Driving School 2016 im Test: Spießig Autofahren - DER SPIEGEL
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"Driving School 2016" im Test Spießig Autofahren

Mit der Spiele-App "Driving School 2016" fährt man durch verschiedene Gegenden der Welt. Sinn der Simulation ist es, sich möglichst genau an die Verkehrsregeln zu halten. Warum ist es nur so immens populär?
Foto: Ovilex.com
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Über 83 Kilometer habe ich geschrubbt, dabei einen Menschen umgenietet und mindestens zwei rote Ampeln überfahren. In der Realität müsste ich die schlechteste Autofahrerin der Welt sein. Das hier aber ist zum Glück nur Level 2 einer seltsam beliebten Fahrschulsimulation auf dem Smartphone: "Driving School 2016". 

Gerne hätte ich mir aufgrund meines chaotischen Fahrstils wenigstens eine ordentliche Karre zugelegt. In der App war aber leider nur das Verlierermodell zu bekommen. Irgendein langweiliger, blauer Viertürer mit niedrigen Werten bei Leistung und Beschleunigung. Alle anderen Modelle, von Sportwagen über SUV bis Touribus, müssen freigespielt werden oder kosten Geld. Da bleibe ich lieber beim Gratis-Kleinwagen und ertrage die fiese Werbung, die immer wieder auf meinem Smartphone-Display erscheint.

Blaues Auto in der Garage in der Spiele-App "Driving School 2016"

Blaues Auto in der Garage in der Spiele-App "Driving School 2016"

Irgendwie ist das ein sehr realistischer Teil der Simulation: in der Fahrschule fährt man ja in der Regel auch einen VW Golf und keinen Porsche. Immerhin erlaubt mir die App, in verschiedenen Städten und Landschaften unterwegs zu sein, zum Beispiel Berlin, Seattle, den Anden oder in Arizona.

Die Grafik ist gar nicht mal so schlecht. Zumindest solange man sein Auto auf Kurs hält. Wechselt man die Perspektive in die Frontal- oder Seitenansicht, weist die Grafik bei meinen wilden Fahrmanövern Fehler auf. Vielleicht liegt der Fehler auch bei mir. Denn bei "Driving School 2016" geht es ja darum, möglichst korrekt zu fahren. Bevor es losgeht, muss man sich anschnallen. Das Tempolimit zu überschreiten, bringt Minuspunkte, ebenso, wenn man das Blinken vergisst. Auch der Mehrspielermodus macht es nicht spannender. Das alles ist ungefähr so sexy wie eine Bahnsimulation.

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Immerhin gibt es auch die Möglichkeit zur "freien Fahrt". Hier muss man nicht auf irgendwelche Regeln achten. Um noch mehr Action in die ganze Sache zu bringen, entscheide ich mich für eine riskante Nachtfahrt bei Regen in den Anden. Bei Sonnenschein auf gerader Strecke durch Arizona fahren, kann ja jeder. Endlich ungehemmt heizen!

Autofahrt in den dunklen Anden in der Spiele-App "Driving School 2016"

Autofahrt in den dunklen Anden in der Spiele-App "Driving School 2016"

Ich überschreite das Tempolimit, ich drücke die Hupe, gehe in den Sportmodus mit heulendem Motor und - langweile mich. Es gibt keine Konkurrenz, keine Aufgabe, nicht mal mehr Minuspunkte für meinen rüpelhaften Fahrstil. Das Gute ist: So lange man sich in der Fahrsimulation aufhält und nicht im Menü, muss man nicht die nervige Chiptune-Musik von "Driving School 2016" hören.

Die guten Bewertungen und Downloadzahlen, die das Spiel erreicht hat, bleiben ein Rätsel - allein im Google Play Store  wurde die kostenlose App über eine Million Mal heruntergeladen. Viele der Fünf-Sterne-Bewertungen lesen sich aber auch sehr merkwürdig - zahlreiche bestehen nur aus der Wiederholung des Wortes "cool". Was nun wirklich nicht passt.

Mit dem Smartphone kann man nicht wirklich eine Autofahrt simulieren, es gibt wenig Lerneffekte und kein echtes Fahrgefühl. Driving School 2016 bietet aber auch nicht den Spaß von Rennspielen. Was übrig bleibt, ist ein Spiel für Spießer, die sich gern an Regeln halten.


"Driving School 2016" gibt es für Android  und für iOS,  die App ist prinzipiell kostenlos.



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