CES-Bilanz Der Tag der Abrechnung
CES Roundup: Innovationsfeuerwerk in Las Vegas
Las Vegas/Hamburg - Las Vegas ist nicht Hannover. Während die Messegesellschaft der Cebit ihre erste Bilanz in der Regel schon vorlegt, bevor die Tore geschlossen werden, lassen die Veranstalter der Consumer Electronic Show CES nicht nur solche hellseherischen Fähigkeiten vermissen, sondern auch den Überblick nach Toresschluss. Belastbare Zahlen über das, was da in der letzten Woche an fünf CES-Tagen wirklich passiert ist, werde es wahrscheinlich erst in einigen Monaten geben, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Doch was soll's? Immerhin gibt es schon Schätzungen.
Folgt man denen, dann ist die CES über den Berg. Denn die Elektronik-Leistungsshow in Nevadas Casino-Stadt mag die weltweit meistbeachtete Technik-Innovationsmesse sein, ein geschäftlicher Erfolg war sie zuletzt nicht. So ruhmreich die Vergangenheit der CES, auf der die meisten der wichtigen technischen Innovationen der letzten drei Jahrzehnte ihre Premiere erlebten, auch sein mag, nach 2006 war der Erfolg der Tech-Businessmesse rückläufig. Den steilsten Einbruch erlebte sie - wie die Cebit - im Krisenjahr 2009, als sowohl Aussteller- als auch Besucherzahlen um 20 Prozent einbrachen.
Zumindest die Besucherzahlen sind nun wieder auf Niveau, stiegen angeblich ziemlich exakt wieder auf die Höhe von 2008. Demnach drängten sich rund 140.000 Besucher durch die Gänge, 2500 Aussteller konkurrierten um ihre Aufmerksamkeit. Und das mit Produkten, die teils höchst innovativ daherkamen - SPIEGEL ONLINE berichtete (siehe Linkverzeichnis).
Ob in diesem Jahr wirklich eine Innovation dabei war, von der man in Rückschau sagen wird, dass man die zuerst in Las Vegas zu sehen bekam, werden wir erst in einigen Jahren wissen: Glaubt man den Herstellern, dann feierten in diesem Jahr zumindest 3-D-Fernseher und eine neue Klasse Tablet-PCs auf der CES ihren Durchbruch. Tablets aber taten dies bereits mehrfach - und floppten dann doch. Dass es in diesem Jahr eventuell anders sein könnte, liegt nicht nur an der Flut der Neuvorstellungen auf der CES, sondern auch an dem, was da noch kommt: Ende des Monats soll Apple ein eigenes Konzept in dieser Richtung vorstellen.
Die Messe, auf der man in Europa sieht, was auf der CES zu sehen war
Und noch ein anderes Event wirft nun seine Schatten voraus: Viele Aussteller bauen in Las Vegas ab und beginnen gleich im Anschluss damit, ihren Auftritt auf der Cebit vorzubereiten. Die hatte 2009 einen ähnlichen Tiefschlag wie die CES erlebt. Seit Jahren sind die Zahlen rückläufig, auch wenn sie aufgrund des ungeliebten, aber noch immer aufrechterhaltenen Mix-Konzeptes aus Business- und Publikumsmesse insgesamt deutlich höher ausfallen als bei der CES. So kamen 2009 trotz eines Besucherrückganges um 20 Prozent noch immer rund 400.000 Gäste nach Hannover. Noch deutlicher als dort war in Hannover allerdings der Einbruch der Ausstellerzahlen ausgefallen - minus 25 Prozent wollen erst einmal verkraftet werden.
Weiter abwärts soll es in diesem Jahr nicht gehen. Die Zahl der Aussteller soll etwa auf Vorjahresniveau (4300) bleiben, ansonsten hofft man nun auch in Hannover wieder auf vermehrtes Publikumsinteresse. Dazu soll auch der neue thematische Ableger Cebit Sounds beitragen, mit dem die Musikindustrie, die sich zunehmend zur digitalen Branche mausert, eine Präsentationsplattform gegeben bekommt. Im Mittelpunkt der in Halle 22 konzentrierten Musikmesse steht eine Eventbühne - offenbar soll auch das Nicht-Fachpublikum wieder vermehrt nach Hannover gelockt werden.
Mit dem hadert die Messe schon aus Tradition: Es waren die Privatbesucher, die sich traditionell vor allem zum Messeabschluss am Wochenende durch die Gänge walzten, die das einst als Büroelektronikmesse begonnene Verkaufsevent wirklich populär gemacht hatten. In Jahren, in denen Technik als sexy galt und die Cebit Innovationen zumindest in Europa-Premieren zeigen konnte, meldete die Messegesellschaft ihre höchsten Zahlen.
Das aber seltsamerweise immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge: In den letzten Jahren hatte man den Eindruck, dass man diese Privatbesucher allenfalls noch in Kauf nahm. Die Cebit, wiederholten die Veranstalter unermüdlich, will vor allem Businessmesse sein, ziele auf Fachbesucher. Vielleicht auch darum erlebte die Hannoveraner Tech-Show ihr größtes Publikumsfiasko 2006 ausgerechnet in dem Jahr, in dem die CES ihren bisher größten Erfolg feierte.
In diesem Jahr ist Technik einwandfrei wieder sexy, das hat die CES gezeigt: Viele neue Produkte sind Objekte der Begierde, insbesondere das neue 3-D-Fernsehen wird man in Europa erstmals in Hannover gleich von mehreren Herstellern zu sehen bekommen. Insofern mag der Erfolg der CES in diesem Jahr durchaus werblich für die Cebit wirken. Schön wäre dann, wenn jedes Lamento über steigenden Publikumsverkehr respektive verminderte Fachbesucherquoten entfiele: Es ist schließlich das Publikum, dass den Elektronikkram am Ende kauft und den Her- und Ausstellern Profite bringt.