"Star Wars Jedi Challenges": Das Spiel mit dem Lichtschwert
"Star Wars Jedi Challenges" im Test Kampf mit Schweiß und Schwert
Wer hätte gedacht, dass ein Lichtschwert so leicht in der Hand liegt. Selbst ein Taschenregenschirm wiegt mehr. Der Griff ist aus glänzendem Plastik, die blaue Klinge wird von einem Augmented-Reality-Headset wie ein Hologramm in meinem Sichtfeld platziert.
Im Spiel "Star Wars: Jedi Challenges" schwinge ich den realen Schwertgriff gegen virtuelle Kampfdroiden und Stromtrooper. Wenn ich das AR-Headset aufsetze, sehe ich zunächst einfach nur mein Büro. Die "Star Wars"-Welt wird durch ein System aus Prismen und Spiegeln in mein Sichtfeld projiziert. Das Bild wird von einem Smartphone erzeugt, das ich zuvor in das AR-Headset geschoben habe.
Damit die virtuelle Klinge vor meinen Augen am realen Schwertgriff zu haften scheint, kommt viel Technik zum Einsatz. Das Plastik-Lichtschwert ist per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Seine Bewegungssensoren registrieren, wenn ich das Schwert schwinge oder den Kopf bewege. Ein Peilsender, den man einfach auf dem Boden stellt, erfasst meine Position im Raum.
"Star Wars Jedi Challenges": Das Spiel mit dem Lichtschwert
Für das Spiel müssen Fans viel Geld ausgeben. Für das Paket aus Headset, Peilsender und Lichtschwert-Controller verlangt Lenovo rund 300 Euro. Zusätzlich braucht man ein Smartphone mit hochauflösendem Bildschirm. Das kann zum Beispiel ein iPhone 6s oder ein neueres Apple-Handy sein. Auf der Liste kompatibler Geräte führt der Hersteller derzeit nur wenige Modelle auf , darunter das Samsung Galaxy S7 Edge und S8 sowie das Google Pixel. Im Test funktionierte auch das Pixel 2 XL tadellos.
Aktuell bietet Lenovo für sein Headset nur das Spiel "Jedi Challenges" an. Weitere Titel in Zusammenarbeit mit Disney sind wohl geplant, konkrete Angaben dazu macht bei Lenovo aber niemand. Wer mehr Auswahl haben möchte, sollte wohl lieber in VR-Brillen investieren, für die es schon mehr Spiele gibt. Für die braucht man allerdings auch einen leistungsfähigen PC.
Freie Spielfläche einplanen
Zu Beginn des Spiels führt mich eine virtuelle Figur in die Jedi-Kampfkunst ein. "Die Macht fließt durch dich und dein Schwert", sagt sie aufmunternd. Schon in der ersten Spielrunde stellt sich aber heraus: Mein Kontakt mit der sagenumwobenen "Macht" ist allenfalls so stabil wie eine ruckelige Bluetooh-Verbindung.
Die virtuelle Lichtklinge wackelt am Schwertgriff herum und saust bei schnellen Schwüngen etwas träge hinterher. Auch die Länge der Lichtklinge scheint sich je nach Blickwinkel zu verändern. Manchmal sitzt die Klinge schief und muss per Knopfdruck neu ausgerichtet werden. Über so wenig Präzision würde Jedi-Meister Yoda wohl den Kopf schütteln.
Zwei mal zwei Meter
Spaß machen die virtuellen Kämpfe trotzdem. Die Steuerung durch reale Bewegungen könnte kaum intuitiver sein. Schon schmettere ich mit dem Lichtschwert die Blaster-Schüsse von Stormtroopern zurück und rasiere Kampfdroiden die Beine ab. Etwa zwei mal zwei Meter freie Spielfläche sollte man einplanen, um im Kampf gegen die dunkle Bedrohung nicht versehentlich eine harmlose Tasse vom Tisch zu fegen.
Die Gegner der ersten Levels erledige ich mit Leichtigkeit. Anders als die Jedi im Film muss man das Lichtschwert auch nicht beidhändig führen. Es ist so leicht, dass ich es mühelos wie einen Pinsel aus dem Handgelenk wedeln kann.
Schwitzen ja, Lächeln nein
Im Kampf gegen den diabolischen Darth Maul ist das anders. Um die Attacken des Bösewichts mit dem Lichtschwert zu parieren, soll ich den Griff blitzschnell in Positionen bringen, die als leuchtende Silhouetten in meinem Sichtfeld erscheinen. Das erfordert schnelle Reaktionen und ist nach kurzer Zeit schweißtreibend.
Heiß wird es auch, weil sich unter dem Headset die Luft staut. Nach einer halben Stunde steht mir Schweiß auf der Stirn. Zudem ist das Headset vorderlastig, die Stützpolster drücken auf meine Wangen. Wenn ich lächeln will, hält das Polster dagegen. Andererseits: Warum sollte man beim Kampf gegen die gefährlichsten Fieslinge des Universums lächeln?
Von Level zu Level verhalten sich die Gegner geschickter. Bald huschen sie an mir vorbei, attackieren mich von der Seite. Jetzt macht sich das beschränkte Sichtfeld des Headsets bemerkbar. Es lässt sich am ehesten mit dem einer Taucherbrille vergleichen. Um meine Umgebung zu erfassen, muss ich häufig den Kopf wenden.
Zwei weitere Spielmodi
Zum Verschnaufen kann man eine Partie "Holoschach" spielen oder sich im Modus "Strategischer Kampf" entspannen, der an Tower-Defense-Spiele erinnert. Das stärkste AR-Erlebnis bietet aber eindeutig der Kampf mit dem Lichtschwert.
Nach einer knappen Stunde ist mir das Headset ist zu warm und zu schwer geworden, ich beende meine Lektion in der Kampfkunst der Jedi. Für ein entspannteres Spielerlebnis muss die technische Umsetzung noch verbessert werden. "Viel zu lernen du noch hast", würde wohl Meister Yoda sagen.
"Star Wars: Jedi Challenges", von Lenovo und Disney; AR-Headset mit Lichtschwert-Controller und Peilsender; für das Spiel wird zudem ein Smartphone benötigt; ca. 300 Euro.