Tablet mit neuer Android-Software: Google Nexus 9 im Test - DER SPIEGEL
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Lollipop-Tablet: Android 5.0 auf dem Google Nexus 9

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Google Nexus 9 im Test Tablet mit Lutscher

Das Nexus 9 ist Googles neues Vorzeige-Tablet: Sein schneller Prozessor und der hochauflösende Bildschirm sollen das neue Betriebsystem Android 5.0 Lollipop möglichst gut aussehen lassen. Ob das gelingt, zeigt unser Test.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Googles Nexus-Handys und Tablets haben vor allem einen Zweck: Sie dienen als Demonstrationsobjekte für die jeweils aktuelle Android-Version. So auch das Nexus 9. Für kurze Zeit war es das einzige Tablet auf dem die Version 5 des Google-Betriebssystems, Codename Lollipop (Lutscher), lief. Erst seit dem 18. November liefert Nvidia als erster Hersteller ein Android 5.0-Update für sein Gamer-Tablet Shield aus.

Äußerlich wirkt das neue Nexus unspektakulär: Die Front wird ganz vom Deckglas des Bildschirms eingenommen, der Rahmen ist aus Aluminium, die Rückseite wird von einem Kunststoffdeckel geschützt. Der fühlt sich angenehm weich an und ist es leider auch. Schon durch mäßigen Druck kann ich ihn fühlbar eindellen. Gehe ich etwas kraftvoller zur Sache, biegt sich das Gerät sichtbar durch. Zum Glück findet es aber stets zur alten Form zurück.

Hinter dem Plastikdeckel arbeitet ein Tegra-K1-Prozessor von nVidia, der in ähnlicher Form auch im Shield-Tablet steckt. Während im Shield allerdings eine 32-Bit-Version dieses Prozessors sitzt, steckt im Nexus eine 64-Bit-Variante. Dafür hat der K1 im Shield vier Rechenkerne, der im Nexus nur zwei. In der Praxis und in Leistungsmessprogrammen macht das allerdings kaum einen Unterschied. Beide sind schnell. Der Grafikchip ist ohnehin identisch und lässt Spiele in bester Qualität ruckelfrei über den Bildschirm laufen.

Lichth öfe in den Ecken

Der Bildschirm selbst macht auf den ersten Blick einen hervorragenden Eindruck. Mit 2048 x 1536 Bildpunkten auf 8,9 Zoll ist die Auflösung so hoch, dass auch bei genauem Hinsehen keine Bildpunkte zu erkennen sind. Schriften werden sehr randscharf dargestellt, die Farben sind klar und kontrastreich, aber nicht übertrieben stark. Bemerkenswert ist, wie gut das Display auch dunkle Grauschattierungen differenziert. Bemerkenswert ist aber auch, dass sich bei dunklen Bildern die ungleichmäßige Ausleuchtung des Displays erkennen lässt: In den Ecken sind deutliche Lichthöfe zu erkennen (siehe Bilderstrecke).

Die Netzwerkanbindung erfolgt bei meinem Testgerät per W-Lan, bis hin zum schnellen Standard IEEE 802.11 ac. Gegen Aufpreis ist auch eine LTE-Version erhältlich. Zur Wahl stehen außerdem Varianten mit 16 und 32 Gigabyte Speicher. Einen Erweiterungssteckplatz gibt es leider nicht. Die Qualität der Fotos, die ich mit der eingebauten 8-Megapixel-Kamera gemacht habe, ist durchschnittlich, Farben wirken etwas blass. Damit die Fotos etwas werden, muss man zudem sehr darauf achten, die Linse sauber zu halten, die, genau wie der Rest des Geräts, sehr anfällig für Fingerschmutz ist.

Android 5.0

Interessanter als die Hardware ist jedoch das Betriebssystem. So niedlich der Name Lollipop klingen mag, so wichtig ist Android 5.0 für Google. Die neue Software soll die Grundlage für ein System legen, bei dem die Grenzen zwischen verschiedenen Geräten verschwimmen. Musik, Fotos und Apps beispielsweise sollen auf allen mit einem Google-Account verbundenen Geräten zugleich verfügbar sein, egal ob Smartphone, Tablet, Notebook oder TV-Box.

Optisch fällt zuerst auf, dass das neue Android ebenso flach geworden ist wie das aktuelle iOS 8.1. Das bringt unter anderem Geschwindigkeitsvorteile, weil flache Mitteilungsboxen und Menüs schneller zu berechnen sind als solche, die mit einem 3D-Effekt Räumlichkeit vortäuschen. Das könnte unter anderem dazu beitragen, dass Android 5 auch auf vergleichsweise schlapper Hardware noch rundläuft.

Auf dem Nexus 9 konnte ich diesen Effekt freilich nicht testen, dafür ist es zu schnell. Leistungsmessungen mit Textprogrammen (Benchmarks) erbrachten sehr hohe Werte. Im weiter verbreiteten Geekbench etwa erzielt das Nexus 3200 Punkte. Damit ist es zwar noch weit vom iPad Air 2 entfernt, das im selben Test knapp 4500 Punkte erzielt, gehört aber dennoch zu den schnelleren Android-Tablets.

Wisch und Weg

Abgesehen von den Leistungsvorteilen, die Lollipop bringen mag, sieht die neue Optik aber einfach gut aus. Besonders deutlich macht sich das zum einen auf dem Sperrbildschirm bemerkbar, auf dem Mitteilungen jetzt sauber untereinander angeordnet sind, wie die Kontrollstreifen eines Fluglotsen. Noch plastischer wird das Bild in der Ansicht geöffneter Apps, die wie ein Stapel Karteikarten dargestellt werden, den man durch Wischbewegungen schnell durchstöbern kann. Nicht mehr benötigte Apps werden per Fingerwisch aus dem Speicher entfernt.

Vor allem aber ist sichtbar, wie sich Googles Entwickler bemüht haben, Android einfacher zu machen. Die Einstellungen beispielsweise sind nun übersichtlicher und aufgeräumter. Und es gibt Details, die das Leben leichter machen: Ändert man die Lautstärke, erscheint unter dem gewohnten Lautstärkebalken die Auswahl "Keine, Wichtig, Alle", mit der man festlegen kann, welche Mitteilungen auf dem Bildschirm eingeblendet werden sollen. Etwas tiefer in den Menüs lässt sich außerdem einstellen, welche Apps Mitteilungen einblenden dürfen und wann.

Fazit

Hard- und Software des Nexus 9 hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Schnell ist das neue Google-Tablet ohne Zweifel, einen schönen Bildschirm hat es auch. Qualitativ wäre aber noch Luft: Verarbeitung und Material des Gehäuses können es nicht mit Apples iPads oder Samsungs Galaxy Tab S aufnehmen. In der Basis-Ausstattung kostet das Nexus 9 389 Euro. Das etwas kleinere Galaxy Tab S 8.4 ist zehn Euro teurer, ein iPad Air 2 - mit größerem Bildschirm - 100 Euro teurer.

Das neue Android 5.0 zeigt sich auf dem Nexus 9 jedenfalls als eine gelungene Weiterentwicklung, die nicht nur optisch, sondern vor allem in Sachen Funktionen zugelegt hat.