Surface Go 2 Microsofts Nicht-iPad im Test
Das neue Microsoft-Tablet: Richtig gut wird es mit der optionalen Tastatur
Foto: Matthias Kremp// DER SPIEGELMicrosoft hat sich Zeit gelassen. Lässige zwei Jahre hat der Konzern für das erste Hardwareupdate seines kleinsten und günstigsten Tablets gebraucht, bis das Gerät jetzt als Surface Go 2 auf den Markt gekommen ist.
Unterschiede zwischen dem aktuellen Modell und seinem Vorgänger zu finden, ist zumindest auf den ersten Blick kaum möglich: Das neue Gehäuse ist genauso groß wie das alte, sieht genauso aus und hat denselben praktischen Standfuß, mit dem man das Tablet in fast jedem erdenklichen Winkel aufstellen kann. Weil der Bildschirm um 0,5 Zoll, also 1,27 Zentimeter, auf 10,5 Zoll vergrößert wurde, ist der schwarze Rahmen entsprechend schmaler geworden. Mit bloßem Auge ist das nicht zu sehen.
Microsoft Surface Go 2
Das gilt auch für die Änderung der Auflösung, die von 1800 x 1200 Pixel auf den Full-HD-Standard, 1920 x 1280, angehoben wurde. Dass sich dabei auch an der Güte des Displays nichts geändert hat, kann man durchaus positiv vermerken. Zumindest wenn man direkt darauf schaut, ist das Bild sehr anständig. Aus schrägen Blickwinkeln hingegen verändern sich die Farben. Zudem spiegelt der Bildschirm stark.
Schnell genug
Mein Testgerät ist mit einem Intel-Pentium-Gold-4425Y-Prozessor bestückt, der nicht gerade für hohe Leistung bekannt ist. Im Testprogramn Cinebench schafft er gerade mal 257 Punkte, ein ausgesprochen mageres Ergebnis. Selbst ältere Notebooks schaffen locker doppelt so hohe Werte. Für Office-Programme, Websurfen und einfache Bildbearbeitung reicht die Performance trotzdem aus, eine Spielmaschine ist das Surface Go 2 damit aber nicht.
Microsoft Surface Go 2, 8 GB RAM
Das Surface Go 2 ist zu Preisen ab 459 Euro erhältlich. Hier wird die getestete Version gezeigt.Da hilft es auch nicht, dass mein Modell sogar schon statt des langsamen 64-Gigabyte (GB) großen eMMC-Laufwerks der Einstiegsvariante eine schnellere SSD mit 128 GB hat. Auch der Arbeitsspeicher ist mit 8 GB doppelt so groß wie im billigsten Modell der Serie. Da ich nur das schnellere Modell für den Test habe, kann ich nicht beurteilen, wie sehr sich besseres Laufwerk und mehr Arbeitsspeicher bemerkbar machen. Prima ist der dezent hinter dem Standfuß verborgene Schlitz, in den man microSD-Speicherkarten einlegen kann.
Der Akku hasst Teams
Microsoft verspricht eine Akkulaufzeit von bis zu zehn Stunden. Das dürfte freilich nur unter optimalen Umständen zu schaffen sein. Mein Testgerät kam diesem Wert jedenfalls kaum nahe. Nach einer morgendlichen Teams-Videokonferenz von zwei Stunden und 20 Minuten Dauer zeigte der zuvor voll aufgeladene Akku noch exakt 50 Prozent Restkapazität. Nach dem Ende der Konferenz sprang die Prognose für die Restlaufzeit schnell von zweieinhalb auf gut sechs Stunden.
Ein Dauerläufer ist das Surface Go 2 demnach nicht, zumindest wenn man es für anspruchsvollere Aufgaben als Netflix verwendet. Beim Netflixen hingegen kommt es mühelos auf acht und mehr Stunden. Als mobiler Internet-Fernseher ist es damit gut geeignet. Die beiden eingebauten Lautsprecher produzieren dazu einen klaren, aber nicht sonderlich kräftigen Sound.
Als Laptop besser
In erster Linie dient sich Microsofts kleines Tablet ohnehin eher als Laptop-Ersatz, denn als Entertainmentmaschine an. Die Office-Apps von Microsoft 365 sind vorinstalliert, müssen nur noch per Abo aktiviert werden. Sinnvoll ist das freilich nur in Kombination mit der optional erhältlichen Tastatur Surface Go Type Cover, für die 130 Euro Aufpreis fällig werden. Sonderlich groß sind deren Tasten zwar nicht, aber durchaus auch für blindes Tippen gut zu gebrauchen. Nebenbei schützt das Type Cover beim Transport den Bildschirm. Als weitere Option bietet Microsoft für 110 Euro den Surface Pen an, mit dem man in geeigneten Apps auf dem Bildschirm Schreiben und Zeichnen kann.
Im Tablet-Modus von Windows 10 kann das Surface Go 2 allerdings nicht wirklich überzeugen. Die Kacheloberfläche wirkt heute wie ein Blick zurück auf Windows 8. Klar, das funktioniert und als Windows 8 herauskam, hat mir das auch gut gefallen. Aber das war 2012. Es wäre an der Zeit, diesen Modus besser an die Möglichkeiten von Windows 10 anzupassen.
Windows zum Umschalten
Ein bemerkenswertes technisches Detail am Surface Go 2 ist, dass es neben der aktuellen Bluetooth-Version 5.0 auch den neuen WLAN-Standard Wifi 6 unterstützt. Das ist in dieser Preisklasse und auch generell ungewöhnlich und gibt dem Gerät ein Stück Zukunftssicherheit. Der auch als 802.11ax bezeichnete Standard ermöglicht höhere Übertragungsraten als seine Vorgänger und verbraucht weniger Energie. Derzeit ist die neue Technik zwar kaum verbreitet, weil entsprechende Router selten und teuer sind, aber das wird sich in den kommenden Jahren ändern.
Ab Werk liefert Microsoft sein Tablet mit Windows 10 S aus, einer Windows-Variante, bei der man nur Software aus dem Windows Store installieren kann. Das hilft, die Sicherheit zu erhöhen und die unabsichtliche Installation von möglicherweise schädlicher Software zu verhindern. Wer beispielsweise seine Kinder oder Großeltern mit einem Surface-Tablet ausrüsten will, sollte daran nichts ändern. Braucht man aber doch Programme aus anderen Quellen, lässt sich das Betriebssystem mit wenigen Mausklicks kostenlos in ein normales Windows 10 Home umwandeln.
Fazit
Als Tablet ist das Surface Go 2 keine Konkurrenz für Apples iPad. Für Netflix und ein paar Apps reicht es zwar aus, aber Apples Tablet hat den besseren Bildschirm, weit mehr Apps, ein konsequent auf Touch-Bedienung ausgelegtes Betriebssystem und ist dabei nicht mal teurer. Die Stärke des Surface liegt in seinem Windows-Betriebssystem und der Fähigkeit, so ziemlich alle Windows-Programme laufen zu lassen, so lange die keine zu großen Anforderungen an Rechenleistung und Grafik stellen.
Die Grundversion mit 64 GB eMMC-Speicher und 4 GB Arbeitsspeicher mag dabei mit 459 Euro zwar verlockend sein, die getestete Variante mit jeweils verdoppeltem Speicher verspricht jedoch weit mehr Spaß, ist mit 629 Euro aber auch deutlich teurer. In der Topversion, mit schnellerem Prozessor und LTE-Datenfunk werden gar 829 Euro fällig. Die optionale Tastatur sollte man dabei immer in die Kalkulation einbeziehen. Erst mit ihr wird das Surface Go 2 richtig gut.