Hochschulabsolventen: Turbo-Examen ade - DER SPIEGEL
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Hochschulabsolventen Turbo-Examen ade

Schnellstudenten sind weiterhin rar, und auch die hohen Abbrecherzahlen bekommen Bildungspolitiker und Hochschulen nicht in den Griff. Besonders unter Informatikern grassiert derzeit Goldgräberstimmung: Viele hängen ihr Studium vorzeitig an den Nagel, weil lukrative Jobs locken.
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Kaum ein Student schafft sein Examen in der Regelstudienzeit. Nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gelingt nur in elf der 132 universitären Diplom- und Magisterstudiengänge mehr als der Hälfte der Studenten den Abschluss innerhalb der Bafög-Höchstdauer. Viele brechen vorher ab oder schaffen das Examen nicht.

Den geisteswissenschaftlichen Fakultäten müssten die hohen Abbrecherzahlen besonders peinlich sein - lediglich 40 Prozent eines Jahrgangs kommen bis zum Examen. Noch niedriger ist die Erfolgsquote bei den Informatikern: Nur 38 Prozent beenden ihr Studium erfolgreich. Manche scheitern an den hohen Anforderungen, andere dagegen werden schon vor dem Diplom mit einem gut dotierten Job geködert.

Bei den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften hält immerhin jeder zweite bis zum Examen durch, bei den Ingenieuren noch etwas mehr. Die besten Chancen, die Ziellinie zu erreichen, haben Mediziner - acht von zehn Medizinstudenten schaffen nach bestandenem Physikum auch den Rest des straff strukturierten Studiums.

Bald mehr Absolventen, orakeln die Kaffeesatzleser

Allen Warnungen vor dem Akademikerschwund zum Trotz werden die Studentenzahlen in den kommenden Jahren nicht einbrechen. Das prophezeit zumindest die Kultusministerkonferenz: Bis zum Jahr 2010 wird KMK-Berechnungen zufolge die Absolventenzahl leicht um 10.000 auf knapp 200.000 klettern.

In einzelnen Fächern, für die in den letzten Monaten kräftig getrommelt wurde, rechnen die Bildungspolitiker sogar mit einem Run. So werden sich im Fach Informatik die Absolventenzahlen bis 2010 auf 14.200 fast verdreifachen, glaubt die KMK. Ähnlich gut im Rennen liegen die Fächer Chemie und Biologie mit Zuwächsen von knapp einem Fünftel. Nur um die benachbarte Physik machen Abiturienten derzeit einen großen Bogen.

Der Ingenieursmangel wird sich künftig allerdings noch verschärfen, so die Prognose: Im Jahr 2010 werden die Technik-Disziplinen 2400 Absolventen weniger verzeichnen als 1999 - ein Minus von 6,4 Prozent. Am stärksten knickt der Nachwuchs demnach bei den Bauingenieuren ein, weil die Baubranche derzeit in der Krise steckt. Bis 2010 fällt die Studentenzahl auf die Hälfte des Standes von 1999 zurück.

Allerdings stehen die Prognosen auf wackligen Beinen. Ob es Bildungspolitikern und Hochschulen gelingt, die langen Studienzeiten und hohen Abbrecherquoten in den Griff zu bekommen, ist völlig ungewiss. Und bei der Übergangsquote zwischen Schulen und Hochschulen etwa lagen die orakelnden Experten schon öfter daneben - 1992 entschieden sich noch 78 Prozent der Abiturienten für ein Studium, 1999 waren es nur 68 Prozent. Ob die Statistiker diesmal Recht behalten, wird das Studierverhalten frischgebackener Abiturienten zeigen.