Fotostrecke: Im Truck durch den amerikanischen Westen
"American Truck Simulator" Der Zauber der Gemächlichkeit
Trucks steuern, Geld verdienen, selbst einen Truck kaufen, eine Firma, ein Imperium aufbauen: "American Truck Simulator" ist eines der Spiele, deren Inhalt eher langweilig klingt. Und doch: Das Spiel entfaltet schnell seinen ganz eigenen Zauber, wirkt sehr entspannend.
Das Spiel setzt auf die Faszination von großen Maschinen und schickt seine Nutzer auf Fahrten durch den amerikanischen Westen. Anfangs sind das Kalifornien und Nevada, Arizona soll demnächst das Gebiet ergänzen, die Entwickler träumen davon, irgendwann die ganzen USA als Fahrtgebiet zu haben. Doch das, so sagen sie, wird noch Jahre dauern, wenn es denn überhaupt geschieht.
Es ist ein Spiel, bei dem ich mir das erste Mal seit Langem wünsche, ich hätte ein Lenkrad und Fußpedale, um den Truck noch genauer zu steuern, ihn noch besser zu kontrollieren. Auf einmal kann ich die Menschen besser verstehen, die sich Pilotenkabinen in ihren Keller bauen. Ich hätte nämlich jetzt gerne das Führerhaus eines Trucks.
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Ein Spiel, in dem Umsicht zum Gewinn führt
Bei "American Truck Simulator" muss man sich gut benehmen: keine Verkehrsverstöße, keine zu eng genommenen Kurven. Blinken und Blick in den Spiegel beim Spurwechsel sind ein Muss, genauso vorsichtiges Bremsen vor der Ampel und weites Ausholen bei engen Kurven. Auf Wohnmobile, die mit erratischer Fahrweise vor einem fahren, muss der Trucker Rücksicht nehmen.
Ich drücke aufs Gas, langsam setzt sich der Koloss in Bewegung. Ein roter Peterbilt-Truck, beladen mit Rohren. Ich soll ihn von Barstow nach Los Angeles fahren, den Interstate 15 entlang, 55 Meilen pro Stunde müssen gehalten werden. Zuerst durch die Wüste, dann durch die Großstadt mit höchstens 30 Meilen pro Stunde.
"American Truck Simulator" ist kein Rennspiel, es ist das Gegenteil: ein Spiel, in dem Umsicht zum Gewinn führt, nicht Rücksichtslosigkeit. Ich muss auf Polizeistreifen achten, auf rote Ampeln und auf die richtige Beleuchtung. Ich muss Pausen einlegen, tanken und sorgfältig einparken. Für Anfänger gibt es zum Glück die Möglichkeit, den Truck automatisch einparken zu lassen. Das gibt zwar weniger Erfahrungspunkte, verhindert aber, dass ich das mühsam verdiente Geld gleich für Reparaturen ausgeben muss.
Unterwegs an der Westküste der USA
Ich fahre weiter. Mit der nächsten Ladung über den nächsten Highway. Von Los Angeles nach Las Vegas, von Barstow nach San Francisco. Durch die Wüste und durch die Obstplantagen von Kalifornien. Durch Städte, die alle recht ähnlich aussehen, aber trotzdem die USA komprimieren, so wie sie von der Straße aus eben aussehen: Tankstellen, Motels, Fast Food-Läden, Neonlicht.
Das Erfolgsgeheimnis von "American Truck Simulator" ist, dass es eben kein echter Simulator ist. Er führt nicht den tatsächlichen Arbeitsalltag der Trucker vor: Den Kampf um Ladungen, die tagelangen Touren, das schlechte Essen in den Trucker-Restaurants, der Termindruck, die Kosten, das Spiel mit der Gesundheit und das Fernsein von der Familie.
Das Spiel weckt romantische Vorstellungen, die über Popkultur transportiert wurden. Über Filme wie "Convoy" und unzählige Countrysongs, die das Leben der Trucker beschreiben. Es nutzt die Faszination der großen Maschinen und lässt Spieler ganz naiv träumen.
"American Truck Simulator" von Astragon, Download für PC, Mac, Linux, 19,99 Euro