Auktionen übers Handy Selbstbewusstes Höchstgebot
Es ist Krieg. Jedenfalls im Wortschatz. Die Idee werde "einschlagen" in Deutschland und "die etablierte Geschäftswelt auf den Kopf stellen". Man werde "immer dort sein, wo es keiner erwartet".
Cyriac Roeding, 26 Jahre alt und Marketingleiter, verspricht auf der Pressekonferenz "das provokativste Start-up Deutschlands". 12snap heißt die Idee und sie verlegt die aus dem Internet bekannten virtuellen Auktionen aufs Handy-Display. "Drahtlos" sind die Versteigerungen der Zukunft, wie Roeding bereits Wochen vor dem Start dem SPIEGEL verraten hat .
Fünf Gründer von 12snap sitzen bei der Präsentation auf dem Podium vereint mit ihren Kooperationspartnern. Allesamt in grauen oder schwarzen Anzügen - aber schlipslos. Der Raum, wie eine alte Industriehalle mit großen Metallrohren und Fliesen hergerichtet, ist in Schwarzlicht getaucht.
Auf den Tischen stehen - wohl zur Dekoration - in Alupapier eingewickelte Sektgläser mit jeweils einer Artischocke darin. An der Decke blitzt eine Discokugel. Und nach der Pressekonferenz wird harte Musik gespielt. Unternehmer müssen cool sein.
Wahrscheinlich sollen so auch die Journalisten werden, denn die Halle ist unterkühlt. Roeding aber hat sich warm geredet: Die Leute von Yahoo seien die ersten gewesen in ihrem Bereich, ein Jahr Vorsprung haben sie gehabt vor der Konkurrenz, vor Lycos, Excite oder Infoseek etwa. Und wo steht die Konkurrenz heute? Weit abgeschlagen hinter Yahoo.
Wie damals Yahoo sei auch 12snap mit seiner Idee von der Handyauktion weltweit der erste, sagt Roeding. Doch "nachdem man der Erste gewesen ist, muss man auch was liefern". Wie ein Tornado sei das, der erst ganz klein sei, dann aber immer breiter und größer werde.
Die Marketingstrategie, mit deren Hilfe das hochgesteckte Ziel erreicht werden soll, ist schon entwickelt: "Mund-zu-Mund-Beatmung". Gezielt sollen "Assistenten" die Bürger etwa in der Fußgängerzone informieren und ihnen zeigen, wie sie mittels Handy mitbieten können. Die Informierten sollen dann andere werben - und erhalten dafür einen Auktionsgutschein.
Alles tendiert zum Maximalen, in Grenzbereiche. Zum Beispiel die Werbung: Bis Mitte 2000 ist "ein zweistelliger Millionenbetrag" eingeplant. Damit sei 12snap eines der "aggressivsten Start-ups der letzten Jahre", sagt Roeding. Und eines, das das "provokativste Plakat Deutschlands" machen will.
Stolz werden die Motive, auf denen eine Toilettenatmosphäre vorherrscht, auf der Pressekonferenz präsentiert: Eine Frau sitzt auf der Toilette, der Slip hängt zwischen ihren Schienbeinen. Nebenher steigert sie kräftig per Handy mit. Und: Ein Pissoir mit drei Männern. Der mittlere ist gleich zweifach beschäftigt, mit der rechten Hand zielt er, mit der linken steigert er. Konsum in jeder Lebenssituation.