Samsung Galaxy View im Test: Ich-bin-kein-Tablet-Tablet - DER SPIEGEL
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Galaxy View im Test Samsungs Ich-bin-kein-Tablet-Tablet

Samsung denkt groß, jedenfalls beim neuen Galaxy View. Das Gerät ist mit über 18 Zoll Diagonale nicht mehr ganz Tablet und noch nicht ganz Fernseher. Oder doch? Wir haben das ungewöhnliche Android-Gerät ausprobiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Und ich dachte, Apples iPad Pro wäre groß. Das war ein Irrtum, belehrt mich Samsung jetzt mit seinem neuen Galaxy View. Apples XL-Tablet hat ein 12,9-Zoll-Display, die Koreaner legen jetzt einen Flachcomputer mit 18,4 Zoll vor. Das ist mindestens XXL. Aber ist es wirklich noch ein Tablet?

Von der Grundform her schon. Rechteckig ist das Galaxy View, ganz vom Bildschirm dominiert, so wie es Tablets nun mal sind. Mit einem Seitenverhältnis von 16:10 hat es ein gutes Format für Kinofilme. Sein Betriebssystem kommt von Google. Es ist dasselbe alte Android 5.1 Lollipop, das in vielen Tablets und Smartphones zum Einsatz kommt. Aktuell ist Android 6.0.

Natürlich kann man damit dasselbe machen, wie mit anderen Android-Tablets: Apps aus Googles Play Store installieren, im Internet surfen, E-Mails schreiben, spielen und Videos angucken. Letzteres ist ganz offensichtlich auch Samsungs Schwerpunkt bei der Entwicklung gewesen.

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Galaxy View: Samsungs Mega-Tablet

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In der Android-Symbolleiste am unteren Bildrand findet man nämlich ein ungewöhnliches Symbol, das einen Fernseher darstellen soll. Tippt man darauf, erscheint eine Seite mit den Logos von neun Web-TV-Angeboten, darunter Netflix, YouTube, Magine TV und RTL Now (siehe Fotostrecke). Verändern kann man diese Darstellung nicht, nur bestimmen, welche der hinter den großen Symbolen liegenden Apps man herunterladen will.

Full HD reicht nicht immer

Auf dem großen Bildschirm Filme anzuschauen, macht dann auch Spaß. Das Format passt und die Full-HD-Auflösung bietet genug Schärfe und Details für die meisten im Web angebotenen Videos. Trotzdem ist der Bildschirm - anders als man es von Samsung gewöhnt ist - nur Mittelmaß.

Die Blickwinkelstabilität ist gut, sodass man problemlos mit mehreren nebeneinander sitzenden Personen Filme angucken kann. Störend sind dabei aber Reflexionen, weil das Deckglas des Bildschirms sehr stark spiegelt. Auch könnten die Kontraste gerne kräftiger, die Farben intensiver sein.

Verlässt man die Video-Apps, merkt man in vielen Apps, dass Full HD für diese Bildschirmgröße nicht immer genug ist. In Google Maps beispielsweise weisen diagonale Linien Treppeneffekte auf, Buchstaben wirken fransig (siehe Fotostrecke). Dass das besser geht, beweist Samsung bei vielen seiner Produkte selbst. Ein 4k-Display wäre bei dieser Bildschirmgröße die bessere Wahl.

Mittelmäßige Leistungswerte

Neben dem Bildschirm steckt im Galaxy View auch sonst überwiegend mittelmäßige Technik. Der mit zwei GB Arbeitsspeicher bestückte 1,6 GHz schnelle Octacore-Prozessor beispielsweise erreicht bei Leistungstests nur halb so gute Werte wie etwa das Samsung Galaxy S6. Im Alltag fällt das kaum ins Gewicht, Websurfen, Video gucken, Facebook, das geht damit alles ganz locker. Grafisch aufwendige Spiele können aber schon ins Stottern kommen. Der 32 GB große Speicher kann per Speicherkarte erweitert werden.

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Eine magnetische Verbindung: Googles Pixel-C-Tablet

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An der Netzanbindung gibt es dagegen nichts auszusetzen. WLAN funktioniert bis hin zum Gigabit-Standard 802.11ac, Bluetooth funkt nach dem aktuellen Standard 4.1. Einzig eine Mobilfunkanbindung fehlt und wird auch nicht als Option angeboten.

Es gibt nur zwei Positionen

Aber für unterwegs ist das Galaxy View auch überhaupt nicht geeignet. Dafür ist es zum einen zu schwer, wiegt mit 2,65 Kilogramm mehr als die meisten Notebooks. Vor allem aber lässt es sich nicht platzsparend verstauen. An der Rückseite ist ein Standfuß fest montiert.

Der kann zwar so umgeklappt werden, dass man das Samsung-Gerät wahlweise aufrecht stehend oder flach liegend benutzt, wegklappen lässt er sich aber nicht. Zudem ist es vollkommen unflexibel, kennt nur zwei fixe Positionen. Veränderbar ist der Anstellwinkel nicht.

Fazit

Ein Tablet ist Samsungs Galaxy View nicht. Dafür ist es zu groß, zu unflexibel. Auf Flugreisen könnte man es bestenfalls in der Business Class aufstellen ohne Ärger mit seinem Sitznachbarn zu bekommen, und in die Tasche passt es mit dem starren Fuß auch schlecht. Eher kann man es als tragbaren Fernseher für Internet-TV bezeichnen. Ein Gerät, mit dem man in der Küche seine Lieblingsserie schaut und das man danach ins Wohnzimmer mitnimmt.

Aber dafür ist das Galaxy View eigentlich zu teuer. Für die 649 Euro, mit denen der Konzern das Gerät auf seiner Preisliste führt, könnte man sich auch schon einen kleinen 4K-TV ins Haus stellen. Zum Fernsehen wäre man damit besser bedient.

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