Versionschaos Google soll Handy-Hersteller zu Android-Updates drängen
Android-Maskottchen: Will Google alte Android-Versionen vom Markt verbannen?
Foto: Stephen Lam / REUTERSImmer wenn Google eine neue Android-Version vorstellt, hat der Konzern mit denselben Problemen zu kämpfen: Es dauert etliche Monate, bis neben Googles eigenen Geräten Smartphones mit der neuen Software ausgeliefert werden. Noch länger dauert es, bis für ältere Modelle in entsprechendes Update angeboten wird.
Zuletzt gab die Firma selbst bekannt, dass Android 4.4, Codename Kitkat, drei Monate nach seiner Vorstellung erst auf 1,8 Prozent aller Android-Geräte installiert war. Stattdessen läuft die Mehrzahl solcher Geräte mit teils viel älteren Android-Versionen. Ein Phänomen, das Fragmentierung genannt wird. Und ein Problem, schließlich soll jede neue Version auch die Sicherheit verbessern.
Einem Bericht des Tech-Blogs "Android Police " zufolge will Google jetzt harte Maßnahmen ergreifen, um die Hersteller dazu zu bringen, neue Handy-Modelle schneller mit aktueller Android-Software auszuliefern. Das Blog will ein Memo erhalten haben, das vom Android-Team an die Handy-Hersteller ging. Sollte das Schreiben echt sein, hat Google die Firmen darüber informiert, wie künftig sichergestellt werden soll, dass keine neuen Handys mehr mit veralteter Software auf den Markt kommen.
Der Hebel, den Google demnach ansetzt, ist die Zertifizierung von neuen Geräten für die Google Mobile Services (GMS). Ein Gerät, für das Google diese Zertifizierung verweigert, darf vom Hersteller nicht mit den offiziellen Google-Apps wie Maps, Hangouts oder Gmail bestückt werden. Zudem ist solchen Geräten der Zugang zum Play Store verschlossen. Handfeste Nachteile also, die es schwer machen, solche Geräte zu verkaufen.
Ab August nur noch Kitkat
"Ab Februar 2014 wird Google keine Geräte mehr für die GMS zulassen, die mit älteren Android-Versionen ausgeliefert werden", zitiert "Android Police" das angebliche Memo. Die Maßnahme gehe mit der Einführung eines "Zulassungsfensters" einher, das neun Monate nach der Veröffentlichung der jeweils nächsten Android-Version geschlossen werde. Konkret soll das bedeuten, dass seit Anfang Februar keine Geräte mehr zugelassen werden, deren Android-Version älter als 4.2 ist. Ab dem 24. April soll dann mindestens Android 4.3 und ab dem 31. Juli mindestens Version 4.4 vorinstalliert sein.
Wenn es stimmt, was die Blogger von "Android Police" schreiben, würden sich der Android-Markt und das Gesicht der Software deutlich verändern. Um billige Smartphones zu bauen, könnten Hersteller nicht mehr auf total veraltete Hardware zurückgreifen, die nur mit einem ebenso alten Android läuft. Zudem würden die optischen Variationen der Benutzeroberfläche reduziert werden. Anpassungen der Android-Optik nehmen viel Zeit in Anspruch und sind einer der Gründe, weshalb manche Hersteller sehr lange brauchen, um Updates auf neue Android-Versionen fertigzustellen.
Doch an der schleppenden Bereitstellung solcher Updates selbst wird sich durch die angebliche Google-Initiative nichts ändern: Eine einmal erteilte GMS-Zulassung für ein Gerät hat kein Verfallsdatum, eine Motivation, Updates schneller bereitzustellen, gibt es also nicht. Google wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht von "Android Police" äußern.