"The Crew 2" im Test Lieber Roadtrips als Rennen
"The Crew 2"
Foto: UbisoftEin Kleinflugzeug fliegt tief über die Golden Gate Bridge, fliegt über Autos und Trucks und sucht eine Lücke. Dann verwandelt es sich per Knopfdruck in einen Rennwagen, der im Verkehr landet und mit einem Druck aufs Gaspedal alles abhängt - oder der einfach an den Strand von San Francisco fährt.
Das neue Videospiel "The Crew 2" erlaubt es, mit einer großen Anzahl von Gefährten -darunter Autos, Boote und Flugzeuge -, die merkwürdigsten Dinge zu machen. Das Rennspiel macht es dem Spieler aber nicht leicht, es wirklich zu mögen. Zu viele Ungereimtheiten trüben den Spaß - zumindest dann, wenn man das Thema Rennen fahren ernst nimmt.
"The Crew 2" wurde von Ivory Tower entwickelt, einem Studio aus Lyon, das inzwischen zum französischen Spielehersteller Ubisoft gehört. Die Gründer von Ivory Tower aber kommen von Eden Games, die bereits 2006 mit "Test Drive Unlimited" eine Blaupause für Multiplayer-Online-Rennspiele von "Forza Horizon" über einige "Need for Speed"-Titel bis hin zum ersten "The Crew" geliefert haben.
Die ganzen USA ein Spielplatz
Wenig erstaunlich also, dass auch "The Crew 2" in dieser Tradition steht. Das Spiel, das nur mit aktiver Internetverbindung gespielt werden kann, verspricht Rennspielfans, sich jederzeit in Rennen einklinken zu können. So soll man allein, als auch in einem Online-Koop-Modus Spaß haben. Klassische Duelle mit anderen Spielern im sogenannten PvP-Modus dagegen wird "The Crew 2" voraussichtlich erst gegen Jahresende bieten .
Vor allem aber verspricht das Spiel eine riesige Spielwelt: die gesamten USA. Was natürlich nicht eingehalten wird. Es ist eine kondensierte Karte, auf der markante Gegenden wie der Großraum Los Angeles, die Wüste Nevadas oder auch Miami und Florida eine ungleich größere Fläche als der mittlere Westen einnehmen.
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Das Ergebnis ist dabei nicht immer gut: Städte wie Los Angeles haben wenig Charme und wirken gleichförmig. Viel besser sind die Landschaften, durch die man fahren kann: Sie geben die Vorbilder gut wieder, erzeugen immer wieder ein romantisches Roadtrip-Gefühl. Das funktioniert vor allem dann, wenn man sich von den eigentlichen Aufgaben des Spiels löst, schließlich sind die Rennen wenig ausgefeilt und aufregend. Dank eines sichtbaren Gummiband-Effekts wirken sie eher fremdbestimmt.
Keine Simulation
Die zur Zeit vorhandenen Aufgaben im Spiel sind allgemein wenig spannend, eine nur schemenhaft erkennbare Geschichte um eine ominöse zu bildende Crew bringt die Atmosphäre nicht voran und ist damit kaum eine Verbesserung zum Vorgänger.
Rennen in "The Crew 2"
Foto: UbisoftHielt im ersten Teil noch eine an den Haaren herbeigezogene Gang-Story das Spiel zusammen, so lässt es sich der zweite Teil von Instagram und anderen Social-Media-Kanälen inspirieren. Ein Glück, dass man große Teile davon überspringen kann, da Dialoge und Nachrichten von den zu sammelnden Followern immer wieder hohe und schmerzhafte Ausschläge auf der Peinlichkeitsskala verursachen.
Viel mehr Spaß macht es hingegen, im Spiel einfach Dinge zu testen, zu schauen, was möglich ist. "The Crew 2" ist im Grunde ein riesiger Spielplatz, in dem man auf Knopfdruck sein Flugzeug in ein Auto verwandeln kann und mit diesem aus dem Himmel auf eine Straße und dann direkt in ein Rennen fällt.
Die Fahrphysik verzeiht viel und ähnelt eher einem Kart-Racer als einer Simulation. Das Spiel dürfte deshalb auch Menschen Spaß machen, die nicht erst einen virtuellen Führerschein machen wollen, bevor sie losrasen. Wer eine Simulation sucht, ist hier jedoch falsch.
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Hoffnung für die Folge-Version?
Letztlich ist "The Crew 2" ein Spiel, das an seinen Ambitionen scheitert. Oder besser gesagt: nur scheitern konnte. Schließlich zählt die Spielewelt zu den größten, die es überhaupt in Spielen gibt. Diese komplett mit Leben zu füllen, ist schwierig bis unmöglich, zumindest am Anfang.
Was sich ändern kann: Denn auch der Vorgänger war anfangs ein eher kahles Spiel, das dann aber spätestens mit der ersten Erweiterung voller Leben war. Und Ubisoft hat bei Titeln wie "Ghost Recon" oder "For Honor" gezeigt, dass noch lange nach dem Start neue Sachen ins Spiel integriert wurden, wodurch aus zunächst eher mauen Spielen gute Titel wurden.
So lohnt es sich vielleicht, in einigen Monaten noch einmal nachzuschauen, was aus "The Crew 2" geworden ist. Bis dahin ist das Spiel in erster Linie für Spieler interessant, die Lust auf Roadtrips durch die USA haben oder die sich gern absurden Quatsch mit Fahrzeugen ausdenken.
"The Crew 2" von Ubisoft, für Playstation 4, Xbox One und PC, ca. 60 Euro, USK: Ab 12 Jahren