Musik-Streaming Spotify wirft Apple Schikane vor
Spotify-App, Kopfhörer
Foto: Daniel Bockwoldt/ dpaSpotify wirft Apple vor, den Genehmigungsprozess des App Store zu nutzen, um Konkurrenten des Streamingdienstes Apple Music zu behindern. "Wir können nicht einfach zusehen, wie Apple den Genehmigungsprozess des App Stores als Waffe benutzt", zitiert die Tech-Webseite "recode " aus dem Schreiben des Chefanwalts von Spotify.
Abgeschickt wurde der Brief bereits am 26. Juni. Erst jetzt wurde er auch einigen US-Politikern und "recode" zugeschickt. Das Timing dürfte kein Zufall sein. Genau vor einem Jahr zuvor hatte Apple sein Musikangebot online gebracht.
Von Anfang an gab es reichlich Kritik daran. Zum einen machten Software-Fehler vielen Nutzer zu schaffen: Songs wurden doppelt angezeigt, beim Aktivieren der iCloud-Musikbibliothek und beim Anlegen und Verwalten von Playlists gab es Probleme, die nur nach und nach per Update beseitigt wurden.
Viele User beklagten sich auch über die nicht klar genug strukturierte Benutzeroberfläche. Ein Mangel, der erst im Herbst mit iOS 10 und macOS Sierra ausgebügelt werden soll.
Songs aus dem Netz: Musikstreaming-Dienste
Spotify klagte schon kurz nach der Einführung von Apple Music über Apples Regel, dass man digitale Einkäufe, auch wenn es um Abos geht, auf Apple-Geräten grundsätzlich über Apples Bezahlmodell abwickeln muss. Der Konzern streicht dabei stets 30 Prozent Provision ein, egal ob man eine App für 99 Cent oder ein Jahresabo für 120 Euro kauft. Spotify hatte damals versucht, potenzielle Kunden mit einer Anleitung zu zeigen, wie man seinen Dienst unter Umgehung des App Stores abonnieren kann.
iOS-Apps müssen Apples Bezahlsystem nutzen
Dasselbe Thema ist nun Auslöser für Spotifys Brief an Apple. Laut "recode" beschuldigt Spotify Apple, die Veröffentlichung einer neuen Version der Spotify-App zu verweigern. Zur Begründung heiße es, die App verstoße gegen "Regeln des Geschäftsmodells". Außerdem würden die Schweden in dem Schreiben aufgefordert, Apples Abrechnungssystem zu verwenden, wenn sie neue Kunden gewinnen und Abos abschließen wollen.
Damit mussten Spotifys Entwickler allerdings auch rechnen, wenn sie eine eigene Bezahlfunktion oder Ähnliches in das Update ihrer App eingebaut haben. Punkt 3.1.1 der Apple-Entwicklerrichtlinien regelt klar, dass für alle Käufe innerhalb einer App Apples Bezahlsysteme zu nutzen sind. Deshalb kann man beispielsweise mit Amazons Kindle-App auf iPads Bücher lesen, aber nicht kaufen.
Spotify hat bereits vor einiger Zeit jede Abo-Möglichkeit aus seiner iOS-App entfernt. iPhone-, iPad- und Mac-Anwender haben derzeit kaum eine andere Chance, zahlende Kunden zu werden, als sich auf der Spotify-Webseite zu registrieren. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC hatte der Konzern einen Versuch gestartet, solchen Tendenzen entgegen zu wirken. Von Abos, die länger als ein Jahr laufen, will das Unternehmen bald nur noch 15 Prozent Provision einstreichen. Für Spotify geht das augenscheinlich nicht weit genug: Die Schweden wollen nicht mit Apple teilen.
Und jetzt auch noch Tidal?
Eben deshalb ging besagter Brief nun nicht nur an die Presse, sondern wurde auch einigen Politikern zugestellt. Offenbar will das Unternehmen damit seinen Standpunkt vermitteln, Apples Preispolitik sei wettbewerbsschädigend und diene dazu, Apple Music zu stärken.
Der beschuldigte Konzern äußerte sich dazu ebenso wenig wie zu Gerüchten, wonach man an den von Rapper Jay-Z gegründeten Streamingdienst Tidal übernehmen wolle. Das "Wall Street Journal " hatte berichtet, entsprechende Verhandlungen seien im Gange.
Tidal ist insofern interessant und anders als Spotify oder Apple Music, weil neben Jay-Z weitere 16 Künstler und Bands Anteile an dem Unternehmen halten. Darunter Kanye West, Beyoncé, Arcade Fire und Daft Punk. Diese Konstruktion hat es ermöglicht, bestimmte Alben der Anteilseigner zumindest zeitweilig exklusiv über Tidal anzubieten.
Dem Blog "9to5mac " gegenüber erklärte ein Tidal-Sprecher allerdings schnell, dass es keine Gespräche mit Apple gegeben habe.