Galaxy Note 10+ im Test: Samsungs Bestes
Smartphone mit Stift Das Samsung Galaxy Note 10+ im Test
Als Apple 2007 das iPhone auf den Markt brachte, war damit das Ende der Stift-Smartphones besiegelt, hätte man denken können. Doch vier Jahre später, als alle namhaften Hersteller längst auf Touchscreens umgestellt hatten, stellte Samsung das erste Galaxy Note vor. Zusätzlich zum Touchscreen hatte das wieder einen Stift, wie die Geräte aus der Zeit vor dem iPhone. Was damals wie ein Rückschritt anmutete, wurde für den koreanischen Konzern zum Erfolgsmodell - mal abgesehen vom Galaxy Note 7, das sich hin und wieder selbst entzündete.
Dem Note 10+ wird ein solches Schicksal hoffentlich erspart bleiben. Zugegeben, wenn ich es während der vergangenen Woche mit rechenintensiven Aufgaben gequält habe, ist es durchaus mal etwas wärmer geworden, aber nie über das bei High-End-Handys übliche Maß hinaus.
Galaxy Note 10+ im Test: Samsungs Bestes
High-End ist auf jeden Fall der Bildschirm, der fast randlos ins Gehäuse übergeht. Das sieht zum einen klasse aus und hat es Samsung zum anderen möglich gemacht, das Display auf 6,8 Zoll in der Diagonalen zu vergrößern, ohne an den Gehäusemaßen viel zu ändern. Mit 3040 x 1440 Pixeln löst es zudem sehr hoch auf, Farben zeigt es sehr realistisch an, sofern man die entsprechende Einstellung (Bildschirmmodus/Natürlich) verwendet.
Manche Kollegen bemängeln, dass der Bildschirm "nur" mit 60 Hertz Bildwiederholrate läuft, während doch beispielsweise das OnePlus 7 Pro schon 90 Hertz schafft. Das ist richtig, aber auch Jammern auf hohem Niveau. Auch ohne die vor allem für Gamer wichtige hohe Bildwiederholrate flimmert auf dem Bildschirm des Note 10+ nichts.
Kameras mit 3D und ohne
Ebenso hochwertig wie der Bildschirm sind die Kameras. Auf der Vorderseite sitzt eine einsame Kamera mit 10 Megapixeln. Beigaben wie einen Tiefensensor hat Samsung weggelassen. So stört das Loch der sogenannten Punch-Hole-Kamera den Bildschirm wenigstens nicht zu sehr. Deshalb ist die Gesichtserkennung zum Entsperren des Geräts nicht so sicher wie bei Geräten mit 3D-Abtastung, wie dem iPhone XS. Selfies klappen damit aber prima, auch mit Unschärfeeffekten, die von der Kamerasoftware allerdings manchmal etwas unsauber berechnet werden.
Das Kamera-Triplet auf der Rückseite kann so etwas besser, weil den drei Hauptkameras - Ultra-Weitwinkel, Weitwinkel und Teleobjektiv - ein 3D-Tiefensensor zur Seite steht. Der kann die Entfernung verschiedener Bildbereiche vom Objektiv erfassen und so beispielsweise genaue Daten liefern, was im Vorder- und was im Hintergrund steht. Das funktioniert auch bei Videos wunderbar, was die filmischen Möglichkeiten noch einmal erweitert.
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Die Fotoqualität an sich ist sehr gut, daran gibt es nichts zu meckern. Einfach den Automatikmodus wählen und losknipsen, das klappt fast immer. Und der Nachtmodus liefert beispielsweise auch bei Sonnenuntergang noch Aufnahmen, als wäre es heller Tag. Im Grunde gilt das auch für Videos, nur muss man sich da öfter entscheiden: Videostabilisierung oder Verfolgungs-Autofokus? UHD mit 60 Hertz oder Videostabilisierung? Beides geht nicht.
Mit dem Stift wedeln
Aber das Hauptmerkmal des Note 10+ ist natürlich der S Pen genannte Stift, der in der modernen Smartphone-Landschaft schon recht einzigartig ist. Im Grunde kann der all das, was er bisher schon konnte: malen und zeichnen, schreiben, in Farbe und auch auf dem Sperrbildschirm. Auch das Umwandeln von Handschrift in Computertext funktioniert meist sehr zuverlässig.
Wohl um dem Note 10+ noch ein paar Extras mitgeben zu können, kann man den Stift jetzt aber auch für ein bisschen Gestensteuerung benutzen, indem man mit ihm über dem Bildschirm herumwedelt. Ausprobiert habe ich es, sinnvoll erscheint es mir nicht. Einzig die Option, den Stift als Fernauslöser für Selfies zu verwenden, finde ich praktisch.
Technik vom Feinsten, außer beim Zubehör
Neben diesen Eckpunkten bringt das Galaxy Note 10+ auch sonst alles mit, was man von einem Smartphone dieser Preisklasse erwarten kann: Edles Design, makellose Verarbeitung, reichlich Speicher (256 oder 512 GB, erweiterbar per microSD-Karte) und der übliche Schutz vor Wasser und Staub sowie eine sehr gute Akkulaufzeit. In meinem Endlosvideotest spielte es den Film "Interstellar" 15 Stunden lang ab, bevor es sich mit leerem Akku abschaltete.
Den dann nötigen Aufladevorgang kann man durch den Kauf eines stärkeren Ladegeräts deutlich verkürzen. Mitgeliefert wird leider nur eines mit 25 Watt, Samsungs Akku lässt sich aber auch problemlos mit stärkeren Netzgeräten, wie man sie etwa für Notebooks verwendet, befüllen. Dass sich das Note 10+ auch kabellos aufladen lässt, gehört in seiner Preisklasse zum Standard.
Fazit
Das neue Galaxy Note 10+ hat von allem ein bisschen mehr als sein Vorgänger: Ein bisschen mehr Bildschirm, ein bisschen mehr Leistung, ein bisschen mehr Kameras und neue Stiftfunktionen. Nur einen analogen Kopfhöreranschluss hat es nicht mehr. Das mag manch einen ärgern, zeitgemäß ist dieser Verzicht trotzdem. Die Kombination all dieser Details macht es zu einem der besten Android-Smartphones, die man derzeit bekommen kann.
Dafür muss man freilich auch mindestens 1100 Euro berappen. Für 150 Euro weniger gibt es das kleinere Note, das ohne 3D-Sensor und mit maximal 256 GB eingebautem Speicher aber die schlechtere Wahl ist. Da sollte man lieber schauen, ob man den Stift wirklich braucht und einen Blick auf das Galaxy S10+ werfen. Das ist immer noch High-End und schon für knapp 700 Euro zu bekommen.