Computermesse in Taiwan: Die Highlights der Computex - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Computermesse in Taiwan Die Highlights der Computex

Unkonventionelle Mini-Notebooks, massenweise Elektronik-Gadgets und neue Hightech-Entwicklungen: Auf der Computex wurden spannende Neuheiten vorgestellt. SPIEGEL ONLINE hat die Highlights zusammengetragen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Da war was los in Taipeh. Wie jedes Jahr zu dieser Zeit tummelte sich die Hightech-Branche in Taiwans Hauptstadt, um sich gegenseitig mit Neuvorstellungen zu übertrumpfen. Mit dabei waren dutzendweise Netbooks, die meisten einander ähnlicher als es sich die Hersteller wünschten. Einige aber stachen aus der Masse hervor, zeigten, dass der Trend ihn eine neue Richtung geht. Statt des lange gepflegten Intel/Microsoft-Einerleis haben immer mehr Firmen den Mut, unkonventionelle Mini-Laptops zu entwickeln.

Überhaupt beherrschen in Taiwan neben originellen Gadgets, wie einem PC in einer Blumenvase, vor allem Chips die Szene. Nvidia trommelte kräftig für Geräte, in denen die neue Tegra- und Ion-Technik verbaut ist, die mehr Multimedia für kleine Geräte verspricht. Handychip-Spezialist Qualcomm vermeldete Erfolge dabei, sich in immer mehr Mini-Rechner einzuschleichen.

Zukunfts-Grafik, Selbstbau-Notebooks und Android-Netbooks: Einen Überblick darüber, welche Highlights die asiatische Computermesse zu bieten hatte, finden Sie auf den folgenden Seiten.

AMD zeigt DirectX-11-Grafikchip

Die grafische Ausgestaltung von Spielen kann einfach nie schnell und realistisch genug sein - deshalb denken sich Hard- und Softwarehersteller regelmäßig neue Techniken aus, die für noch buntere, noch echter wirkende Spielewelten sorgen sollen. Das macht dem Auge Spaß und spült Geld in die Kassen: Wer es ernst meint mit dem Spaß haben, muss regelmäßig neue Grafikkarten kaufen, um auf dem bestmöglichen Stand zu bleiben.

AMD-Demovideo zur Grafiktechnik DirectX 11: Schöne Bilder, die nicht all zu viel verraten

AMD-Demovideo zur Grafiktechnik DirectX 11: Schöne Bilder, die nicht all zu viel verraten

Mittlerweile aber scheint allein großartige Grafik nicht mehr zu ziehen, ein bisschen mehr muss schon drin sein. Und dieses bisschen sollen künftig Grafikkarten mit AMD-Chips leisten, die auf die Grafiktechnologie DirectX 11 setzen. Zum einen sollen sie Spielen natürlich neuen Schwung verleihen, zum anderen aber auch Windows 7 beschleunigen - und manch anderem Programm unter die Arme greifen.

So soll die Investition in eine neue Grafikkarte nicht nur Spielernaturen schmackhaft gemacht werden. Dass dieser Trick funktioniert, macht Konkurrent nVidia vor, der seine Grafikchips längst als Helfer in allen Lebenslagen anpreist. Ein wenig Geduld ist dennoch angesagt. Erst zum Jahresende sollen die neuen Grafikchips in den Handel kommen. gerade rechtzeitig vor Weihnachten.

Chic wie Sony - aber viel billiger

Da haben die Kollegen von netbooknews.de  ein echtes Schätzchen auf der Computex aufgestöbert: das ECS T800. Auf den ersten Blick scheint es eine Mischung aus Sonys schlankem und mindestens 900 Euro teuren Vaio P und einem von Apples Aluminium-Macbooks zu sein - aber der Schein trügt.

In dem schicken Widescreen-Gerät verrichtet ein OMAP3-Prozessor von Texas Instruments seinen Dienst. Eine ausgesprochen ungewöhnliche Wahl, aber Handy-Chips in Netbooks einzupflanzen scheint ja Trend zu sein. Laut netbooknews.de will der Hersteller des Geräts, die ECS Elitegroup, Android als Betriebssystem einsetzen.

Zur Grundausstattung des rund 800 Gramm schweren Geräts sollen ein 3G-Modem für Mobilnetze sowie 512 MB Speicher gehören. Zur Kapazität der verwendeten Festplatte macht das Unternehmen keine Angaben. Der Preis wird voraussichtlich unter 500 Dollar (350 Euro) liegen.

Das 24-Stunden-Netbook

Das hat man sich von Netbooks schon lange gewünscht: 24 Stunden Akkulaufzeit. Dem Mobinnova élan soll dieses Kunststück gelingen. Allerdings nur, wenn man sich darauf beschränkt, das Gerät als Musikabspieler zu benutzen, dabei den Bildschirm desaktiviert. Aber auch für den normalen Alltagsbetrieb verspricht der Hersteller eine stattliche Ausdauer von fünf bis zehn Stunden.

Möglich machen soll das der Tegra-Chipsatz von nVidia, ein Gegenstück zu Intels Atom-Technologie, die bisher in den meisten Netbooks steckt. Tegra soll den Atom vor allem im Multimediabereich abledern, locker übertrumpfen. Entsprechend verspricht Mobinnova-Chef Kuo, das élan werde HD-Videos in 720p-Auflösung abspielen können, was Netbooks bisher zumindest nicht ruckelfrei gelingt.

