"Far Cry - Wild Expedition" angespielt Vier revolutionäre Egoshooter-Experimente
Normalerweise könnte man an eine Zusammenstellung wie "Far Cry - Wild Expedition" einen Haken machen: vier gute Spiele zum moderaten Preis. Kann man kaufen, wenn man nicht die aktuellsten Ego-Shooter haben möchte.
Doch in diesem Fall lohnt es sich, noch einmal genau hinzuschauen. Nicht nur, weil man einen guten Überblick über die Entwicklung der Ego-Shooter in den vergangenen zehn Jahren bekommt, sondern auch weil hier vier Experimente versammelt sind.
"Far Cry" in einer überarbeiteten Version
"Far Cry": Schlimme Geschichte, beeindruckendes Spielprinzip
Foto: UbisoftEntwickelt vom deutschen Crytek-Studio, ist das 2004 erstmals erschienene Spiel ein Inselabenteuer mit einem groben Unsympathen im Hawaii-Hemd als Protagonisten. Was "Far Cry" speziell macht, ist etwas anderes: eine große Spielfläche. Crytek schmiss die bei Ego-Shootern so beliebten schlauchartigen Level über Bord, in denen man einem bestimmten Pfad folgen musste. Diese Öffnung erlaubte eine große Vielfalt im Gameplay. Ob Scharfschütze, Schleicher oder Nahkämpfer - erlaubt war, was gefällt. Wer "Far Cry" heute spielt, kann das revolutionäre Gameplay noch erahnen. Grafik und Steuerung sind allerdings tatsächlich überholt, und die Geschichte ist immer noch eine hanebüchene Ansammlung von Klischees. Nicht nur, weil auch noch Aliens auftauchen.
Was nach "Far Cry" geschah, wissen viele Spieler: Crytek verkaufte den Namen an Ubisoft und machte mit den technisch herausragenden, letztlich aber uninteressanten "Crysis"-Spielen weiter. Ubisoft dagegen krempelte "Far Cry" um. Behielt das offene Spielprinzip bei, versuchte dabei allerdings eine neue Erzählform zu finden. Und schuf erst einmal ein störrisches Meisterwerk.
"Far Cry 2" ist eine Herausforderung für jeden Spieler
"Far Cry 2" im Bürgerkrieg: Spielerische Herausforderung
Foto: UbisoftAngesiedelt ist "Far Cry 2" in einem afrikanischen Bürgerkriegsgebiet. Der namenlose Protagonist ist ein Söldner, der sich mit beiden Seiten einlässt und immer tiefer in den Strudel des Kriegs gerät. Immer auf der Suche nach dem Schakal, einem Waffenhändler, den er unschädlich machen soll. Und genauso unversöhnlich wie die Geschichte ist die Spielwelt. Ihr ist es egal, ob der Spieler da ist oder nicht. Sie ist hart, abweisend, immer wieder nervtötend und auf keinen Fall zum Vergnügen da.
Dabei kann man sie frei erkunden, und außer Gegnern setzt sie kaum Grenzen. Doch Waffen klemmen und schießen nicht mehr, Autos gehen kaputt und müssen repariert werden. Einmal eroberte Wegpunkte werden immer wieder von neuem besetzt, die Welt wird für den Spieler niemals sicher. Die Wege sind lang, die Straßen schlecht. Malaria-Anfälle plagen den Protagonisten, Medizin muss besorgt werden, ansonsten kann das Spiel vorbei sein. "Far Cry 2" funktioniert genau deshalb so gut, weil es sich sperrt, sich verweigert. Und sein Thema nicht nur über die Geschichte, sondern auch über das Gameplay erzählt.
"Far Cry 3" ist gefälliger
Angespielt: So sieht "Far Cry 3" aus
"Far Cry 3" macht es anders. Es soll Spaß machen und doch zum Nachdenken anregen. So zumindest hat es der Drehbuchschreiber Jeffrey Yohalem einmal gesagt. Und so wird aus einer Abenteuergeschichte mit Menschenhändlern, Piraten und einer Gruppe Jugendlicher eine Meta-Erzählung, in der es um das Spielen an sich geht. Und in der Gewalt eine große Rolle spielt.
"Far Cry 3" übernimmt das Prinzip der offenen Welt des Vorgängers, räumt aber die meisten Hindernisse zur Seite. Gefälliger ist es, bequemer zu spielen. Autos stehen fast immer zur Verfügung, eine gesicherte Gegend bleibt sicher und lädt zum Erkunden ein. Einzig die Raubtiere stehen dann noch dem entspannten Spaziergang entgegen. "Far Cry 3" ist ein Abenteuerurlaub, ein Platz für Spielhelden. Sicher und doch aufregend.
"Blood Dragon" - eines der seltsamsten Mainstream-Spiele
Far Cry 3: Egoshooter voller Klischees
In "Far Cry - Blood Dragon" wird die Spielwelt in ein Achtziger-Jahre-Bad getaucht. Aus aller Ernsthaftigkeit der Vorgänger wird ein Trash-Fest, eine spielerische Hommage an billige VHS-Filme, an Computermusik und das, was man damals für die Zukunft hielt. Gegner in neonfarbenen Anzügen, Drachen, die Laserstrahlen aus ihren Augen schießen, und ein Arsenal von Anspielungen auf B-Movies: "Blood Dragon" schreckt vor keinem schlechten Scherz zurück und ist gerade deshalb so gut.
Fazit
"Wild Expedition" lohnt sich, weil es all diese Spiele sammelt, einen auffordert, sie noch einmal zu spielen. Und zu sehen, dass auch bei großen Spielen und teuren Produktionen viel experimentiert werden kann. Ohne dabei den Spaß zu vergessen.
"Far Cry: Wild Expedition" von Ubisoft, für PC, Xbox 360 und Playstation 3, ca. 40 Euro; USK: Ab 18 Jahren