Studienstart Willkommen im akademischen Labyrinth
Schwänzen? Entschuldigungszettel? Das interessiert an Hochschule niemanden. Meist kontrollieren Professoren nicht einmal die Anwesenheit in der Vorlesung. Viele Abiturienten freuen sich auf diese Freiheiten. Wer neu an der Uni ist, kann aber auch leicht die Orientierung verlieren. Typische Unklarheiten beim Studienstart tauchten etwa bei der Stundenplangestaltung auf, sagt Jürgen Damerius, Leiter der Studienberatung an der Universität Greifswald.
In den meisten Studiengängen sind Erstsemester für die Auswahl ihrer Veranstaltungen selbst zuständig - ganz anders als in der Schule. Wer mehrere Fächer kombiniere, habe es bei der Stundenplangestaltung besonders schwer, so der Berater: "Viele kaufen das Vorlesungsverzeichnis und schreiben sich dann alles in den Stundenplan, was unter Grundstudium steht. Das ist zu viel."
Anika Susek vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) der Uni Münster empfiehlt für Studienanfänger ein moderates Arbeitspensum - 20 Semesterwochenstunden reichen. Mit dieser Faustregel wird die Arbeitsbelastung greifbar: Die Zeit, die im Hörsaal verbracht wird, muss noch einmal für Vor- und Nachbereitung der Lehrinhalte eingeplant werden.
Neulinge sollten sich kein Riesenpensum aufhalsen
"Man hört oft von Leuten, die über 30 Wochenstunden stöhnen", hat Sandra Groth festgestellt. Die 20-Jährige hat gerade das erste Semester ihres Amerikanistik-Studiums an der Uni Hamburg hinter sich und rät Studienanfängern, sich "auf eine Sache zu konzentrieren". Das erste Semester sollte der Orientierung dienen, so Groths Kommilitonin Sandra Wittig, damit man nicht erst im Hauptstudium merkt, dass die Fächerwahl falsch war.
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Auch Studienberater Jürgen Damerius meint, das erste Semester sei dazu da zu "sondieren, was ich eigentlich will". Dennoch können Erstsemester nicht auf der faulen Haut liegen. Wer nicht von Anfang an kontinuierlich mitarbeitet, verliert schnell den Anschluss. In mathematischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen etwa bauen Kurse häufig aufeinander auf, und Veranstaltungen eines Typs werden oft nur einmal im Jahr angeboten. Darauf sollte man bei der Stundenplangestaltung Rücksicht nehmen.
Gerade Bafög-Empfänger müssen nach vier Semestern die Zwischenprüfung oder das Vordiplom in der Tasche haben, um die Förderung nicht zu verlieren. Sandra Groth findet es sinnvoll, die "Schnuppertage" zu besuchen, die von vielen Universitäten angeboten werden. Studieninteressenten erfahren, "wie ein Hörsaal von innen aussieht und wie die Uni funktioniert." Geholfen hat ihr auch die Einführungswoche für Erstsemester, meist von den Fachschaften organisiert.
Es gibt ein Leben neben der Uni
Bei der Einführungswoche kurz vor dem Semesterauftakt helfen Tutoren - Studierende höherer Semester - beim Einstieg. Sie erläutern den Uni-Neulingen zum Beispiel, welche Scheine man wann und in welchem Seminar erwerben kann. Einführungsveranstaltungen sind auch eine gute Gelegenheit, erste Kontakte zu knüpfen.
"Man kommt an die Uni und soll plötzlich selbständig sein", sagt Sandra Wittig. Darauf seien viele nicht vorbereitet. "Das Leben besteht aber nicht nur aus Büffeln, gerade im ersten Semester", so Andreas Fischer vom Internetportal www.uni.de in München. Der Hochschulsport sei eine gute Möglichkeit, vom Lernen abzuschalten.
Zur Standardausstattung beim Studienstart zählen die Prüfungsordnung und das kommentierte Vorlesungsverzeichnis. Darin stehen die Lehrveranstaltungen aller Fachbereiche, die Adressen aller Hochschulinstitutionen und der Bibliotheken. Sinnvoll ist auch ein Gespräch mit Studienberatern und mit Studentenvertretern in der Fachschaft. Die haben oft gute Tipps für die "Rookies" parat.
Auch Professoren stehen Neulingen mit Rat zur Seite - aber oft werden sie gar nicht erst gefragt. Übertriebene Ehrfurcht vor akademischen Titeln sollten Studienanfänger möglichst schnell begraben: "Professoren sind auch nur Menschen wie du und ich", weiß Sandra Groth.
Von Thorsten Wiese, gms