Adios Argentina Computer sind doof
In jedem Stadion der Welt, auf jeder Rennbahn, bei jedem Buchmacher sitzt er: Dieser oft kettenrauchende Typ mit dem guten Tipp, bei dem man sich fragt, warum er Aldi und nicht Armani trägt, wo er doch alles so genau weiß.
Die Vernunft rät dann zumeist, den guten Rat rechts rein- und links rauszulassen und sein Geld lieber so anzulegen, wie dies Nase, Bauch oder Kopf geraten lassen scheinen. Besonders erfolgreich sind die meisten Wetter damit nicht, sonst hätten die Buchmacher längst ihr Geschäft aufgegeben.
Das, glaubte Henry Scott von der Uni Warwick, könne man per Rechner ändern: Nach der Simulation Hunderttausender möglicher Spiele kam er zu dem Ergebnis, Argentinien würde Weltmeister.
Das klang plausibel und hätte durchaus sein können. Hätte, denn stattdessen fahren die Südamerikaner nun heim.
Kann passieren so was, auch bei den Buchmachern war Argentinien nicht schlecht gesetzt, und so mancher Typ mit einem heißen Tipp setzte wohl auch eher auf Argentinien denn auf Schweden. Ausgerechnet die Nordlichter aber schossen die Stars aus Argentinien ab: Wer hätte damit rechnen sollen?
Die Rechner der Uni Warwick zum Beispiel: Die, sagte Scott noch letzte Woche, zeichneten sich gegenüber den menschlichen Sport-Experten und Buchmachern ja gerade dadurch aus, dass sie das Element der Unberechenbarkeit, der inkonsistenten Leistung, der statistischen Wahrscheinlichkeit viel stärker in Betracht zögen.
Aus der Traum: Sport bleibt offenbar so unberechenbar, dass selbst beste Rechner schon in Vorrunden inkonsistente Leistungen zeigen.
Im Rennen ist nun noch Konkurrent und Kollege Peter O'Donoghue von der University of Ulster. Sein Rechner, sein Team und er setzten auf Brasilien. Davon ist er so überzeugt, dass er 20 Pfund zum Buchmacher brachte. Viel verdienen würde er dort mit dieser Wette nicht: Brasilien ist einer der Top-Favoriten, und die Quoten fallen mit jedem Top-Team auf Heimreise. Der Typ mit dem Tipp setzt in solchen Fällen auf Außenseiter: Wenn er gewinnt, dann wenigstens richtig. Aber für so sportlich-zockerische Feinheiten sind Computer offenbar noch immer zu doof.
Frank Patalong