Interaktives Online-Spiel Filmteam lädt zur Zombiejagd bei Chatroulette
Überraschte Nutzerin im Videochat: Plötzlich soll sie einen Krieger durch ein Gelände voller Zombies steuern
Foto: YouTube/ Realm PicturesZufällig ausgewählte Nutzer von Chatroulette und Omegle sind kürzlich zu Hauptfiguren eines Ego-Shooters geworden. Wer solche Videochat-Services nutzt, will gewöhnlich per Webcam neue Leute kennenlernen. Die Dienste verbinden Nutzer nach dem Zufallsprinzip, dabei trifft man schon einmal auf das ein oder andere Genital. Ein britisches Filmteam hat sich nun einen Spaß erlaubt - und auf Chatroulette und Omegle ein Livevideo einer vermeintlichen Zombieattacke gezeigt.
Die verblüfften Nutzer sahen im Videochat zunächst das Bild einer Helmkamera. Es zeigte die Hände eines Schauspielers aus der Ego-Perspektive, ganz so wie in einem Computerspiel. Auf Zuruf konnten die Nutzer dem Schauspieler in Echtzeit Befehle geben wie: "Erkunde die Umgebung" oder "Nimm die Waffe".
Wie die Nutzer darauf reagierten, zeigt ein Zusammenschnitt auf YouTube . Das Video wurde seit Donnerstag mehr als 6,7 Millionen mal aufgerufen.
"Was zur Hölle passiert hier?", murmelt beispielsweise ein Nutzer, als ihn der Schauspieler um erste Befehle bittet. Zu sehen ist das Innere eines Mausoleums, am Boden liegt eine scheinbar leblose Gestalt. "Stups sie an!", lautet die Anweisung. Aber kaum hat der Schauspieler seine Hand ausgestreckt, entpuppt sich die Gestalt als röchelnder Zombie.
Nutzer betteln um Fortsetzung
Hinter dem interaktiven Spiel steht die britische Produktionsfirma Realm Pictures . In einem Making-of-Video zeigt das Team , mit wie viel Aufwand das Kamerabild ruckelfrei ins Netz übertragen wurde - und wie sich die Statisten mit reichlich Kunstblut in Zombies verwandelten. Soundeffekte wie das Röcheln der Zombies oder knatterndes Gewehrfeuer wurden im Studio auf Knopfdruck hinzugefügt.
"Du siehst die Reaktion der Leute in Echtzeit", schwärmt Regisseur David M. Reynolds im Erklärvideo. "Und du siehst, wie sie ausflippen, wenn sie merken, dass sie selbst die Kontrolle über einen Krieger in einem Grab voller Zombies haben."
Offenbar haben sich die meisten Nutzer ehrlich bemüht, ihren Helden vor den Zombies schützen. Der Zusammenschnitt auf YouTube jedenfalls zeigt keinen, der seine Machtposition missbraucht, indem er den Schauspieler zum Beispiel absichtlich in den Bildschirmtod schickt.
Auf YouTube und in anderen Netzwerken betteln Nutzer nun um eine Fortsetzung des Spiels - und ihre Hoffnungen scheinen durchaus berechtigt. Auf Reddit schmiedet Regisseur Reynolds schon erste Pläne für ein mögliches zweites Level .
Ursprünglich wollte Reynolds die Zombieattacke auf dem Spiele-Livestreaming-Portal Twitch zeigen. "Wir haben mit Twitch gesprochen", schreibt er auf Reddit. "Aber ihre Regeln erlauben keine zufällig ausgewählten Webcam-Nutzer. Ich hoffe, wir können uns für Level zwei etwas überlegen - nun, da wir ein Publikum haben."
Teures Experiment
Twitch ist prinzipiell tatsächlich eine geeignete Plattform für interaktive Online-Spiele. So verfolgten dort etwa monatelang Zehntausende die Kämpfe digitaler Monster bei "Twitch Plays Pokémon". Zuschauer des Videokanals können Spiele der Reihe gemeinsam in Echtzeit über den Chat steuern .
Trotz der breiten Begeisterung wird die Zombieattacke im Videostream wohl eher nicht zum neuen Spieletrend. Schließlich müssen Schauspieler, Statisten und Technik bezahlt werden - und pro Runde kann nur ein einzelner Spieler in den Genuss des Echtzeit-Abenteuers kommen.
Ein ähnliches Vorhaben scheiterte vor Kurzem auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo . Das Projekt hieß Omnipresenz und versprach Nutzern, die Welt mit einem "menschlichen Avatar" erkunden zu können. Durch das Livevideo einer Helmkamera sollten Nutzer die Welt durch die Augen eines anderen sehen und ihn mit Sprachbefehlen auf eine Entdeckungstour schicken. Letztlich konnte das Projekt aber nicht einmal die Hälfte der für die Finanzierung nötigen Summe sammeln.