Schön anzusehen ist das élan allemal. Nur knapp mehr als 800 Gramm wiegt das zwei Zentimeter dünne, drahtlos vernetzte Gerät, auf dem offenbar ein Linux-Derivat läuft. Etwas rückständig wirkt einzig das etwas dürftige 8,9-Zoll-Display. Aber davon sollte man sich nicht schrecken lassen: Mobinnova hat auch eine Variante mit 10-Zoll-Bildschirm, GPS und HDMI im Köcher.

Schnelle, billigere Flash-Festplatten

SSD-Festplatten, die Massenspeicher, in denen Speicherchips anstelle rotierender Magnetscheiben Daten aufnehmen, könnten schon lange in allen Computern stecken. Das Interesse an den modernen Speichermedien ist jedenfalls groß genug. Allerdings gibt es zwei gewichtige Hinderungsgründe, die den Durchbruch verhindern: SSD-Platten sind langsam und teuer.

Speicherhersteller Kingston schickt sich nun an, diese Mankos zu beseitigen, zumindest ansatzweise. Die Flash-Festplatten der Serie SSDNow V sollen schneller und dennoch billiger sein als bisherige Modelle. Vor allem aber sollen sie Notebook-Nutzern den Umstieg leichter machen. Eine mitgelieferte Klon-Software überträgt selbsttätig Betriebssystem und Dateien von einer bereits vorhandenen Notebook-Festplatte auf den Flash-Datenträger. Bis zu 100 MB/s soll sollen die Flash-Datenträger übertragen können.

Teurer als herkömmliche Platten sind sie trotzdem. 140 Euro kostet das Modell mit 64 GB Kapazität, eine doppelt so große SSD-Now-Festplatte ist 100 Euro teurer. Zum Vergleich: Herkömmliche Festplatten kosten aktuell etwa 10 Cent pro GB (also rund 50 Euro für 500 GB). SSD-Speicher ist also noch immer rund 22mal teurer.

Das Selbstbau-Spieler-Notebook

Zugegeben, ein richtiger Bausatz ist das nicht: Trotzdem sollen Bastler hier einiges sparen können. Ausgerechnet Zubehörhersteller OCZ hat ein Notebook vorgestellt, dem es an einigem Zubehör fehlt, das OCZ DIY 17" Gaming Notebook .

Das ist ein waschechtes, wenn auch nicht sonderlich hübsches Notebook mit 17-Zoll-Display (1900 x 1200 Bildpunkte), Blu-ray-Laufwerk und ATI Radeon HD3870-Grafikkarte. Prozessor, Festplatte, Arbeitsspeicher und Betriebssystem muss der Käufer selbst besorgen und einbauen, beziehungsweise aufspielen.

Ob man dabei im Vergleich mit einem Komplettgerät tatsächlich Geld sparen kann, hängt von vielen Faktoren ab, vor allem aber davon, was der Notebook-Rohling kosten wird. Aber darüber schweigt sich der Hersteller noch ebenso aus wie über das Datum, zu dem das Gerät in den Handel kommen soll.

Ein Bilderrahmen mit Windows-Widgets

Weil einfach nur Bilder gucken wohl zu langweilig wäre, hat der neue digitale Bilderrahmen von der US-Firma SilverPac  ein paar Extras eingepflanzt bekommen, die ihn aus der Masse der Elektro-Bildanzeiger herausheben. So kann er drahtlos per Bluetooth, per schnellem W-Lan oder Speicherkarte mit Daten befüllt und per Fernbedienung gesteuert werden. Aber das ist längst nicht alles.

Denn in dem SilverPac-Bilderrahmen läuft ein abgespecktes Windows, das sogenannte Windows embedded. Dadurch können auf dem Gerät auch Widgets genannte Mini-Programme abgespielt werden. Und die ermöglichen es nicht nur, die Wetterprognose anzuzeigen, sondern können beispielsweise auch zum Lesen von E-Mail oder zum Abspielen von Musik und Filmen genutzt werden.

Nur an die Wand hängen kann man diesen Bilderrahmen nicht mehr, dafür ist er zu dick.

Der Super-Server mit Grafikkarten-Turbo

Der Wettstreit zwischen CPUS, den Computer-Prozessoren, und GPUs, den Grafik-Prozessoren, geht in die nächste Runde. der Server-Hersteller Supermicro zeigt auf der Computex einen Rackserver, der vor allem auf die Power von zwei riesigen Grafikkarten setzt.

"Unsere 6016T-GF SuperServer sind die bei weitem schnellsten 1U-Server der Welt", sagt Supermicro-Chef Charles Liang. 1U, dass ist ein Maß für die Bauhöhe des Rechners. Eine Rechenleistung von zwei Teraflops verspricht das Unternehmen für den vermutlich sehr lautstarken, weil mit mindestens acht kleinen Lüftern besetzten Rechenknecht. Das, so der Hersteller, sei etwa zwölf mal mehr als mit traditionellen Serverprozessoren erreichbar wäre.

So ganz kann man auf CPUs aber dennoch nicht verzichten, stellt dem superschnellen Grafikchips noch zwei von Intels Xeon-Serverchips zur Seite. Erst gemeinsam werden GPUs und CPUs zu Super-Zahlenfressern.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel