Semesterstart Tipps für Frischlinge
Lieber noch eine Vorlesung statt der dritten Übung? Besser die Einführungsveranstaltung oder doch noch ein Sprachkurs? Wer an die Uni kommt, hat erst einmal eine Menge Fragen - manchmal zu Themen, von denen er bisher gar nicht ahnte, dass es sie gibt.
Für viele Anfänger gehören zum Beispiel die Aufgliederung der Veranstaltungen in Pro-, Haupt-, Ober- oder Mittelseminare sowie das komplizierte Schein-System der Leistungsnachweise zu den erst einmal unüberwindbar wirkenden Hindernissen. Experten raten, solche Wissenslücken gleich beim Start ins erste Semester zu schließen, um spätere Probleme zu vermeiden.
Einen ersten Überblick liefert das Internet - die Hochschulen haben in aller Regel ein gutes Informationsangebot im Web. Für alles Weitere gilt die alte Sesamstraßen-Weisheit "Wer nicht fragt, bleibt dumm". Institute, Fachschaften und ASten helfen weiter, sagt Anja Vollstedt von der Zentralen Studienberatung der Universität Kiel.
"Bei den Instituten gibt es in der Regel die Vorlesungsverzeichnisse für die einzelnen Fächer." AStA - kurz für Allgemeiner Studierenden Ausschuss - und Fachschaften sind meistens in der Einführungswoche zu Beginn des Semesters mit Informationsveranstaltungen aktiv.
Dort können Studienanfänger auch ältere Studenten treffen, die viele typische Probleme noch aus eigener Erfahrung kennen. "Das sind gleich viel zwanglosere Kontakte", sagt Peter Schott, Studienberater an der Universität Münster. Die Leute aus der Fachschaft bereiten sich in der Regel vor und überblicken auch, was man im ersten Semester wissen muss. "Viele Studienanfänger haben schließlich die gleichen Fragen", so Schott.
Wer sich am Anfang zu viel vornimmt, verliert schnell den Überblick. Das weiß auch Ingrid Eschke-Schnell von der Studienberatung der Universität Jena. Sie empfiehlt den Erstsemestern Zurückhaltung beim Zusammenstellen des Stundenplans. Üblich seien 20 so genannte Semesterwochenstunden, was im Normalfall 10 Veranstaltungen entspreche.
Gerade in den Geisteswissenschaften stehen in der ersten Studienhälfte aber häufig auch Sprachnachweise an - etwa in Latein oder einer modernen Fremdsprache. "Das ist ein erheblicher Zusatzaufwand", warnt Eschke-Schnell. Wer die Fremdsprachen-Hürde noch eine Weile vor sich hat, sollte sie nicht aus den Augen verlieren, mahnt die Studienberaterin.
"Man darf auf keinen Fall gleich alles machen wollen", rät auch Maria Hetzer, Sprecherin des Studentenrates (Stura) in Leipzig. "Manche belegen einfach alles Mögliche und stellen dann fest: Das ist nicht zu schaffen. Am besten wirft man schon einmal einen Blick in die Studienordnung und guckt, was man bis wann erledigen muss."
Die endgültige Zusammenstellung des Stundenplans kann durchaus eine Herausforderung sein: "Den bekommt man anders als in der Schule ja nicht einfach in die Hand gedrückt", erklärt Maria Hetzer. "Wer nur ein Fach, wie Jura oder Physik, auf Diplom studiert, hat es meistens leichter", sagt Studienberater Peter Schott. "Schwieriger ist das bei Magister- oder Lehramtsstudiengängen. Da kann es schnell zu Terminüberschneidungen bei den verschiedenen Fächern kommen." Auch hier gelte für Studenten der Rat: "Lass dich nicht verrückt machen." Am besten sei, erst mal einen Stundenplan zu entwerfen und bei Problemen nachzufragen - zum Beispiel bei der Fachschaft.
Um auch außerhalb des Uni-Alltags klar zu kommen, empfiehlt Ingrid Eschke-Schnell allen Anfängern, auch Stadt und Kommilitonen besser kennen zu lernen. "Dann ist man gleich nicht mehr so fremd." Das unterstreicht auch Maria Hetzer: "Viele Studienanfänger kennen das Gefühl, in der Masse verloren zu gehen." Stadtrallyes, Partys oder Fachschaftswochenenden, die oft schon in der Einführungswoche angeboten werden, helfen beim Knüpfen erster Kontakte. Und wer die ersten neuen Freunde gefunden hat, fühlt sich auch im Hörsaal gleich nicht mehr so allein.
Von Andreas Heimann, gms