Internes Android-Memo Wie Google seine Partner sieht
Android-Smartphone: Bald am besten von Motorola?
Foto: TRUTH LEEM/ REUTERSEin internes Google-Dokument legt nahe, dass der Internetkonzern bei der Entwicklung seines Mobil-Betriebssystems Android bestimmte Partner bevorzugt behandelt. Die Ausführungen in dem Text scheinen zu belegen, was Beobachter seit der Ankündigung, Google wolle Motorolas Handysparte übernehmen, befürchtet haben: Google werde den zugekauften Handy-Hersteller künftig bevorzugt mit Informationen und Technologien beliefern, alle anderen Unternehmen, die Android-Smartphones bauen wollen, haben das nachsehen.
Die Veröffentlichung des Dokuments ist ein Kollateralschaden. Nachdem der Datenbankkonzern Oracle wegen Patentstreitigkeiten und angeblicher Urheberrechtsverletzungen gegen Google geklagt hatte, war eine Präsentation, in der das Dokument enthalten war, als Beweismittel eingereicht worden. Der vorsitzende Richter befand offenbar, darin enthaltene Informationen seien von öffentlichem Interesse, und ließ das Dokument veröffentlichen. Jetzt macht es im Netz die Runde, wird unter anderem von dem Patent-Blog Foss Patents eingehend analysiert.
Und was da zu lesen ist, zeigt einen deutlichen Herrschaftsanspruch. Unter dem Titel: "Grundsätze die es uns erlauben, den Standard festzulegen", werden fünf Kernpunkte für den Umgang mit Android und Googles Android-Partnern aufgelistet. Schon der zweite Punkt bestätigt all jene, die kritisieren, Googles Betriebssystem werde gar nicht wirklich als Open Source entwickelt, wie es der Konzern gerne angibt.
"Weckruf für Entwickler"
"Entwickelt nichts offen. Macht den Code stattdessen erst verfügbar, wenn die Innovation abgeschlossen ist", heißt es da. Neue Android-Versionen sollen also erst veröffentlicht werden, wenn sie fertig und getestet sind, externe Helfer sollen in den Entwicklungsprozess nicht eingebunden werden. Genau diese Politik kritisieren Verfechter der Open-Source-Szene, die es als Standard für offene Software betrachten, dass jeder Interessierte jederzeit Einblick in den Entwicklungsprozess nehmen und sich beteiligen kann. Gerne wird das Mozilla-Projekt als Beispiel genannt, das täglich Updates des Firefox-Quellcodes auf seine Server lädt.
Für Handy-Produzenten viel wichtiger dürfte aber sein, was unter dem Titel "Lead Device Concept" zu lesen ist. Dort heißt es, man solle Partnerunternehmen, die Geräte nach Googles Spezifikationen bauen, frühzeitig Zugang zu neuen Software-Versionen geben. Das würde den Unternehmen einen Vorteil bei der Einführung neuer Modelle geben, den man ihnen nicht mal vertraglich zuzusichern hätte. Im Gegenzug bekäme man Hardware, die genau Googles Vorstellungen entspräche.
Googles neue Tochter: Acht Jahrzehnte Motorola-Technik
Klar, dass diese Enthüllungen für Aufruhr sorgen. "Business Insider" beispielsweise titelt dazu: "Alle Android Partner sind gleich (nur manche sind gleicher als andere)" und spricht von einem "Weckruf für Entwickler, die immer noch an Googles Gerede von Offenheit glauben."
Jeder war mal im Vorteil
Tatsächlich aber sollte sich niemand über die Ausführungen in dem Memo wundern. Seit der ersten Android-Version entwickelt der Konzern Updates im Stillen. Neue Versionen werden nicht gemeinschaftlich mit externen Programmierern entwickelt. Stattdessen zelebriert Google die Veröffentlichung wichtiger Updates auf großen Veranstaltungen, macht sich so die damit verbundene Breitenwirkung zunutze. Das Unternehmen hat von Apple gelernt.
Seit dem ersten Android-Handy, dem T-Mobile G1, bis zum Nexus S gibt es zudem immer wieder Mobiltelefone, die ein Google-Partner gleichzeitig mit der Präsentationen des entsprechenden Android-Updates in den Handel bringen konnte. Sie dienen als Demonstrationsobjekte für die neuen Fähigkeiten, die das jeweilige Update einführt. Und sie geben den jeweiligen Herstellern tatsächlich einen meist mehrmonatigen Zeitvorteil. Von dem profitierte auch Motorola schon, als es das Droid (in Deutschland: Milestone) mit Android 2.0 und dessen damals neuer Navigationsfunktion einführte.
"Legt die Regeln fest"
Einen dauerhaft bevorzugten Entwicklungspartner hatte Google bisher aber nicht. Mal war es HTC, mal Samsung, mal Motorola. Kritiker fürchten nun, Google werde Android-Updates künftig immer mit Motorola-Hardware einführen. Der Gedanke liegt nahe, schließlich besitzt Google bald womöglich einen eigenen Hersteller. Das nun veröffentlichte interne Memo scheint diese These zu bestätigen.
Dennoch sollte man mit voreiligen Schlüssen vorsichtig sein. Viele Fragen lässt die eine Seite, die aus dem Memo kursiert, unbeantwortet. Beispielsweise die, an wen es sich ursprünglich gerichtet hat und wann es geschrieben wurde. Bevor oder nachdem Google bekanntgab, Motorola Mobility übernehmen zu wollen? Vor allem aber bleibt die Frage, wie verbindlich die genannten Regeln sind. Sind es fest fixierte Handlungsanweisungen?
Einiges deutet allerdings darauf hin, dass es sich nicht bloß um Vorschläge handelt. Beispielsweise, wenn es heißt: "Seid die Hüter des Standards, den wir entwickelt haben" oder: "Legt die Regeln fest". Das kann man als Anweisung lesen: Wir haben Android erfunden, wir wollen Android behalten - und davon profitieren.