"Rare Replay" angespielt: Wiedersehen mit dem singenden Kothaufen - DER SPIEGEL
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Angespielt: Die besten Games bei "Rare Replay"

Foto: Microsoft

"Rare Replay" angespielt Wiedersehen mit dem singenden Kothaufen

Die Spielesammlung "Rare Replay" lässt einen noch einmal in die Klassiker der Jahrtausendwende abtauchen. Gerade die Games mit schwarzem Humor machen immer noch Spaß.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Endlich darf ich wieder gegen den singenden Kothaufen antreten, darf Wespen einen Bienenkorb klauen, Strohrobotern mit einem Hang zum Terminator mit einer Heugabel in den Hintern pieksen. Endlich darf ich wieder "Conker's Bad Fur Day" spielen, in seiner ursprünglichen Version, so wie 2001. Und nebenbei noch 29 andere Spiele, die in "Rare Replay" enthalten sind.

Das unflätige Eichhörnchen Conker, die englische Geheimagentin Joanna Dark, das Bär-und-Vogel-Team Banjo und Kazooie: Sie sind nur einige der Spielhelden in "Rare Replay", einer Sammlung von Highlights des englischen Entwicklerstudios Rare, das vor 30 Jahren gegründet wurde und eine recht bewegte Vergangenheit hat. Erst hat es Spiele für Heimcomputer gemacht, um die Jahrtausendwende herum hat es eng mit Nintendo zusammengearbeitet und einige der schönsten und besten Spiele für die N64-Konsole entwickelt. Nicht wenige Fans glauben, dass das seine beste Zeiten waren.

"Donkey Kong Country", "Banjo-Kazooie", der Shooter "Golden Eye" und "Perfect Dark" sind allesamt Klassiker. Oder eben "Conker's Bad Fur Day", in dem alle gefälligen Konventionen über Bord geworfen wurden. Ein Plattform-Game, das mit schwarzem Humor und Obszönitäten statt mit bunten Knuddelwesen gefüllt wurde und bei dem man es sich mit Nintendo verdarb, auf deren N64-Plattform das Spiel lief, die es aber nicht vertreiben wollten. Und das vielleicht das Ende der ganz großen Zeit des Studios einläutete.

2002 wurde Rare von Microsoft gekauft. Was sich noch immer wie ein großes Missverständnis anhört - vor allem wenn man die Berichte früherer Mitarbeiter liest, in denen von großem Unverständnis auf beiden Seiten berichtet wird.

Liebevolle Aufmachung

Das zeigt sich auch an den Spielen, die seitdem im Studio produziert wurden. Eine entschärfte Überarbeitung von "Conker's Bad Fur Day", ein weiteres "Banjo-Kazooie"-Spiel, einige halbwegs nette Spiele für die Xbox 360 und dann schließlich hauptsächlich Sportspiele für die Kinect-Kamera. Wenig überraschend, dass diese auf "Rare Replay" nicht vertreten sind.

Überraschender ist dagegen, dass es "Rare Replay" überhaupt gibt und vor allem, wie liebevoll das Paket gestaltet ist. Zwar fehlen Highlights wie "James Bond: Golden Eye" oder diverse "Donkey Kong"-Spiele, aber das ist wohl auf Lizenzschwierigkeiten zurückzuführen. Dafür kann man aber nicht nur einen Streifzug durch die 30 Jahre von Rare, sondern auch durch die Videospielgeschichte machen. Und feststellen, wie sehr sich das Medium verändert hat. Man kann krude aussehende Rennen fahren, Abenteuer in Höhlen bestehen oder alte Kampfspiele testen. Und oft genug feststellen, dass es bei manchem Spiel reicht, es fünf Minuten anzuspielen.

Doch was man auch feststellen kann: Spiele wie "Perfect Dark", "Banjo-Kazooie" oder "Conker's Bad Fur Day" können immer noch Spaß machen. Und die liebevolle Aufmachung der Sammlung mit Hintergrundvideos, Röhrenfernseherfiltern und Rückspulfunktion bei alten Titeln ist außergewöhnlich. Vielleicht, so hoffen Fans, deutet diese liebevolle Aufmachung auch eine Rückkehr von Rare zu alter Größe an.

Bis dahin werde ich mit Conker und seinem verkaterten Ausflug in eine wirre Welt noch viel Spaß haben. Ich freue mich schon darauf, kleine Feuerteufel auspinkeln zu können, den D-Day gegen böse Teddies zu bestehen sowie schließlich das von "Alien" inspirierte Finale zu gewinnen. Und dann andere Spiele dieser Wundertüte einzulegen.


"Rare Replay" von Microsoft für Xbox One, ca. 25 Euro; USK: Ab 18 Jahren