Kenia: Die Seele hält Schritt - DER SPIEGEL
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Kenia Die Seele hält Schritt

Wieso fahre ich mit dem Rad durch Afrika? Auf dem Weg nach Nairobi kommen Sebastian Woitsch Zweifel. Doch dann besinnt er sich auf seine Reise-Philosophie.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich bin mit Mitch unterwegs, einem japanischen Radler, der ebenfalls auf dem Weg nach Kapstadt ist. Kenia empfängt uns mit einem Kulturschock. Eingezäunte Felder, eine Autobahn inklusive Ratstätten (allerdings sollte man sich keine High-Tech-Abfertigungshalle für Reisende nach europäischem Vorbild vorstellen) und sehr viel Verkehr. In den schwarzen Abgaswolken der Trucks verschwinden wir manchmal vollständig.

Hier gibt es Berge noch und nöcher. Wir erklimmen sie langsam, bei Gegenwind. Es ist bereits fünf Uhr nachmittags - und wir haben gerade einmal 37 Kilometer geschafft. Der nächste Ort ist noch unbarmherzige 20 Kilometer weit entfernt.

Irgendwann fragen wir auf einer Farm, ob es möglich ist, das Zelt dort für eine Nacht aufzubauen. Zelt? – Pustekuchen. Wir bekommen ein Traumhaus. Zwei Etagen, ein selbstgebastelter Ofen, ein Haus gebaut aus unbehandelten Stämmen. Und – eine Hommage an die Moderne – es hat eine Badewanne. Der Gegenwind hat uns ins Paradies gebracht.

Die nächsten Tage sind anstrengend, schlichter Touralltag. Irgendwann sind es nur noch 100 Kilometer bis Nairobi, schon wieder geht es bergauf. Warum muss ich eigentlich mit dem Rad durch Afrika fahren? Nach einer Pause und einer kalten Cola würde ich wohl antworten: Ein Land mit dem Rad zu bereisen, heißt, eine Geschwindigkeit zu wählen, bei welcher die Seele Schritt halten kann.

Nächste Etappe: Uganda - Heilung in der Stadt

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