Seminarproblem 2: Mut zur dummen Frage - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Seminarproblem 2 Mut zur dummen Frage

Was tun, wenn Sie nichts von den Ausführungen des Dozenten kapieren?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zurück zur Übersicht

Selbstverständlich: Fragen, das ist klar. Manchmal aber verstehen Sie so wenig von den Inhalten, dass selbst eine Frage zu viel Verständnis voraussetzt. Falls Sie einmal in diese Situation geraten, dann verengen Sie Ihren Blickwinkel und achten auf Kleinigkeiten und kurze Passagen, die meistens auch bei komplizierten Vorträgen verstanden werden können.

Noch einmal, weil es so wichtig ist: Wer sich nicht auf die Lehrveranstaltung vorbereitet hat, hat dennoch ein Recht zu fragen. Es bringt Ihnen gar nichts, wenn Sie vor lauter schlechtem Gewissen, keine Zeit zur Vorbereitung gehabt zu haben, sich das Fragenstellen so lange verkneifen, bis Sie am Ende überhaupt nicht mehr mitkommen und eine schlechtere Note in der Abschlussarbeit schreiben.

Im Zweifelsfall gehen Sie die Gefahr ein, vom Dozenten und den anderen als Uninformierter geoutet zu werden. Fragen Sie dennoch, was das Zeug hält. Legen Sie offen, wieso Sie fragen (müssen), zum Beispiel: "Eine kurze Frage, wir hätten es sicher nachlesen sollen, aber ich komme sonst nicht mit: Was meinen Sie mit A?", oder: "Obwohl wir das hätten vorbereiten sollen – können Sie noch einmal ganz kurz sagen, worum es in/bei A genau geht?"

Lösen Sie die Frage aus dem großen Zusammenhang heraus. Lassen Sie frühzeitig das Vorhaben fallen, das große Ganze verstehen zu wollen, und konzentrieren Sie sich auf diese Kleinteile. Bleiben Sie an einem Miniaspekt dran und bilden daraus eine Frage. Hangeln Sie sich auf diese Weise von Miniaspekt zu Miniaspekt vor, bis Sie irgendwann das Puzzle zusammengesetzt haben und sich Ihr Verständnis erweitert.
(aus Gloria Becks Ratgeber "Rhetorik für die Uni")

Verwandte Artikel