Angespielt: Metal Gear Rising: Revengeance
Angespielt Metal Gear Rising - Revengeance
Ein Hieb mit dem Schwert, ein zweiter Hieb, ein dritter. Der Hubschrauber wackelt, aber er fällt nicht herunter. Im Gegenteil: Er schießt sogar Raketen auf mich ab. Aber die dienen mir als Weg, ich hüpfe auf ihnen wie auf einer fliegenden Treppe, erreiche mein Ziel und hacke den Hubschrauber kaputt. Beziehungsweise: Raiden macht das, der Protagonist von "Metal Gear Rising: Revengeance". Und er macht das großartig.
"Metal Gear Rising: Revengeance" ist ein Experiment. Es nimmt eine schon sehr lange laufende Serie mit einem etablierten Gameplay und versucht, daraus etwas völlig anderes zu machen und dabei doch ein Teil der Reihe zu bleiben. Auch inhaltlich.
Auch "Metal Gear Rising" ist, der Tradition der Reihe folgend, eine Auseinandersetzung mit Krieg und Ehre, mit Söldnern und Kindersoldaten, mit Verschwörungen. Hochkomplex, durchsetzt mit Verschwörungstheorien und gleichzeitig albern und überdreht. Die Handschrift von Hideo Kojima, dem japanischen Erfinder der "Metal Gear"-Reihe, ist auch hier zu spüren, auch wenn sein Studio nur zu einem Teil an der Entwicklung beteiligt war. Das für das großartige "Bayonetta" bekannt gewordene Studio Platinum Games übernahm den Rest. Und das merkt man.
Von Kojimas Schleichabenteuern ist nur noch wenig übrig, vielmehr adaptiert "Metal Gear Rising" den Stil von "Bayonetta". Elegante, blitzschnelle Kämpfe, in denen Ausweichen, Zuschlagen und vor allem richtiges Timing zählt. Ein bisschen "Metal Gear", ein bisschen "Fruit Ninja". Atemberaubend und überwältigend ist das, wenn Raiden im Fluss ist. Wenn er gegnerische Cyborgs mit seinem Schwert kleinschnippelt und auf dem Bildschirm Farben und Formen explodieren.
Nur eine Stunde spielen? Das ist hier unmöglich. Ich bin im Rausch, freue mich über die Kämpfe, schwanke in den Zwischensequenzen zwischen lautem Lachen, dem Versuch, verstehen zu wollen, und Bewunderung für Kojima. Der hat es wieder geschafft, mich zu überraschen, ernste Themen absurd leicht zu verpacken und doch zum Nachdenken anzuregen. Er hat es zudem gewagt, seine Spielereihe zum Teil aus der Hand zu geben - und etwas Großartiges dafür zurückbekommen.
Das sagen die Anderen: "Metal Gear Rising - Revengeance" bekommt überwiegend positive Bewertungen in der Fachpresse, erntete aber auch einige echte Verrisse. Die Kritikpunkte variieren stark - manche mögen die überfrachtete Geschichte nicht, andere beklagen sich über Schwierigkeiten mit der virtuellen Kamera oder finden das Kampf-Gameplay zu schwierig. Wieder andere finden dagegen, der Einzelspielermodus sei einfach zu kurz.
"Metal Gear Rising: Revengeance", Konami, für Playstation 3 und Xbox 360, ab 45 Euro; USK: Ab 18 Jahren