Massive Chalice im Test für PC, Xbox One, Mac, Linux - DER SPIEGEL
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Strategiespiel: So spielt sich "Massive Chalice"

Foto: Doublefine

Strategiespiel "Massive Chalice" Ogottogott

Wer muss wen heiraten? Welche Herrscherhäuser werden plattgemacht? Das neue Strategiespiel "Massive Chalice" lehrt, wie zeitraubend der Alltag einer Gottheit ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Erst leite ich eine Gruppe von Kämpfern an. Sie kämpfen gegen Feinde, die mein Königreich angreifen. Ich positioniere sie. Runde für Runde lasse ich sie vorrücken, Feinde angreifen oder abwehren. Bis ich schließlich gewonnen habe, meine Helden nach Hause kommen und ich eine viel schwierigere Aufgabe vor mir habe: Ich muss Familien gründen. Nicht nur eine, sondern mehrere. Gut, dass ich einen sprechenden Kelch an meiner Seite habe, der mir mit zwei Gesichtern Tipps gibt.

"Massive Chalice" ist ein neues Spiel des amerikanischen Double-Fine-Studios. Gegründet wurde es von Entwicklerlegende Tim Schafer, der mit Spielen wie "Monkey Island", "Grim Fandango" oder "Psychonauts" bekannt wurde. Während Schafer als einer der Überväter des Adventure-Genres gilt, ist Double Fine ein Studio, das keine Experimente scheut. Mit "Brütal Legend" erfand es das Heavy-Metal-Strategiespiel, mit "Stacking" das Matroschka-Abenteuer. Jetzt also Rundenstrategie mit Heldenzucht.

Anfangs fühle ich mich etwas komisch. Kann ich zwei Personen sagen, dass sie heiraten müssen? Kann ich bestimmen, wo doch die Liebe sprechen sollte? Sind das nicht Zwangsheiraten, die ich ablehnen müsste? Aber dann wiederum habe ich in "Massive Chalice" die Rolle einer Art Gottheit. Und ist die Liebe nicht von den Göttern gegeben? Ich finde mich mit meiner Rolle ab und finde bald Spaß daran. Wer passt zu wem? Und wer passt gar nicht und was passiert, wenn ich sie doch zusammenbringe?

Mehrere Angriffe auf einmal

"Massive Chalice" lässt mich experimentieren und zeigt mir, wann ich richtig liege und wann nicht. Die Anzahl der Nachkommen und ihre Stärken sind eindeutig. Ich schicke die Kinder in die Schule, lasse sie ausbilden, besetze neue Burgen mit vertrauensvollen Kämpfern. Und wehre immer wieder Angriffe von außen ab.

Wobei ich mich hier oft entscheiden muss: Immer wieder werden zwei meiner Gebiete gleichzeitig vom Feind angegriffen und verteidigen kann ich nur eins. Was anfangs noch nicht so viel ausmacht, wird später schwierig. Dann steht der Fortbestand einzelner Herrscherhäuser auf dem Spiel. Ich muss über Weiterbestand und Ende einer Heldenlinie entscheiden.

Gespielt habe ich "Massive Chalice" deutlich länger als die Stunde, die ich mir vorgenommen hatte. Beenden werde ich es dennoch nicht. Was nicht heißt, dass es ein schlechtes Spiel ist. Im Gegenteil: Je länger man spielt, desto komplexer wird das Spiel. So wird es immer schwieriger, die Gegner in Schach zu halten und die Heldenfamilien weiter zu pflegen. Was heißt: Man kann sehr viel Zeit in dieses Spiel stecken. Mehr, als ich zur Verfügung habe.


"Massive Chalice" von Double Fine, für PC, Mac OS, Linux und Xbox One, circa 20 Euro; Download über Massivechalice.com