China - Beijing Auto Show: Hier ist die Batterie der Star - DER SPIEGEL
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Arvid Haitsch

Automesse in Peking Hier ist die Batterie der Star

Arvid Haitsch
Ein Newsletter von Arvid Haitsch
In Peking beginnt die weltgrößte Automesse. Hier entfaltet die Batterierevolution ihre ganze Kraft als Motor des klimafreundlichen Fortschritts. Was für ein Kontrast zu Berliner Wehklagen.
Klimakrise

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Das Ganze wirkt nicht gerade wie nach zentralem Plan gesteuert – eher wie unkontrollierter Wildwuchs. Auf 380.000 Quadratmetern stellen ab diesem Freitag in Peking mehr als 1000 Firmen ihre Fahrzeuge aus. Die Veranstalter der Messe Auto China Beijing erwarten allein 181 Weltpremieren, um vermutlich rund eine Million Besucher zu beeindrucken. Dass es so viel zu zeigen gibt, liegt natürlich auch daran, dass in China unüberschaubar viele Autohersteller in einem harten Wettbewerb um die Aufmerksamkeit von Kunden und Investoren ringen.

Daher werden auch wieder Flugtaxis die Messe schmücken. Zwischen »softwaredefinierten Fahrzeugen«, »KI-nativer Digitalarchitektur« oder »lokaler Connectivity« wird schwer zu unterscheiden, wo das Bullshit-Buzzword-Bingo aufhört und wo der echte technische Fortschritt anfängt.

Die Partei- und Staatsführung drängt seit Langem auf eine geordnetere Entwicklung der Autoindustrie, hat Elektromobilität im aktuellen Fünfjahresplan von der Liste der strategischen Investitionen gestrichen und Subventionen abgebaut. Aber der Markt will sich partout nicht bereinigen, so eine ungeheure Dynamik hat die Elektrifizierung des Straßenverkehrs entfesselt.

Die wichtigsten Ausstellungsstücke

Was für ein Kontrast zum Katzenjammer in den Chefetagen der deutschen Autoindustrie wie der Klage von Mercedes-Chef Ola Källenius über ein »Überangebot an E-Autos«  – oder der Bundesregierung. Kanzler Friedrich Merz durfte in dieser Woche als Gastgeber des Petersberger Klimadialogs in Berlin wiederholt »Ja, aber« zum Klimaschutz sagen, mit Betonung auf dem »Aber« . Was das wieder alles kostet! (Lesen Sie hier  einen Kommentar meiner Kollegin Susanne Götze.)

Akku von CATL auf »Tech Day« vor Beginn der Messe

Akku von CATL auf »Tech Day« vor Beginn der Messe

Foto: Maxim Shemetov / REUTERS

Die wohl wichtigsten Ausstellungsstücke in Peking haben keine schmucken Karosserien. Die Batteriegiganten BYD und CATL vollbringen das Kunststück, an sich eher unsexy Akkugehäuse zu Stars zu erheben. Womöglich übertreiben auch sie mitunter in ihrem Drang um Rekorde bei den Leistungsdaten. Aber bei Lithium-Ionen-Akkus ist der reale Fortschritt greifbar. Immer höhere Energiedichten (bis zu 350 Wattstunden pro Kilogramm Batteriepaket), immer kürzere Ladezeiten (teils unter sieben Minuten für eine Akkuladung), und das zu immer geringeren Kosten (unter 40 Euro pro Kilowattstunde Akkukapazität) – das ist es, was vielen Nutzern den Abschied von fossilen Brennstoffen leicht macht.

Dank der Massenproduktion in China werden Batterien auch für viele andere Zwecke einsetzbar, etwa als stationäre Speicher, um Stromnetze zu stabilisieren. So kommen wir einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien näher und können auf das eine oder andere Gaskraftwerk locker verzichten.

Dem Klimaschutz nützt die Batterietechnik allein schon, indem sie den ungleich schädlicheren Verbrauch von Öl, Gas und Kohle ersetzt – auch wenn bei der Rohstoffgewinnung und Produktion der Batterien selbst erhebliche Emissionen von CO₂ und anderen Schadstoffen anfallen.

Die noch bessere Nachricht

Die noch bessere Nachricht: Die Industrie entwickelt sich weiter in Richtung Nachhaltigkeit. Die Chinesen haben schon die einfachen Lithium-Eisenphosphatbatterien (ohne Nickel, Kobalt und Mangan) zum Welterfolg geführt. Jetzt sehen sie sich bereit, die Serienproduktion von Natrium-Ionen-Akkus (ohne Lithium) im großen Stil zu beginnen. Die gefürchtete strategische Dominanz Chinas bei kritischen Rohstoffen, die manchen in Deutschland noch als Argument gegen die Energiewende erscheint? Die Chinesen selbst liefern das beste Mittel dagegen: technische Lösungen, um auf diese Rohstoffe verzichten zu können.

Oder sie wiederzugewinnen. Denn auch beim Recycling gebrauchter Batterien hat China eine Führungsrolle, schreibt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in einem aktuellen Überblick zum Thema. Zwar gibt es auch in Europa schon einige Anlagen fürs Recycling alter Auto-Akkus. Aber denen fehlt schlicht der verwertbare Schrott, um wirtschaftlich arbeiten zu können. China hingegen hat neben einer strengen Regulierung genügend Elektroautos, die zudem oft nach wenigen Jahren schon wieder abgestoßen werden, weil es längst wieder etwas Aufregenderes billig zu kaufen gibt. Das klingt nach wenig nachhaltiger Wegwerfmentalität, hilft paradoxerweise aber, den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Und wenn Chinas Markt allmählich gesättigt ist, vielleicht auch etwas überdreht hat – der globalen Energiewende kann das nur helfen. Die Chinesen haben viel zu exportieren und gerade jetzt dankbare Abnehmer. So formulierte Indonesiens Präsident Prabowo Subianto seine Antwort auf die Treibstoffkrise infolge des Irankriegs: »Alle unsere Motorräder müssen elektrisch fahren, alle Autos, Lastwagen und Traktoren.« Auch Europa könnte mit chinesischer E-Technik besser vorankommen – hätte allerdings auch die industrielle Fähigkeit, sie selbst herzustellen. Dann bestünde Chinas Hilfe noch darin, uns das Beispiel zu zeigen, wie es geht.

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Ihr Arvid Haitsch,
Redakteur Mobilität