Angespielt: "Bioshock Infinite - Burial at Sea"
"Bioshock Infinite - Burial at Sea" Schluss machen mit Elizabeth
Der Kreis schließt sich. Endet dort, wo vor sieben Jahren alles angefangen hat - und beginnt von neuem. In Rapture, einer der erstaunlichsten Städte, die Videospiele bislang hervorgebracht haben. Ein Art-Deco-Fiebertraum auf dem Meeresboden, irgendwo in der Mitte des Atlantiks. Schauplatz der ersten beiden Teile von "Bioshock". Und jetzt auch von "Burial at Sea" dem letzten Add-On für "Bioshock Infinite".
Das widmet sich den Protagonisten von "Infinite". Im vor einigen Monaten erschienenen ersten Teil war es der Privatdetektiv Booker DeWitt, jetzt ist es Elizabeth, seine Partnerin. Im Hauptspiel gerettet aus einem Turm, in dem sie seit ihrer Geburt gefangen war. Sie verfügte über spezielle Kräfte, konnte Zeit und Raum nach ihrem Willen sehen und nutzen. In "Burial at Sea" hat sie diese verloren und gewinnt andere hinzu.
"Bioshock Infinite": Die Stadt in den Wolken
Das Gameplay wurde sanft an sie angepasst. Weniger Ego-Shooter, weniger direkte Konfrontation, dafür mehr Schleichen, mehr Ablenkung. Und doch verfällt man bald in die gewohnte "Bioshock"-Spielweise. Testet Waffen und Kräfte, mit denen sich Maschinen und Gegner beherrschen lassen, oder schockfrosten, oder solche, die einen durch Wände schauen lassen. Elizabeth hat weniger Kräfte zur Auswahl als die Protagonisten der Hauptspiele, und nicht nur deshalb hat man das Gefühl, das Gameplay wird hier zugunsten der Geschichte zurückgenommen.
Verständlich nacherzählen kann man diese kaum. Außer vielleicht so: DeWitt und Elizabeth gehen nach Rapture, um die Voraussetzungen für das erste "Bioshock" zu schaffen, aus dem dann wiederum "Bioshock Infinite" erwächst, obwohl es zeitlich weit vor diesem angesiedelt ist. Es ist nicht das erste und auch nicht das letzte Paradoxon in diesen Spielen. Wahrscheinlich werden sich noch in zehn Jahren Menschen finden, die neue Erklärungen für die Vorgänge in "Bioshock" haben, die sich in Details hinein fräsen, alles erkunden und Verbindungen ziehen. Die Paralleluniversen erforschen, Anspielungen finden, Brücken schlagen zwischen den Spielen.
Story-Games: Spiel mir eine Geschichte
Diese nahezu unbegrenzte Deutbarkeit ist immer noch das Faszinierende am "Bioshock"-Universum. Spieldesigner Ken Levine zeigt darüber hinaus, dass Spiele Ideologien verhandeln können. Dass wie in "Bioshock" Kommunismus und Objektivismus vermittelt werden können, oder wie in "Bioshock Infinite" fundamentalistische Religionen und Freiheitsbewegungen gegeneinander gestellt werden können. Eleganter, weil einfacher, in "Bioshock", überbordend und auf Thomas-Pynchon-Art verdreht in "Bioshock Infinite".
Wie bei dessen älteren Büchern wird eine Assoziationsmaschine angeworfen. Werden Popkultur, Literatur, Geschichte und Philosophie zusammengeworfen und vermischt. Und dennoch bleibt es gerade in "Bioshock Infinite" und seinen Add-Ons bei einem rein intellektuellen Vergnügen. Weder Booker noch Elizabeth schaffen es, Wärme zu verströmen, menschlich zu werden - obwohl das Levines erklärtes Ziel war. Und anders als im ersten "Bioshock" ist auch die Stadt kein wirklicher Protagonist mehr. Zu berechenbar ist sie in ihrem Wahnsinn geworden, zu wenig kann sie noch beeindrucken. Vielleicht ist die Zeit von "Bioshock" abgelaufen. Vielleicht war es an der Zeit, das Spiel zu Ende zu erzählen und etwas Neues zu beginnen.
Ken Levine scheint das zu glauben. Mit dem Ende der Arbeiten an "Burial at Sea" hat er sein Studio radikal umgebaut. Er entließ einen großen Teil seiner 200 Mitarbeiter und macht nun mit einer Kernmannschaft von 15 Entwicklern weiter. Er will Ideen entwickeln, Erzählformen erforschen, Neues wagen. Vielleicht ist das folgerichtig, vielleicht lässt sich so etwas wie die "Bioshock"-Reihe nur einmal im Leben schaffen. Werke, die geistig fordern, die mehr wollen als einfach nur unterhalten und trotz aller Mäkeleien herkömmlichen Spielen meilenweit voraus sind.
"Bioshock Infinite - Burial at Sea" von 2K Games für Playstation 3, Xbox 360, Mac und PC, 14,99 Euro, 19,99 Euro im Season Pass, Hauptspiel erforderlich; USK: Ab 18 Jahren