Homefront: The Revolution im Test - DER SPIEGEL
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"Homefront: The Revolution" im Test: Revolution in den USA

Foto: Deep Silver

"Homefront: The Revolution" im Test Widerstand? Ohne mich!

In "Homefront: The Revolution" hat Nordkorea die USA erobert - Revolutionäre kämpfen für ihr Amerika. Auf die Hilfe unseres Autors konnten sie dabei nur kurz zählen - zu schwach ist das Spiel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hinweis: Das Spiel enthält kleinere Spoiler zur Handlung des Spiels.

Ich bewege mich durch eine amerikanische Großstadt im Ausnahmezustand: durch Philadelphia, das wie der Rest des Landes schon seit Jahren von Nordkorea besetzt und unterdrückt wird. Ich gehöre zu den Guten, bin Teil des Widerstands und kämpfe gegen die "Norks", wie Nordkoreaner hier despektierlich genannt werden. Und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

"Homefront: The Revolution" ist die Fortsetzung eines Spieles, das 2011 erschien und das von Spielern und Kritik gemischt aufgenommen wurde, sich aber trotzdem einen Namen gemacht hat. Entwickelt wurde der zweite Teil vom englischen Dambuster Studio, Nachfolger von Free Radical, einem der legendären Studios, das nach einer Odyssee von Publisher zu Publisher inzwischen bei Deep Silver untergekommen ist. Und vielleicht erklären diese ständigen Wechsel den Zustand des Spieles ganz gut.

Die Hintergrundgeschichte beider Teile ist halbwegs identisch: Nordkorea hat erst den Süden übernommen, um sich dann die USA einzuverleiben. Im ersten Teil ist eine EMP-Bombe über den USA gezündet worden, die das Militär außer Gefecht setzte, im zweiten Teil hat ein koreanischer Großkonzern sämtliche Waffensysteme der USA hergestellt und diese alle gleichzeitig durch eine Hintertür lahmgelegt. Übersetzt also: Es wäre so, als ob Kim Jong Un Samsung übernimmt, die USA komplett mit Elektronik ausrüstet und dann alles lahmlegt, damit er endlich Rache am großen bösen Satan nehmen kann.

Sie reden nur über die "Norks"

Allzu wichtig ist das nicht. Wichtig ist vielmehr, dass schon in den ersten Minuten ein Bösewicht mit einem Hammer auf einen Gefangenen einschlägt - kurz bevor er selbst ermordet wird.

Im Spiel lerne ich schnell: Die Unterdrücker sind brutal, durchgedreht und wirklich böse, die Revolutionäre aufrechte Patrioten, die gegen die Feinde aus Nordkorea angehen. Wenn sie über sie reden, reden sie immer nur über die "Norks".

Diesen Typen also soll ich mich anschließen. Sie wollen ihr Heimatland von den Bösen befreien, die USA neu erblühen lassen, damit zum Beispiel die Straßen von Philadelphia nicht mehr so aussehen, wie sie im Spiel aussehen. Und wie sie - nun ja - heute auch in Teilen aussehen, zumindest dann, wenn man mit dem Zug durch die Vorstädte fährt: verfallene Häuser, vernagelte Fenster, Autowracks auf den Straßen.

Technisch ist noch viel Luft nach oben

Während das erste Spiel ein recht geradeliniger, kurzer Ego-Shooter war, will "Homefront: The Revolution" ein Open-World-Spiel sein und sucht sich viele Elemente zusammen. Es wirkt, als habe man "Far Cry" mit "Half-Life 2" gekreuzt und mit einer Prise "Metro" gewürzt, ohne etwas von deren spielerischer Klasse, emotionalen Tiefe und Brillanz zu übernehmen.

Sämtliche Mitstreiter, die ich bis jetzt getroffen habe, sind Abziehbilder, die Wege durch die Level so offensichtlich, dass man sich nicht mal dann verlaufen könnte, wenn man es wollte. Zum Glück sind auch die Gegner nicht sonderlich schlau, somit finden sie die riesigen Pfeile auf blauem Grund nicht und können nicht in die Verstecke des Widerstands eindringen. Glück gehabt.

Auch technisch ist noch viel Luft nach oben, zumindest auf der Playstation 4. Immer wieder ruckelt das Spiel, steht für Sekunden still. Die Figur bewegt sich ständig leicht nach vorn, auch wenn ich den Controller still halte, Fahrzeuge fühlen sich langweilig an, andere Figuren stehen im Weg herum, verhindern rettende Fluchten.

Man hätte mehr Zeit gebraucht

"Homefront: The Revolution" ist ein Spiel, dem eine zusätzliches Jahr Entwicklung nicht geschadet hätte, so halbfertig wirkt es. Es ist voller Ideen, aus denen etwas hätte werden können, wenn man sie richtig ausgeführt und mit einer Geschichte versehen hätte, die annähernd originell ist.

Vielleicht ergibt das alles im späteren Verlauf des Spiels noch ein kohärentes Bild, doch ich werde nicht mehr dabei sein. Ich habe aufgehört, "Homefront: The Revolution" zu spielen, als ich das erste Mal einen Molotowcocktail auf einen Gegner geworfen habe und bei dessen Schmerzensschrei laut loslachen musste. Es ist ein Trauerspiel.


"Homefront: The Revolution" von Deep Silver, für PC, Playstation 4 und Xbox One, ab 55 Euro; USK: Ab 18 Jahren