Batman Telltale Series
Spiel "Batman - The Telltale Series" Wer waren Batmans Eltern wirklich?
Oswald Cobblepot pflanzt den ersten Verdacht in Bruce Waynes Kopf: Vielleicht war doch alles ganz anders. Vielleicht sind Waynes ermordete Eltern Thomas und Martha Wayne gar nicht die großherzigen Geschöpfe, die Lichtblicke Gothams, als die sie immer wieder bezeichnet werden.
Bruce Wayne unterstützt den Wahlkampf von Harvey Dent, der Bürgermeister von Gotham werden möchte. Neben Oswald Cobblepot, der auch als Pinguin bekannt ist, schalten sich auch andere zwielichtige Figuren ein wie Carmine Falcone, einer der mächtigsten Mafia-Bosse der Stadt.
Bruce Wayne hinterfragt sein Rolle als Batman
Vielleicht muss Bruce Wayne seine gesamte Existenz, sein Zweitleben als Batman infrage stellen. Denn der Tod der Eltern war es, der ihm den Antrieb gab, Verbrechen und Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Deshalb geht es in "Batman: The Telltale Series" auch eher um Bruce Wayne als um Batman.
"Batman: The Telltale Series" ist ein auf fünf Episoden angelegtes Spiel, die zweite Episode ist gerade erschienen. Das Telltale im Namen steht dabei für das gleichnamige Spielestudio, das schon mit " The Walking Dead" oder "Game of Thrones" gezeigt hat, dass es aus großen Namen Spiele machen kann. Es sind interaktive Erzählungen, bei denen Spieler an bestimmten Stellen Entscheidungen treffen, die sich auf den weiteren Verlauf des Spiels auswirken können und die vor allem sehr einfach zu spielen sind.
Telltale-Spiele waren durch das simple Prinzip anfangs sehr spannend und stilbildend. Titel wie das wunderbare "Life is Strange" wären ohne die Vorarbeit von "The Walking Dead" kaum denkbar. Mit der Zeit hat sich aber eine gewisse Routine eingeschlichen, die Spiele gehorchen einer bestimmten Formel, die inzwischen vorhersehbar ist.
Leider kein Action-Knaller
Das ist bei "Batman" nicht anders: Hier lenkt man Bruce Wayne unverkleidet oder in Batman-Maske durch die Level, klickt sich durch Unterhaltungen oder besteht Kämpfe mit Reaktionstests - die übrigens ziemlich einfach zu bestehen sind. Mit anderen Worten: Telltale-Spiele sind nicht unbedingt etwas für Action-Spieler. Die werden ziemlich schnell genervt sein. Für alle anderen gilt: Die Qualität der Spiele steht und fällt mit der Geschichte. Und die kommt erst in der zweiten Episode langsam in Gang.
Der Tod der Eltern ist der Mythos, auf dem sämtliche Batman-Geschichten beruhen. Ohne ihn gäbe es für Bruce Wayne keinen Anlass, sich als Rächer Gothams zu präsentieren. Er hätte Batman nie erfinden müssen, sich nie als Superheld positionieren.
Auch in "Batman: The Telltale Series" ist der Mord an seinen Eltern, den Bruce Wayne als kleiner Junge miterleben musste, zentraler Bestandteil der Geschichte. Er wird nur neu interpretiert. Schnell erscheinen Thomas und Martha Wayne nicht mehr als unschuldige Opfer eines Kleinkriminellen, sondern als Rivalen in der Unterwelt, die aus dem Weg geräumt wurden.
Neuer Ansatz - schleppende Geschichte
Der Verdacht, seine Eltern könnten mit Mafia und korrupter Stadtverwaltung in einem Boot gesessen haben, trifft Bruce Wayne, zehrt an seinen Nerven, stellt sein Wesen, seine Maskerade infrage. Die existiert ja nur, weil seine Eltern unschuldige Opfer waren und er weitere Opfer in Gotham vermeiden möchte, die Stadt als Batman sicher machen will.
Was ein neuer Ansatz für eine neue Batman-Geschichte ist, schleppt sich in der ersten Episode träge dahin. Nach und nach werden alle wichtigen Figuren eingeführt. Die kennt man als Batman-Leser oder Filmschauer schon. Am interessantesten ist hier noch die Detektivarbeit, bei der man verschiedene Punkte eines Tatorts verbinden muss, um dann vom Bat-Computer eine Analyse zu bekommen. Fast scheint es, als ob sich Episode eins zurückhalten muss, um zum Schluss einen großen Cliffhanger zu präsentieren.
Kein Mehrwert gegenüber den Comics und Filmen
Die zweite Episode nimmt etwas an Fahrt auf, immer mehr Hinweise tauchen auf, die Waynes Eltern in einem neuen Licht dastehen lassen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Toten, vor allem unter denen, die etwas über die Vergangenheit von Waynes Eltern wissen. Dennoch: Richtig packend ist es immer noch nicht. Die Dialoge sind zu hölzern, die vermeintlichen Entscheidungen entpuppen sich als Mogelpackungen, die wenig Einfluss auf den Verlauf des Spieles haben. Schließlich hat ein wenig Schummelei mit vermeintlich tiefgehenden Entscheidungen bei vorangegangenen Telltale-Spielen nicht geschadet.
Vielleicht aber liegt das Problem von "Batman: The Telltale Series" für Spieler ganz woanders: Im interaktiven Medium existiert mit "Batman: Arkham Asylum" ein Spiel, das den dunklen Rächer definiert hat. Und auch wenn "Batman: The Telltale Series" es überhaupt nicht darauf anlegt, mit ihm verglichen zu werden: Es wird in seinem Schatten stehen und kann zudem bisher weder den Comics noch den Filmen etwas Wesentliches hinzusetzen. Aber es hat ja noch drei Episoden Zeit, das zu ändern.
"Batman: The Telltale Series" von Telltale, für Konsolen, PC, mobile Geräte, ab 15 Euro; USK: Ab 16 Jahren
Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele.