Orchideenfach Kosmetologie: Barbies Traum - DER SPIEGEL
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Orchideenfach Kosmetologie Barbies Traum

Die Universität Osnabrück hat den wohl schönsten Studiengang im ganzen Land. Dort werfen Studenten der Kosmetologie einen tiefen Blick in Schminktöpfe, erfahren alles über die Geheimnisse der Schönheit und die Chancen, damit Karriere zu machen - ein Studium, das unter die Haut geht.
Von Oliver Mest
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn Sven Malte John von der Universität Osnabrück über "seinen" Studiengang spricht, gerät er rasch ins Schwärmen. "Die Kosmetologie", erklärt der Privatdozent dann, sei "ein echter Geheimtipp" - "der Tisch ist nämlich reich gedeckt." Soll heißen: Die Berufsaussichten sind so gut wie in kaum einem anderen Studiengang.

Die Einsatzmöglichkeiten für Kosmetologen, so John, seien vielfältig. Dazu zählen die Berufsschulen: "Es stehen alle Fächerkombinationen für Lehramtskandidaten offen, vier von fünf Studenten wählen diesen Weg." Daneben können die Absolventen auch in der Gesundheitspädagogik oder Wirtschaft Karriere machen. Sie arbeiten zum Beispiel bei Krankenkassen, in Berufsgenossenschaften oder der kosmetischen Industrie.

Die Studenten testen Produkte auch an sich selbst

Die prächtigen Perspektiven sind das Ergebnis einer ganzheitlichen Ausbildung. Die Kosmetologie, "Wissenschaft des Zusammenspiels von Haut und Umwelt", vermittelt den Studenten einen Überblick über den menschlichen Körper und die Kosmetik, von den Naturwissenschaften über die medizinischen Grundlagen bis zu technologischen Fragen.

So untersuchen sie Hautreaktionen auf physikalische und chemische Einwirkungen, beschäftigen sich mit Prävention und Behandlungsmethoden von Allergien oder Berufskrankheiten. Außerdem lernen sie das Frisieren und diskutieren natürlich über kosmetische Modetrends. Hinzu kommt ein kunst- und kulturgeschichtlicher Abriss zur Mode und Körperpflege - mangelnde Allgemeinbildung kann man Kosmetologen kaum vorwerfen.

Aber es bleibt nicht bei der Theorie: In einem Jahr Praktikum und unzähligen Labortagen setzen die Osnabrücker Studenten das Gelernte um. Praktika absolvieren sie etwa in Krankenhäusern, Pharmaziefirmen und kassenärztlichen Vereinigungen, beim Gesundheitsamt oder Maskenbildner. Im Labor testen sie die Wirkungen von Produkten auf Haut und Haar selbst und stellen eigene Pflegeartikel her.

Von der obersten bis zur untersten Hautschicht

Neben dem starkem Praxisbezug wertet Sven Malte John die geringe Studentenzahl als klaren Pluspunkt. In der Kosmetologie müsse niemand "schon eine halbe Stunde vorher da sein, um einen Stehplatz zu kriegen", in Vorlesungen wie im Labor blieben die Gruppen überschaubar.

Gleichwohl gehen die Studierenden - Männer sind klar in der Minderheit - durch eine harte Schule. "Zum Bummeln beim Studium bleibt kaum Zeit", meint die 22-jährige Studentin Jana, "in neun Semestern Regelstudienzeit erfahren wir von der Arbeitsmedizin über die Dermatologie bis zur Zellbiologie wirklich alles über die Menschen - quasi von der obersten bis zur untersten Hautschicht."

Nicht nur Abiturienten können Kosmetologie studieren. Die niedersächsische "Meisterregelung" erlaubt auch "einschlägig qualifizierten Berufstätigen" den Zugang. Das nutzen vor allem Meisterinnen und Meister im Friseurhandwerk. Und die Hamburger Uni und die TU Darmstadt bieten Körperpflege-Studiengänge für angehende Berufsschullehrer an.

Um die Chancen der Absolventen ist Sven Malte John nicht bange. Für die Zukunft rechnet er mit einem Mehrbedarf an fachlich qualifizierten Berufsschullehrern; auch die Zunahme dermatologischer Erkrankungen dürfte im Gesundheitswesen wie in der Wirtschaft die Nachfrage nach Spezialisten steigen lassen. "Kosmetologie ist eine interdisziplinäre, breit angelegte Ausbildung, die exzellente Aussichten bietet und den Absolventen dabei nicht auf eine Richtung festlegt", meint John.

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