"Sorcery 3" im Test - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Gespielt: "Sorcery 3"

Foto: inkle

"Sorcery 3" im Test Wort für Wort ins Abenteuer

Das Tablet-Spiel "Sorcery 3" führt den Spieler mit jedem Textschnipsel tiefer in eine Fantasy-Welt. Hier gibt es so viele schöne Geschichten zu erleben, dass mancher kurz vor dem Ziel umdreht und noch ein bisschen länger bleibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich habe den Ilklala-See überquert, vor mir liegt nur noch die Straße nach Xamen. Eigentlich also habe ich es durch "Sorcery 3" geschafft. Eigentlich. Doch mir wird noch einmal ganz genau vorgerechnet, was ich noch alles tun könnte. Wie viel einfacher es im nächsten Teil sein könnte, wenn ich noch einmal zurückgehen und auch die restlichen Schlangen besiegen würde. Und weil es bis zum Erscheinen des nächsten, vierten Teils von "Sorcery" noch eine Weile dauern wird, tue ich genau das. Und entdecke neue Abenteuer, neue Gebiete.

Die "Sorcery"-Reihe basiert auf Fantasy-Spielbüchern des Engländers Steve Jackson. Büchern also, in denen man selbst die Entscheidung trifft, in denen man Einfluss darauf nimmt, wie die Geschichte weitergeht. Ein Konzept, das für ein Tablet-Spiel hervorragend geeignet ist. Entwickelt wird die Reihe von inkle!, einem englischen Studio, das im letzten Jahr das großartige "80 Days" veröffentlicht und mit seinen Spielen eine neue Form des interaktive Geschichtenerzählens entwickelt hat.

Jetzt legt es mit "Sorcery 3" einen neuen Teil des Fantasy-Abenteuers vor. Spielbar übrigens auch dann, wenn man die Vorgänger nicht kennt. Da diese aber die Vorgeschichte erzählen und man auch die Spielfigur übernehmen kann, ist es empfehlenswert, diese zu spielen.

Der Gegner muss gelesen werden

Ich lese mich durch die - nur auf Englisch verfügbare - Geschichte. Entscheide selbst, was ich antworte, überlege, wohin ich mich als Nächstes wenden werde. Ziehe eine Spielfigur über eine Landkarte und lese dann, welche Ereignisse das Spiel für mich vorgesehen hat.

Zwischendurch muss ich kämpfen. Ich muss meiner Figur sagen, wie sie sich verhalten soll. Ob sie voll oder vorsichtig angreift, sich verteidigt, einen Zauberspruch anbringt. Simpel und doch schwer zu meistern, muss doch der Gegner gelesen werden. Auf seine Bewegungen muss die beste Antwort gefunden werden.

"Sorcery 3" wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich spannend. Die Grafik ist schön, aber hauptsächlich funktional. Wer Animationen erwartet, ist hier falsch. Das Spiel mutet mehr wie ein Brettspiel als wie ein klassisches Computerspiel an. Was "Sorcery 3" so besonders macht, ist etwas anderes: das geschriebene Wort.

Skurrile Wesen helfen, stören oder verwirren

Die Entwickler schaffen es, mit jedem Satz Neugier zu wecken, Spielern mit jedem kleinen Textschnipsel das Gefühl zu geben, in einem großen Abenteuer zu stecken, und scheinen das Versprechen zu geben, dass es bei jedem Schritt etwas zu entdecken gibt. Sie schaffen es, eine Landkarte mit Text zum Leben zu erwecken.

Auch weil das Spiel Humor hat. Sich Begegnungen nicht so entwickeln, wie man sich das vorstellt. Weil ich zum Beispiel kurz schlucken und dann grinsen muss, wenn ich einem Bettler großzügig ein Goldstück in die Hand gedrückt habe und er es sofort in einen Abgrund wirft, weil es sich gut anfühlt.

Immer wieder treffe ich skurrile Wesen, die helfen, stören oder verwirren, während ich eigentlich doch auf der Suche nach den sieben Schlangen bin, die ich besiegen soll, damit der vierte und letzte Teil von "Sorcery" nicht so kompliziert wird. Deshalb gehe ich auch wieder zurück ins Spiel: weil ich noch mehr dieser schönen kleinen Geschichten erleben will.


"Sorcery 3" von inkle! für iOS und Android, ca. 5 Euro