Fotostrecke: Ein musikalisches Experiment
Erkundungsspiel "Ode" im Test Musik in meinen Ohren
Am Anfang ertönt ein leises Pfeifen. Dazu rollt ein Wesen, umgeben von einer Kristallkugel, mit großen Augen durch eine Höhle. Jede Oberfläche, die es berührt, gibt einen Ton von sich. Mal ist es ein Rauschen, der Klang eines Beckens, mal ein tiefer Basston. Springt das Wesen hin und her, verbinden sich die Töne, werden Musik, verweben sich zu einem ausgefeilten Stück.
"Ode" ist ein Erkundungsspiel und zugleich ein musikalisches Experiment. Man kann sich hervorragend in die fremde Welt fallen lassen, obwohl "Ode" kein wirkliches Ziel zu haben scheint. Vielleicht ist es auch gerade deshalb so angenehm. Es stammt von Ubisoft Reflections, einem Studio, das in letzter Zeit kleine Perlen wie "Grow Home" entwickelt hat. Auch "Ode" gehört dazu. Es ist kein Spiel, dass sich mit den großen Titeln messen kann und will - und gerade das macht es so liebenswert.
Das Spielprinzip ist simpel: Der Spieler rollt die Figur in der Kugel durch die Gegend, erkundet die Welt, fügt Töne zu Musikstücken. Dabei muss er kleine Kugeln einsammeln, die er hinter sich herzieht. Damit werden Energieknoten aktiviert, die wiederum große organische Strukturen in der Spielwelt zum Leben und Klingen bringen. Hat man genug von ihnen aktiviert, ist das Level gelöst.
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In jedem der vier Level warten zwar neue Aufgaben, das Spielprinzip selbst ist aber eher beschränkt. Das stört jedoch kaum, weil die Welt von "Ode" so traumhaft ist. Man könnte sagen, "Ode" erforscht das beschränkte Spielprinzip und zeigt, was mit wenigen Mitteln möglich ist.
Jede Ecke will erkundet werden
Vor allem aber zeigt "Ode" eine einzigartige, fast psychedelische Welt, die organisch und futuristisch zugleich wirkt. Sie könnte auch aus einem Retro-Science-Fiction-Werk stammen. Begleitet von elektronischer Musik führt sie den Spieler auf einen fremden Planeten voller organischer Wesen, die offenbar nur dazu da sind, miteinander verbunden zu werden und zu erklingen.
Da wackeln pinke Blütenstängel in orangefarbenen Pfützen, um ein leichtes "Zing!" von sich zu geben. Springt die Figur von einem Felsen ab, wummert ein dumpfer Bassdrum-Schlag. Kleine Zäpfchen klackern im Takt. Eingesammelte Kugeln geben futuristische Theremin-Klänge von sich, während Luftströme Flächensounds heraufbeschwören und Korallen und schwebende Quallenwesen kristallene Geräusche verbreiten.
Alles wabert und bewegt sich in einem Takt, der die Spielwelt strukturiert und sich nach und nach mit Musik füllt. Immer vielstimmiger wird die Musik, bis schließlich ein komplexes Stück zu hören ist, das der Spieler stets beeinflussen kann.
"Ode" ist eines der seltenen Spiele, die zwar ein Ziel haben, aber auf dem Weg dorthin so viel Abwechslung bieten, dass man gar nicht unbedingt ankommen möchte. Es lädt dazu ein, jede Ecke der Welt zu erkunden, jeden Ton zu testen und mit den Klängen zu spielen. In kurzer Zeit erschafft "Ode" damit mehr zauberhafte Eindrücke als so manch großes Spiel.
"Ode" von Ubisoft , Download für PC, 4,99 Euro; USK: Ohne Altersbeschränkung