Studentische Mahnwache in Berlin "Wir machen weiter"
Obwohl die Studenten der Humboldt-Universität bei einer turbulenten Vollversammlung das Ende ihres Streiks beschlossen haben, bleibt die Mahnwache vor dem Roten Rathaus bestehen. "Wir machen weiter", sagt Oliver Jahn. Der 23-jährige Ethnologie-Student campiert zusammen mit zwölf anderen Studenten und einem Hund in dem provisorischen Lager.
"Entmutig sind wir auf keinen Fall, wir haben nach wie vor unsere Ziele", fügt Jens Hülsmann hinzu. Die Mahnwache setze ein Zeichen gegen die Sparmaßnahmen des rot-roten Senats, die Kürzungen in Millionenhöhe im Bildungs- und Sozialbereich vorsehen.
"Wir machen hier aber keinen Alleingang", betont Hülsmann, 25. Die Mahnwache bleibe so nur lange, wie an einer der Berliner Unis noch Protestaktionen stattfänden. Er rechne deshalb damit, dass es noch eine ganze Weile so weitergehe wie bisher. "Die Humboldt-Uni ist ja fast noch im Vollstreik, ohne das er so genannt wird", sagt der Lehramtsstudent. Bei vier wöchentlichen Aktionstagen sei ein normaler Uni-Betrieb nicht möglich.
Seit dem 23. November harren die Teilnehmer der Mahnwache vor dem Roten Rathaus aus. "Wir sind hier Tag und Nacht, wenn Einzelne von uns nicht gerade an anderen Protestaktionen teilnehmen", sagt Hülsmann.
Momentan machten ihnen aber die frostigen Temperaturen zu schaffen, zumal man auf Geheiß der Polizei die Zeltplane habe abbauen müssen. Eingemummelt in Decken und Schlafsäcke trotzen die zwölf Studenten dem eisigen Wind. "Wir machen das hier nicht zum Spaß, sondern weil wir etwas durchsetzen wollen", unterstreicht Hülsmann. "Wir geben nicht auf, nur weil es etwas kälter wird." Bisher sei noch keiner der Mitstreiter abgesprungen.
Wärmende Worte von Passanten
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe sich bisher noch nicht bei ihnen blicken lassen. "Wir haben auch nicht damit gerechnet, dass er zu uns kommt", sagt Hülsmann. Bei der Politik des Senats sei das nicht zu erwarten gewesen.
Die Mahnwache bekomme viel Unterstützung von Menschen aus den unterschiedlichsten Altersgruppen und Schichten, fügt er hinzu. Rund um das Lager stehen Proviantkörbe und Thermoskannen. Gerade bringt ein älterer Mann eine Tüte mit Lebensmitteln vorbei. "Wenn ich jung wäre, würde ich auch mitmachen", sagt er und lobt die Studenten für ihr Engagement.
"Wir wollen verhindern, dass Bildungs- und Sozialbereich gegeneinander ausgespielt werden", erläutert Hülsmann. Die im Moment auf Initiative der SPD diskutierte Einrichtung von Elite-Universitäten lehnen die Studenten ab. "Unser Protest richtet sich auch gegen die Einführung von Studiengebühren", sagt Hülsmann. Diese seien an Elite-Universitäten jedoch unvermeidlich. Hülsmann sieht darin eine Gefahr: "Damit wird die Bildung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft noch weiter gefördert."
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Claudia Stäuble, ddp