Mit hochauflösendem Display: Das ist der neue Kindle Paperwhite
Paperwhite im Test Einmal Kindle, extrascharf
Um das gleich vorweg zu nehmen: Ein langer Testbericht wird das hier nicht. Muss es auch nicht, denn so viel hat sich beim neuen Kindle Paperwhite gegenüber dem Vorgängermodell nicht geändert.
Nicht einmal den Namen hat Amazon geändert. Kein Kürzel deutet darauf hin, dass es sich hier um die dritte Version des laut Hersteller populärsten Kindle-E-Readers handelt. Von außen ist er nicht vom Vorgänger zu unterscheiden. Auch die Preise wurden nicht geändert: 120 Euro kostet das günstigste Modell mit WLAN und Werbeeinblendungen, 200 Euro die werbefreie Variante mit Mobilfunkanbindung.
Und doch gibt es eine wichtige Neuerung bei dem Gerät, das Amazon schlicht als "der neue Kindle Paperwhite" bewirbt: Der Bildschirm ist jetzt ebenso hochauflösend wie der in Amazons bis zu 250 Euro teurem Top-Modell, dem Kindle Voyage. Genau wie dort zeigt der E-Ink-Bildschirm im Paperwhite jetzt 300 Punkte pro Zoll an. Ebenso viel also, wie ein handelsüblicher Laserdrucker in der Standardeinstellung zu Papier bringt.
Licht ohne Automatik
Das Ergebnis ist ebenso beeindruckend wie beim Voyage. Dass Texte auf E-Ink-Displays wie gedruckt wirken, weil die Displaytechnik ein besonders ruhiges Bild erzeugt, ist nicht neu, und funktioniert bei vielen anderen E-Readern ebenso gut. Hier aber ist der Effekt noch etwas deutlicher, weil die Buchstaben sich gestochen scharf vom Hintergrund abheben. Selbst durch die Lupe (siehe Bilderstrecke) oder bei extrem großen Schriften, sind keine Kanten zu erkennen.
In Kombination mit der Bildschirmbeleuchtung sorgt das dafür, dass man auf dem Paperwhite stets sehr gut lesen kann, egal, ob im prallen Sonnenlicht oder im abgedunkelten Schlafzimmer. Allerdings ist hier Handarbeit gefragt. Im Gegensatz zum Voyage wird die Intensität der Beleuchtung nicht automatisch geregelt, bleibt also auch in heller Umgebung aktiviert. Besser lesbar werden Texte dadurch nicht. Stattdessen wird der Akku schneller geleert als nötig.
Die übrigen Neuerungen am 2015er Kindle Paperwhite liegen in der Software. Als wichtigste bezeichnet Amazon die neue Schriftart Bookerly. Sie soll das Lesen angenehmer machen, sei "für das Lesen auf digitalen Bildschirmen entwickelt" worden, erklärt der Hersteller.
Tatsächlich passt sie sehr gut zu dem neuen 300-dpi-Display, weil sie sehr fein gezeichnet ist, die hohe Auflösung dadurch gut ausnutzt. Die aber spielt ihr Potenzial nur in Kombination mit einigen Verbesserungen am Textsatzsystem des Kindle aus.
Dessen Neuerungen sind allerdings eher von der feinen Sorte, fallen nicht notwendigerweise sofort ins Auge. So kann es jetzt beispielsweise besser mit sogenannten Ligaturen umgehen, also mit eng zusammenhängenden Buchstaben, wie den Kombinationen fi und fl. Außerdem wurde verbessert, wie die Software mit Blocksatz umgeht und wie sie Wörter so trennt, dass der Lesefluss erhalten bleibt.
Das Ergebnis ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, macht das Lesen am Kindle aber insgesamt doch angenehmer. Zumindest bei den Büchern, die ich übers Wochenende gelesen und durchgeblättert habe, waren - subjektiv gefühlt - seltener Zeilen zu finden, in denen zu große Wortabstände nerven oder in denen Worte falsch getrennt waren.
Fazit
Keine Frage: Der neue Kindle Paperwhite ist besser als sein Vorgänger. Das Display macht den Unterschied, ist schärfer, kontrastreicher als sein Vorgänger. Dass Texte außerdem besser umbrochen werden, die Typografie gewonnen hat, ist dagegen eine reine Softwarefunktion. Davon werden andere Kindles per Update bald auch profitieren.
Einen Grund, einen alten Paperwhite durch das neue Modell zu ersetzen, gibt es deshalb kaum. Dafür gibt es viele Gründe, statt des teuren Kindle Voyage den neuen Paperwhite zu kaufen. Wer auf die automatische Beleuchtungssteuerung und ein etwas schickeres Gehäuse verzichten kann, spart mit dem Paperwhite 70 Euro gegenüber dem Top-Modell.
Was beiden gemein ist: Wie alle Kindle-E-Reader gehören sie zu einem geschlossenen System, in dessen Zentrum E-Books in Amazons eigenen Formaten stehen. Andere populäre Formate wie das weitverbreitete Epub akzeptieren sie von Haus aus nicht.
Technische Daten
| Hersteller | Amazon | Amazon |
|---|---|---|
| Bezeichnung | Kindle Paperwhite (2015) | Kindle Voyage |
| Betriebssystem | k.A. | k.A. |
| Prozessor | k.A. | k.A. |
| Arbeitsspeicher | k.A. | k.A. |
| Massenspeicher | 2 GB | 4 GB |
| Displaygröße | 6 Zoll | 6 Zoll |
| Displayauflösung | 300 ppi | 300 ppi |
| W-Lan | 802.11 b/g/n | 802.11 b/g/n |
| Mobilfunk | Optional 3G | Optional 3G |
| Speicherkartensteckplatz | Nein | Nein |
| Gewicht | 205/217 Gramm | 180/188 Gramm |
| Abmessungen (mm) | 169 x 117 x 9,1 | 162 x 115 x 7,6 |
| Unterstützte Formate | AZW3, AZW, TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, Doc, Docx, JPEG, GIF, PNG, BMP | AZW3, AZW, TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, Doc, Docx, JPEG, GIF, PNG, BMP |
| Preis mit W-Lan/3G | 120 bis 200 Euro | 190 bis 250 Euro |