die Studentenwerke zur Kasse gebeten. Die Folgen konnten Kölner Studenten auf ihren Tellern besichtigen - am Mittwoch gab es nur halbe Portionen auf die Gabel.
Von André Moeller
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jan Kleinichen und Boris Couchoud haben sich für die Bratlinge an der Ausgabe von Essen III entschieden. Die Lehramtstudenten sind treue Kunden der Kölner Mensa, doch diesmal erleben sie eine böse Überraschung. Mit kritischem Blick prüft Jan seinen Teller. "Das ist höchstens eine halbe Portion", empört er sich.

Bei allen Versuchen, einen Nachschlag auszuhandeln, bleibt der Mitarbeiter an der Essensausgabe hart: "Heute gibt es nur halbe Portionen." Doch schon bald werden die beiden Studenten aufgeklärt, dass es sich um eine Protestaktion handelt.

"Uns stehen erhebliche Kürzungen bei den Landeszuschüssen an die Studentenwerke bevor", erklärt Christoph Ripp vom Kölner Studentenwerk, "landesweit sind bis zu 25 Prozent im Gespräch. Mit der Aktion wollen wir demonstrieren, welche Auswirkungen das auf die Versorgung der Studierenden haben kann."

Essenspreise bis zu sieben Euro

Zunächst wollte die Mensa sogar nur Brot und Wasser ausgeben, schreckte davor allerdings zurück. Derzeit betragen die NRW-Zuschüsse an die Studentenwerke noch 41 Millionen Euro pro Jahr, rechnet der Kölner Geschäftsführer Peter Schink vor. Bei Kürzung um ein Viertel müsste zum Beispiel sein Studentenwerk mit 1,6 Millionen Euro weniger auskommen und den Sozialbeitrag der Studenten um 10 Euro pro Semester anheben.

Hinzu kommt: Die rot-grüne Landesregierung plant Studiengebühren für die Einschreibung und Rückmeldung sowie für Langzeit-, Zweit- und Seniorenstudenten. Je mehr Studenten deshalb die Uni verließen, desto stärker steige der Sozialbetrag, so Peter Schink. Und eine Alternative gebe es nicht - höhere Mensapreise und Mieten würden die sozial Schwächsten unter den Studenten noch härter treffen. Schink warnt vor einer sozial- und bildungspolitischen Schieflage, die in krassem Gegensatz zu politischen Sonntagsreden stehe.

Günther Remmel sieht die Reserven ausgeschöpft. Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der NRW-Studentenwerke gibt zu bedenken, dass die Zuschüsse fast ausschließlich in den Verpflegungsbereich fließen: "Bei landesweit vierzehn Millionen Essen können wir durch die Verkaufserlöse nicht einmal die Personalkosten abdecken." Ohne Zuschüsse würden die Essenspreise bis zu sieben Euro betragen, überschlägt er.

In drei Jahren am Ende?

Wie Christoph Ripp hält auch Manfred Engelhardt, Vorsitzender der Studentenwerks-Personalvertretungen, sogar eine völlige Streichung der Landeszuschüsse für möglich. "Wenn sich die derzeitige Entwicklung fortsetzt, gebe ich den Studentenwerken in Nordrhein-Westfalen noch maximal drei Jahre", so Engelhardt.

Er befürchtet, dass sich das Land aus Kostengründen schon sehr bald von den Studentenwerken trennen will: "Die müssten dann ihre Immobilien, wie Wohnheime oder Mensen verkaufen." In Aachen seien bereits Gebäude verkauft worden.

Hans-Dieter Rinkens, Präsident des Deutschen Studentenwerks, fordert, dass "wir uns nach den Ergebnissen der Pisa-Studie Gedanken machen müssen, wie sich die Bildungsbeteiligung einkommensschwacher Familien erhöhen lässt". Eine "weitere Verteuerung des Studierens" durch die in NRW geplanten Kürzungen hält er für ein "falsches politisches Signal".


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