Angefasst: Runtastic Road Bike im Test - DER SPIEGEL
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Eine App zum Radfahren: "Runtastic Road Bike Pro" im Test

Foto: Matthias Kremp

"Runtastic Road Bike" im Test Schneller radeln mit dem Smartphone

Der alte Fahrradtacho hat ausgedient. An seiner Stelle sollen künftig Smartphones Geschwindigkeit und Laufleistung des Rades - und des Fahrers - überwachen. Fährt man damit schneller? Ein Test mit der Radler-App "Runtastic Road Bike Pro".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Linzer Start-up Runtastic ist mit seiner gleichnamigen Jogging-App bekannt geworden. Aber mit dem Laufen habe ich es nicht so. Ich fahre stattdessen lieber mit dem Rad zur Arbeit. Da lag es nahe auszuprobieren, ob ich meinen Arbeitsweg nicht bewusst als Training nutzen könnte, wenn ich mir dabei von einer anderen Runtastic-App helfen lasse.

Im oberen Bildschirmbereich zeigt die "Road Bike"-App während der Fahrt Tempo, Trittfrequenz, Durchschnittsgeschwindigkeit und ähnliche Daten an. Darunter wird stets eine aktuelle Karte angezeigt, wobei man zwischen Apple Maps, einer Satellitenansicht, Open Street Map und Open Cycle Map wählen kann.

Grundsätzlich dienen die Karten dazu, den gefahrenen Weg aufzuzeichnen und anzuzeigen. Man kann seine Aufzeichnungen aber auch speichern und später wieder verwenden, um beispielsweise besonders schöne Strecken erneut zu fahren. Zudem bietet Runtastic die Möglichkeit, aufgezeichnete Routen auf ein integriertes Tauschportal hochzuladen, oder sich von dort neue Routen zu besorgen. Darüber hinaus lassen sich die Trainingsdaten mit der App oder auf dem zugehörigen Webportal auswerten.

Erst mal einpacken

Der Anfang ist schnell gemacht: "Runtastic Road Bike" gibt es kostenlos für iOS  und Android . Die Apps laufen auf allen aktuellen und vielen älteren Handy-Modellen. Eigentlich kann man damit sofort loslegen, man braucht nur eine Möglichkeit, das Handy am Lenker zu befestigen. Runtastic bietet solche Halterungen für iPhones und Android-Handys an.

Beide kosten 50 Euro und erfordern etwas Bastelei, müssen mit Schaumgummiteilen an unterschiedliche Handys angepasst werden (siehe Bilderstrecke). Bei der iPhone-Variante klappt das gut. Die Android-Version passt nicht zu aktuellen Top-Handys. Obwohl beide 4,7-Zoll-Displays haben, passt ein Alcatel One Touch Idol noch hinein, ein HTC One nicht. Für populäre Handys wie das Samsung Galaxy S3 lassen sich im Netz aber auch andere, deutlich billigere Modelle finden. Fürs iPhone auch.

Mein Puls kostet mich Geld

So vorbereitet lässt sich mit der "Road Bike"-App schon einiges anfangen. Via GPS misst sie Geschwindigkeit und gefahrene Kilometer, berechnet den Kalorienverbrauch und zeichnet die gefahrene Strecke auf. Für den Alltagsgebrauch reicht das und ersetzt den alten Tacho nicht nur, sondern übertrumpft dessen Fähigkeiten sogar.

Für ein Trainingsinstrument ist das aber nicht genug. Beim Training möchte ich meinen Puls messen, was nur die Pro-Version unterstützt. Sie kostet 4,99 Euro (Android) oder 4,49 (iOS) und bietet unter anderem die Möglichkeit, Karten für die Offline-Nutzung aufs Handy zu laden und Trainingsdaten unterwegs per Sprachausgabe anzusagen.

Der Sensor muss schräg stehen

Ergänzend bietet Runtastic für 80 Euro einen Pulsgurt und für 60 Euro einen Trittfrequenz- und Tempomesser an. Beide senden ihre Messdaten per Bluetooth 4.0 ans Handy und funktionieren nur mit iPhones.

Die Montage des Trittmessers ist eine ziemliche Fummelei. Nicht nur, weil man dafür ein Pedal demontieren muss, sondern auch, weil er im Test erst funktionierte, nachdem ich ihn deutlich schräger als in der Anleitung angegeben am Rad befestigte (siehe Fotostrecke). In der App wurden daraufhin Trittfrequenz und Puls ebenso angezeigt wie die gemessene Geschwindigkeit. Beim mehrwöchigen Test fielen die Sensoren allerdings mehrmals ohne ersichtlichen Grund aus. Probleme hatte ich auch, die App mit einem Pulsgurt der finnischen Firma Polar zu koppeln. Der nutzt zwar dieselbe Bluetooth-Technik, wird aber von Runtastic nicht offiziell unterstützt. Mal funktioniert er trotzdem, mal nicht.

Fazit

Nachdem ich die "Road Bike"-App einige Wochen lang täglich getestet habe, komme ich zu einem unklaren Ergebnis. Sicher, meine Kondition hat sich verbessert, ich brauche ein paar Minuten weniger für meinen Arbeitsweg und der Pulsmesser zeigt niedrigere Werte als noch vor ein paar Monaten. Aber das hätte ich wohl auch ohne Smartphone-Unterstützung geschafft.

Und trotzdem mag ich morgens nicht mehr losradeln, ohne die App anzuwerfen. Einerseits diszipliniert sie mich, nicht zu schnell in die Pedale zu treten, andererseits motiviert sie, doch mal wieder ein paar Minuten schneller im Büro oder abends zu Hause zu sein. Vor allem die Auswertung von Pulsbereichen, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit ist gelungen. Auch die Möglichkeit, von anderen erprobte Routen zu fahren, gefällt mir. Die App ist gelungen.

Die Hardware hingegen kann mich nicht überzeugen. Die Cases wirken billig, Trittfrequenz- und Temposensor versagen, sobald sie sich ein paar Millimeter verschieben, der Pulssensor ist vergleichsweise teuer. Das sollte verbessert werden.