Mobification: Bastelstunde mit dem Handy - DER SPIEGEL
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Mobification Bastelstunde mit dem Handy

Klingeltöne sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf den Trend zur individuellen Gestaltung mobiler Gadgets. Die Selbstdarstellung mittels Handy-Modifikation schwappt von Asien nach Europa, während sie in den USA auf kulturelle Inkompatibilität stößt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Personalisierung" ist seit geraumer Zeit ein beliebtes Wort in den Unterhaltungs- und der Kommunikationsbranchen, wobei der Begriff aus der Perspektive der Marketing- und Produktmanager vor allem ein riesiges Konsumpotential darstellt: Vom Handy-Klingelton über das maßgeschneiderte Fernsehprogramm, bis hin zur individuell angepassten Kalenderverwaltung für Geschäftskunden.

Dass die Personalisierung von Industrieprodukten aber nicht nur Konsum, sondern auch Kreativität freisetzen kann, zeigt die vitale Szene der "Casemodder", die aus gewöhnlichen Rechnern durch aufwendige Umbauten spektakuläre Schaustücke machen.

Um beim "Modding" Aufsehen zu erregen, muss man allerdings neben guten Ideen und viel Bastel-Enthusiamus in der Regel auch ordentlich in Materialien investieren, - und das Ergebnis der Bemühungen hat nur ein begrenztes Publikum.

Die Übertragung des Case-Modding-Prinzips auf Handys verspricht dagegen mehr öffentlichen Effekt bei deutlich geringerem Aufwand: Ausgetüftelte Beleuchtungseffekte oder Wasserspiele wie bei den Casemoddern kommen für Mobiltelefone wegen ihrer Größe und der Akkuabhängigkeit wohl eher nicht in Frage.

Laut einer Umfrage des britischen Netzbetreibers Orange personalisieren fast 90 Prozent aller Jugendlichen zwischen 16 und 18 ihre Handys. Und weil der Klingelton nach eigenem Geschmack dabei nur der erste Schritt ist, hat das Unternehmen die Site "Mod your Mob"  ins Leben gerufen, auf der die Handy-Kreationen vorgestellt und beurteilt werden können.

Die Ergebnisse der "Mobification" pendeln zwischen Kitsch und originellen Collagen auf Handy-Basis. Auf jeden Fall zeigen sie, dass Personalisierung nicht zwangsläufig ein Synonym für Konsum-Zeitgeist sein muss.

Kontinentale Kulturfrage

Vorreiter beim Handy-Tuning ist Japan. Hier sind blinkende Telefonanhänger schon lange alltäglich, und auch der Trend zur Bemalung und Beklebung kommt aus Asien. Ob er nach Europa auch die USA erreicht ist allerdings fraglich: Laut einem Essay des Gadget-Experten Ray Cha ist nämlich die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein entscheidender Faktor für die mobile Selbstdarstellung.

Autofahrer haben allerdings im Gegensatz zum U-Bahn-Fahrgast weder die Muße sich ausgiebig mit den Zusatzfunktionen ihrer Handys zu beschäftigen, noch das nötige Publikum für die Zurschaustellung eigener Modifikationen. Und die Modellpolitik der Mobiltelefon-Hersteller untermauert die These vom kontinentalen, kulturellen Graben sogar mit harten Fakten: Designer-Modelle wie Nokias 7380 kommen in den USA mangels Nachfrage nicht in den regulären Handel.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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