"Glitch Art Studio" im Test: So schön können Bildfehler sein - DER SPIEGEL
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Kunstwerke aus Wackelpixeln: So funktioniert die App "Glitch Art Studio"

Foto: Breithut

"Glitch Art Studio" im Test So schön können Bildfehler sein

Das sind keine Pannen, das ist Kunst: Mit "Glitch Art Studio" lassen sich Videos und Bilder auf dem Smartphone zu einem bunten Pixelchaos zerhäckseln. Wir haben die Gratis-App ausprobiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hässliche Streifen durchzucken das Video, Klötzchen ruckeln umher und Regenbogenränder zerfetzen das Bild: Sogenannte Glitches, also Bildfehler, nerven meistens. Aber eben nicht immer. Denn die kleinen Pannen sind längst zu einer Kunstform geworden, die auf Fotos und in Videos gerne als Effekt eingesetzt werden. Mit der App "Glitch Art Studio: Cam Effects" für iOS  können nun auch Hobbykünstler das Pixelchaos in ihre iPhone-Aufnahmen einbauen.

Das Ziel der App: Schöne Fotos und Videos radikal zu zerstören, um sie mit Röhrenfernseher-Optik und Wackelpixeln in eigene Glitch-Kunstwerke zu verwandeln. Die Ergebnisse sind gewöhnungsbedürftig. Doch sie können durchaus mithalten mit Ergebnissen der Glitch-Bastler im Internet, die unter anderem bei "Reddit" in Foren  mit mehr als 120.000 Abonnenten ihre Fotos präsentieren.

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Kunstwerke aus Wackelpixeln: So funktioniert die App "Glitch Art Studio"

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Bis zur Kunstform war es ein weiter Weg für die Bildstörungen. Denn Glitches gibt es schon seit mehr als 100 Jahren. Schon damals verärgerten die Fehler die Zuschauer im Kino und vor den Fernsehgeräten, auf denen die ersten Glitches aufgetaucht waren. Meist waren marode Projektoren, schlechter Empfang und altertümliche TV-Geräte dafür verantwortlich, wenn das Bild ausfranste und sich Streifen quer über die Bildröhre legten.

Ein bisschen mehr Farbchaos

Mittlerweile ist die Technik zwar wesentlich ausgereifter, doch die Glitches leben weiter. Wer sich eine zerstörte Videodatei anschaut, mit magerer Bandbreite einen Film streamt oder den Browser mit YouTube-Clips überfordert, der sieht auch heute noch die Klötzchen tanzen.

Und auch bei Videospielen gehören Glitches einfach dazu. Für viele ist es gar zum Hobby geworden, die schönsten Clipping-Fehler zu sammeln. So wandern bei Titeln wie "Red Dead Redemption 2" die Figuren eben mal durch Wände  und schweben bei "Fallout 76" körperlos in der Luft.

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Die Palette der Glitches ist riesig. Doch im Gegensatz zu den meist unerwartet auftretenden Fehlern auf Bildschirmen geht es bei der Glitch-Kunst darum, die Fehler bewusst zu erzeugen. Unschärfe, Artefakte und Farbchaos: Mit "Glitch Art Studio" haben die Entwickler von Net Sigma eine App gebaut, mit der sich Störungen recht einfach und kontrolliert auf dem Smartphone nachbilden lassen. Zunächst gibt es wie bei fast allen anderen Foto-Apps einige Standardfilter, um die Bildfarbe zu bestimmen. Das ist wichtig, um beispielsweise eine farblose TV-Szene aus den 1960er-Jahren zu simulieren.

Analoge und digitale Bildwackler geben den Videos den Rest. Mit einer analogen Störung sehen iPhone-Aufnahmen plötzlich aus wie die ersten drei Minuten auf einem ausgeleierten VHS-Band. Der Nutzer kann dabei die Art der Störung, die Stärke und die Frequenz einstellen. Die Glitches lassen sich auch so überlagern, dass das ursprüngliche Bild kaum noch zu erkennen ist.

Die App ist kostenlos. Allerdings wird die nervige Werbung erst ausgeblendet und ein Großteil der Funktionen, Filter und Effekte freigeschaltet, wenn man sich das Pro-Paket für 5,49 Euro kauft. Doch auch mit der Gratis-Version lassen sich schon einige nette Glitches erzeugen. Und auch der Export klappt ohne Wasserzeichen und Qualitätsbeschränkung problemlos.


"Glitch Art Studio: Cam Effects" von NET Sigma, für iOS, gratis; USK: Ab 4 Jahren