Mehr als ein Digitalwecker: Amazons Echo Spot im Test
Amazon Echo Spot Guck mal, wie der guckt
Auf den ersten Blick wirkt der Echo Spot wie ein Digitalwecker: kugelrund, oben ein paar Tasten, vorne ein Ziffernblatt. Zumindest sieht es so aus. Eigentlich aber ist es nur das animierte Bild eines Ziffernblatts, das auf dem runden Bildschirm des Spot dargestellt wird. Und dieser Bildschirm ist auch das, was den Neuzugang in Amazons Hardware-Angebot interessant macht.
Wie der Name sagt, gehört der Spot zu Amazons Echo-Serie. Die wird eigentlich von smarten Lautsprechern dominiert, dem Echo, Echo Dot und Echo Plus. Sie alle dienen - neben dem Musikhören - vor allem dazu, Alexa nutzbar zu machen. Unter dieser Bezeichnung hat der Internetkonzern seine sprachbasierten Dienste zusammengefasst. Alexa kann Wissensfragen beantworten, das Internet durchsuchen, Nachrichten und Wetterberichte vorlesen, aber auch Smarthome-Geräte per Sprache steuerbar machen, durch Befehle wie: "Alexa, schalte das Licht im Keller aus."
Im November 2017 hatte Amazon sein Angebot bereits um den Echo Show erweitert, eine Variante mit 7-Zoll-Farbbildschirm und Webcam für Videochats und zum Anschauen von Videos. Außerdem wird der Bildschirm des Show genutzt, um Alexas Antworten mit Fotos, Grafiken oder Texten zu illustrieren.
Mehr als ein Digitalwecker: Amazons Echo Spot im Test
Der Echo Spot ist nun eine kleinere, günstigere Version des Echo Show. Mit 130 Euro ist er 100 Euro billiger als sein großes Gegenstück. Dafür ist sein Touchscreen-Bildschirm mit 2,5 Zoll auch deutlich kleiner.
Hobbits im Mäusekino
Die Auflösung von 480 x 480 Pixeln erinnert an Heimcomputer der Achtzigerjahre. Trotzdem wirkt das Bild meist frisch und scharf. Es ist nicht auf dem Niveau eines guten Smartphones, aber vollkommen ausreichend. Weil er rund ist, schneidet der Echo Spot Texte am oberen und unteren Bildschirmrand ab, ganz so wie es die runden Bildschirme mancher Smartwatches tun (siehe Fotostrecke).
Theoretisch kann man auf dem Gerät sogar Filme anschauen. Zur Auswahl stehen aber nur die von Amazon Video, YouTube läuft nicht. Meinen Versuch, "Der Hobbit: Smaugs Einöde" darauf anzuschauen, habe ich dann aber doch lieber schnell wieder abgebrochen. Um das Filmbild komplett und rechteckig darstellen zu können, wird es auf den mittleren Bereich des Bildschirms herabskaliert.
Ich musste dabei unweigerlich an den Begriff "Mäusekino" denken. Mit dem Befehl "Vergrößern" lässt sich die Darstellung zwar bildschirmfüllend aufblähen, dann aber bekommt man nicht mehr mit, was außerhalb der Bildmitte passiert.
Eine Webcam wie früher
Bei Videochats sieht das anders aus. Hier reicht es in der Regel, sein Gegenüber mittig auf dem Bildschirm zu sehen. Leider wirkt das Bild bei solchen Chats etwas flau, was freilich auch mit den Kameras der Geräte zusammenhängen dürfte. Die Webcam im Echo Spot erreicht lediglich VGA-Auflösung, also 640 x 480 Pixel. Jedes Billig-Smartphone bietet mehr. Bessere Qualität bekommt man, wenn der Angerufene einen Echo Show hat, dessen Webcam 5 Megapixel hat.
Man kann freilich auch Smartphone-Nutzer per Videochat anrufen, sofern auf deren Geräten Amazons Alexa-App installiert ist (siehe Fotostrecke). Neben Videoanrufen kann man auch sogenannte Drop-ins initiieren. Das sind Verbindungen zu anderen Echo-Geräten, bei denen der Anruf automatisch vom Gerät des Angerufenen angenommen wird. So kann man etwa einen Echo Spot im Kinderzimmer anrufen, um nachzuschauen, ob die Kleinen gut schlafen. Damit das funktioniert, müssen die Gesprächspartner die Drop-in-Funktion vorher allerdings gegenseitig freischalten.
Lautsprecher zu leise
Auch die Grundfunktionen eines jeden Echo-Geräts beherrscht der Spot. Man kann ihn also fragen, wie morgen das Wetter in London wird und ob man für den Weg zur Arbeit vielleicht eine Viertelstunde mehr als üblich einplanen sollte. Und auf den Befehl "Licht an im Wohnzimmer" reagiert er, sofern man vernetzte Leuchtmittel verwendet, indem er die entsprechenden Lampen einschaltet. Auch Witze und ein paar Spiele kennt das System.
Nur zum Musikhören taugt der Echo Spot derweil kaum. Dafür ist sein Lautsprecher zu klein und zu leise. Da man externe Lautsprecher aber sowohl per Kabel als auch per Bluetooth anschließen kann, lässt sich dem abhelfen. In umgekehrter Richtung wollte das Streaming von Musik vom Handy auf den Echo Spot während des Tests leider nicht funktionieren.
Fazit
Der Echo Spot ist die bisher eleganteste Möglichkeit, Amazons Sprachdienst Alexa zu nutzen. Anders als der Echo Show ist er klein und schick genug, um überall einen Platz zu finden. Sein Bildschirm ist nicht groß, bietet aber genug Raum, um gesprochene Inhalte mit Bildern und Texten zu ergänzen. Für Videochats ist er gut brauchbar, als Mini-TV würde ich das Gerät nicht empfehlen. Schade ist, dass man außer Amazons eigenem Dienst keine andere Chatangebote nutzen kann.
Mit einem Preis von 130 Euro ist der Spot auch zu teuer. Auch wenn Amazon damit wirbt, man könne beim Kauf von zwei Exemplaren 40 Euro sparen, würde ich mit einer Bestellung warten, bis die kleine Plapperkugel mal im Sonderangebot ist.